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Von europäischen Ausmaßen: Frankreichs erste Wahl

Macron und Le Pen sind offenbar in der Stichwahl um das Präsidentenamt. Bericht von Inga Kilian

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Foto: Pablo Tupin-Noriega | Lizenz: CC BA-SA 4.0

In Frankreich ist eine Vorentscheidung darüber gefallen, wer im Mai in den Elysee-Palast einziehen könnte. Der unabhängige Kandidat Macron und die Rechtspopulistin Le Pen gehen Hochrechnungen zufolge in die Stichwahl.

Paris (KNA) Frankreich hat gewählt. Ersten Hochrechnungen zufolge treten der unabhängige Mitte-Links Politiker Emmanuel Macron (39) und die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen (48), bei der Stichwahl am 7. Mai gegeneinander an.

Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Ipsos (20.42 Uhr) erhielt Macron 23,7 Prozent der Stimmen und liegt damit auf Platz eins. Auf dem zweiten Platz folgt Le Pen mit 21,9 Prozent. Der republikanische Kandidat Francois Fillon erhielt demnach 19,7, der Linken-Kandidat Jean-Luc Melenchon 19,2 Prozent. Die Franzosen hatten die Wahl zwischen elf Kandidaten, reelle Chancen hatten jedoch nur die genannten vier. Die Wahlbeteiligung blieb mit etwa 77 Prozent ähnlich hoch wie 2012.

Die Wahl fand im Schatten des Terrors statt– die Stimmung war aufgrund der schwierigen Sicherheitslage extrem angespannt. Erstmals wurde eine Wahl im Ausnahmezustand abgehalten. Dieser gilt seit den Anschlägen in Paris im November 2015 und war im Dezember zum fünften Mal bis Mitte Juli verlängert worden. In der Schlussphase des Wahlkampfes hatten die Kandidaten mehrere öffentliche Termine wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Mehr als 50.000 Polizisten und Tausende Soldaten sicherten den Urnengang ab.

Prognosen hatten kurz vor der Wahl ein denkbar knappes Ergebnis vorhergesagt. Nach einem skandalreichen Wahlkampf schien der Ausgang offen. Letztendlich profitierte Le Pen vermutlich von dem Anschlag auf Polizisten in Paris am Donnerstag. Die Angst der Franzosen vor immer neuem Terror spielte ihr in die Karten. Le Pen wiederholte kurz vor dem Wahltag erneut ihre Forderung nach der Einