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Ein unermessliches Geschenk

Über den Wert des Gebetes und die Wichtigkeit der Konzentration auf einen der verpflichtenden Pfeiler des Islam. Von Hadsch Abdalhaqq Bewley.

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„Verrichtet das Gebet an den beiden Enden des Tages und im ersten Teil der Nacht. Gute Taten löschen böse Taten aus. Dies ist eine Erinnerung für die Leute, die aufmerksam sind.“ Al-Hud, 114

„Rezitiert, was euch vom Buch Allahs überliefert wurde und etabliert die Salat (das Gebet). Die Salat schließt Unanständigkeiten und falsche Handlungen aus. Und die Erinnerung an Allah ist noch größer. Allah weiß, was ihr tut.“ Al-Ankabut, 45

„Sucht Hilfe in Geduld und Gebet. Aber dies ist eine sehr harte Sache, es sei denn für die Demütigen, die wissen, dass sie ihren Herren treffen und zu Ihm zurückkehren werden“ Al-Baqara, 44-45

Wir haben einen großen Schatz, ein Geschenk, welches Allah uns gegeben hat, das unbezahlbar ist und doch, wegen unserer Gewöhnung daran, neigen wir dazu, ihm nicht den Rang zu geben, den es verdient. Dieses unbezahlbare Juwel ist unser tägliches Gebet.

Schaut, wie es zu uns gekommen ist. Es war der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, der es vom Herrn der Welten zurückbrachte, als er die sieben Himmel während seiner Nachtreise aufstieg und dann in die Gegenwart Allahs gebracht wurde. Wir wissen, dass ihm bei dieser Gelegenheit fünfzig verpflichtende Gebete gegeben wurden, die dann schrittweise auf die fünf, die wir heute verrichten, reduziert wurden. Fünf, die durch die Großzügigkeit Allahs die Belohnung der eigentlich fünfzig erhalten haben. So verkörpert unser Gebet – das wir alle als gegeben betrachten und gelegentlich in fahrlässiger Weise behandeln – das Geheimnis des Höhepunkts aller möglichen menschlichen Erfahrung: Das Treffen von Angesicht zu Angesicht des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, mit Allah. Viele Leute verstehen nicht, dass die Worte der Taschahud, die wir in der sitzenden Position rezitieren (at-Tahijjatu lillahi az-zakijjatu lillah at-tajjibatu’s-salawatu lillah – as-salamu ‘alaika ajjuha’n-nabijju wa rahmatullahi wa barakatuh), eine Aufzeichnung der Begegnung sind, die zwischen dem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, und seinem Herrn während dieser Ehrfurcht einflößenden Begegnung stattfand. Jedesmal, wenn wir das Gebet machen, verbinden wir uns wieder mit dieser höchsten menschlichen Möglichkeit und öffnen uns für das höchste Potenzial unseres eigenen individuellen Bewusstseins. Es ist das größte Mittel, das Allah uns gegeben hat, damit wir auf dem Weg des Islam bleiben. Der Weg, der uns zu Seiner Gnade, Vergebung und zu jeder guten Sache in beiden Welten führt. Es ist – ganz wörtlich zu sehen – unsere Lebensspanne, die uns mit Dem Lebenden, Der nie stirbt, verbindet. Die Tatsache, dass Er es uns täglich zu fünf Zeiten verpflichtend gemacht hat, garantiert, dass es niemals gebrochen wird. Der Prophet verglich das Gebet mit einem Fluss, in dem jemand fünfmal täglich badet, und fragte dann, ob danach noch Schmutz an dem Körper bleiben könne? Die Gefährten antworteten, dass dies nicht der Fall sein könne. So bewahrt unsere regelmäßige Salat, dass die Verbindung zwischen uns und unserem Herrn nicht unterbrochen wird. Die täglichen Gebete entfernen alle kleineren falschen Taten, die zwischen ihnen geschehen sind. Das Gebet [Salat] ist der größte Pfeiler unseres Dins nach den Schahadatain (der doppelten Bezeugung). Allah hat sie für uns verpflichtend gemacht, damit unser Rang dadurch angehoben wird, unsere guten Handlungen vervielfacht werden, unsere falschen Handlungen, Fehler und üblen Taten von uns abfallen, und dadurch gewährt Er uns den Garten und rettet uns vor dem Feuer. Jedoch – wie bei allen Segnungen – ist das Gebet ein zweischneidiges Schwert. Wenn wir bei ihm Schutz suchen, gibt es uns Licht in unsere Herzen, in unsere Gräber und am Tag der Wiederauferstehung. Es wird uns mit den notwendigen Beweisen versorgen, die wir benötigen, damit wir geschützt sind vor schmerzhafter Bestrafung an diesem Tag, denn wir wissen von Jahja ibn Sa’id aus der Muwatta’: „Die erste Tat einer Person, die am Jüngsten Tag betrachtet wird, ist ihr Gebet. Wenn es angenommen wird, werden die restlichen Taten dieser Personen in Betracht gezogen. Wenn nicht, dann spielen die restlichen Taten keine Rolle mehr.“ Wenn wir es vernachlässigen oder entwerten, dann wird dies an diesem Tag, wenn wir es am nötigsten brauchen, gleichermaßen gegen uns verwendet werden. Wir müssen vorsichtig sein, nicht diejenigen Leute zu sein, über die Allah spricht, wenn er Er in Sura Al-Mariam sagt: „Eine üble Generation kam nach ihnen, die die Salat vernachlässigte und ihren Gelüsten folgte. Sie werden in das Tal des Übels stürzen.“ Al-Mariam, 59

Und nehmt euch die Worte des Propheten zu Herzen: „Zwischen einem Mann und der Bedeckung der Wahrheit (Kufr) steht die Nichterfüllung des Gebets.“ Die Position, die das Gebet in unserem Din einnimmt, ist vergleichbar dem Hauptpfeiler eines Zeltes: Ist dieser vorhanden, kann das Zelt genutzt werden und alle anderen Pfeiler, Seile und Pflöcke werden ihren Platz finden. Wenn nicht, dann bricht die gesamte Struktur zusammen und ist nutzlos. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, uns daran zu erinnern, dass Allah uns nicht einfach befohlen hat, das Gebet zu machen, sondern uns eher unterwiesen hat, es einzurichten, was, worin sich alle Mufassirun [Qur'an-Kommentatoren] einig sind, viel mehr bedingt, als nur die reine Verrichtung einer bestimmten Anzahl an Rak’ats zu einer bestimmten Zeit. Zuerst macht dies die Vorbedingungen der Reinheit, des Ortes, der Bekleidung, Richtung usw. notwendig. Aber darin enthalten sind auch die sozialen und politischen Dimensionen, die für die Verrichtung des Gebets unabdingbar sind. Diese sind am offensichtlichsten am Tag des gemeinschaftlichen Freitagsgebets, wenn es für alle Männer der Gemeinschaft verpflichtend ist, beim Gebet anwesend zu sein. Es wird auch klar, dass die frühen Muslime das gemeinsame Gebet in der Moschee als entscheidenden Teil der Etablierung des Gebets betrachteten.

Das gut bekannte Hadith des Propheten macht deutlich, dass das Gebet in Gemeinschaft zwanzigmal besser ist als die Verrichtung des Gebets alleine. Und, trotz anderslautender späterer Deutungen, wird klar, dass der eigentliche Inhalt dieser Aussage sich auf das gemeinschaftliche Gebet bezog, welches hinter einem Imam in einer Moschee verrichtet wurde. Deshalb hat Imam Malik, in Nachahmung der Handlung der ersten Generationen in Medina, den Leuten verboten, ein weiteres gemeinschaftliches Gebet in der Moschee zu verrichten, wenn die Gemeinschaft hinter dem Imam zu einer bestimmten Zeit bereits gebetet hatte.

Die Haltung der ersten Gemeinschaft in dieser Frage wird durch die kompromisslosen Worte des großen Gefährten ‘Abdullah ibn Mas’ud klargemacht, der sagte: „Wer immer Allah morgen als Muslim begegnen will, sollte seine Gebete sichern, wenn für sie gerufen wird. Allah hat Seinem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden gewähren, die Handlungen der Rechtleitung vorgeschrieben, und die Etablierung des Gebets ist eine von ihnen. Wenn ihr das Gebet in euren Häusern macht, wie jemand der es versäumt, es in Gemeinschaft zu machen, habt ihr die Sunna eures Propheten verlassen. Wenn ihr die Sunna eures Propheten verlasst, werdet ihr nicht rechtgeleitet. Ihr habt uns gesehen und kein anderer als ein allgemein bekannter Heuchler oder ein Kranker hat es unterlassen, zum Gebet zu kommen. Leute kamen, die von zwei Männern gestützt werden mussten, bis sie dann aufrecht in der Reihe standen.“

Al-Hara’ ibn ‘Azib sagte: „Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, schritt die Reihen von einem zum anderen Ende ab, und schob uns an Brust und Schultern zusammen. Er sagte: ‘Seid nicht uneinig, oder eure Herzen werden uneinig.’ Er sagte: ‘Allah und dann die Engel segnen die erste Reihe.’“ Ibn ‘Umar berichtete, dass der Gesandte Allahs sagte: „Macht die Reihen gerade, steht Schulter an Schulter und schließt die Lücken. Gebt eurem Bruder Platz und lasst keinen Platz für Schaitan. Allah ist jedem nah, der die Reihen verbindet, und Allah wird sich von jedem lösen, der eine Lücke in die Reihe bricht.“ Diese Ahadith und viele ähnliche sagen uns nicht nur, wie wir uns verhalten müssen – obwohl sie dies mit Sicherheit tun – sondern weisen auch deutlich darauf hin, dass der Weg, das Gebet zu machen, eine Art Haltepunkt ist für unser gesamtes Leben als Einzelne und als Gemeinschaft. Unser Gebet ist im Kleinen eine Wiederspiegelung unseres Lebens als Ganzem. Wie wir beten, so leben wir. Dies ist einer der lebenswichtigen Aspekte für uns, denn wenn wir ehrlich über unsere Beziehung zu unserem Gebet nachdenken, dann erfahren wir eine Menge über uns selbst.

Wir sollten beobachten, ob wir es in seiner Zeit machen und wenn nicht, warum nicht. Wir sollten unsere körperlichen Verhaltensweisen darin betrachten, ob wir übergenau sind oder zu schlampig, oder unser Maß an Konzentration und dass, was uns abzulenken pflegt. Diese und andere Dinge, die wir beobachten können, werden uns viel über unser gesamtes Leben sagen. Mehr als der bloße Einblick in unseren eigenen Zustand und den der ganzen Gemeinschaft, gibt das Gebet uns die Gelegenheit, etwas zu ändern an denjenigen Dingen, die nicht sind, wie sie sein sollten. Es funktioniert natürlich auch anders herum. Wenn wir Fehler oder Unausgewogenheiten korrigieren, bemerken wir dies auf der mikrokosmischen Ebene des Gebets. Durch die Hinwendung zu den Wurzeln der Probleme und deren Bewältigung werden wir unausweichlich feststellen, dass der gleiche Effekt oder die gleiche Unausgewogenheit, die sich selbst im Gebet manifestiert hat, auch aus der makrokospischen Ebene unseres täglichen Lebens verschwinden wird. Dies ist einer unter unzähligen Nutzen, die wir aus dem unermesslichen Geschenk, welches Allah uns gegeben hat, ziehen können. Die Dinge, die über das Gebet gesagt worden sind, erreichen eine beinahe endlose Zahl, und viele umfangreiche Bücher sind darüber geschrieben worden, aber ich möchte diesen kurzen Blick auf einige Effekte beenden und zitieren, was drei unserer berühmten Vorfahren dazu sagten.

Schaikh Ibn Ata’illah Al-Iskandari, möge Allah ihm gnädig sein, sagte in seinen Hikam: „Gebet ist die Reinigung der Herzen, ein Mittel der Öffnung hin zur unsichtbaren Welt. Gebet ist der Ort des intimen Austausches, eine Mine der spiegelnden Reinheit. Der Bereich der Geheimnisse breitet sich in seiner Weite aus. Lichter erheben sich aus ihm und senden ihre Strahlen nach außen. Er weiß, du bist schwach, so hat Er die Gebete gering an Zahl gemacht. Er weiß, dass du Seiner überfließender Gunst bedarfst, so hat Er Seine Segnungen in ihnen vervielfacht.“

Schaikh Moulai Al-’Arabi Ad-Darqawi, möge Allah mit ihm gnädig sein, sagte in einem seiner Briefe: „Wer immer sich selbst retten will, sich glücklich machen will, seine Fehler verschleiert haben will, die Zufriedenheit seines Herrn erreichen will, sein inneres Auge öffnen will, wer Geschenke will und sein Herz zum Leben erwecken will, sollte seinem Herrn die entsprechende Aufmerksamkeit zeigen, das Gebet nicht über seine geeignete Zeit hinaus aufschieben und sich darin keine Schwäche erlauben. Noch sollte er das Gebet allein machen, wenn er dies in Gemeinschaft tun kann. Aber doch sehen wir viele Leute ihr Gebet verschieben und für sich selbst beten, wo sie sich doch der Gemeinschaft anschließen könnten. Hier tun sie Übles … Wir sehen sie versunken in Ängstlichkeit, Sorge, Härte und Missgeschick. Bei Allah, die Quelle dessen, was sie befallen hat, ist ihre Nachlässigkeit im Din. Wir haben auch Notiz davon genommen, dass sie keinen Unterschied machen zwischen dem Gebet in der ersten und in der letzten Reihe. Dies ist nicht so, weil sie es nicht wissen, sondern weil es ihnen an Sorge um den Din mangelt. Ebensowenig sind sie gewissenhaft in ihrer Reinigung. Aber die Wahrheit ist, dass, wenn jemand eine Unreinheit mit sich hat, er kein Wudu hat. Und wenn er kein Wudu hat, dann hat er kein Gebet. Und wenn er kein Gebet hat, hat er überhaupt nichts Gutes.“

Schließlich sagte Schaikh Al-Akhdari in einer bewegenden Passage seiner kleinen Abhandlung über das Gebet: „Es gibt ein unermessliches Licht im Gebet, welches in den Herzen derer scheint, die es einrichten und nur zu denen kommt, die währenddessen in demütiger Konzentration sind. Wenn ihr zur Salat kommt, befreit eure Herzen von der Dunja und von allem, was in ihr ist, und beschäftigt euch mit der Konzentration auf die Anwesenheit eures Herrn, an den sich euer Gebet richtet. Ihr solltet wissen, dass das Wesen des Gebets demütige Konzentration auf und Unterwerfung vor Allah ist, durch Stehen, Beugen und Niederwerfung vor Ihm sowie Respekt und Erhöhung von Ihm, sowie durch Takbir, Tasbih und Dhikr. So ist der Schutz eures Gebets der höchste Akt der Anbetung. Erlaubt Schaitan nicht, mit euren Herzen zu spielen und euch davon abzulenken, so dass euer Herz verwüstet wird und ihr enteignet werdet von den Lichtern des Gebets. Ihr müsst euch immer wieder darum bemühen, darin demütig konzentriert zu sein, denn es verhindert Unanständigkeit und falsche Handlungen, entsprechend dem Maß eurer Konzentration. Und bittet Allah um Hilfe. Er ist der Beste aller Helfer.“

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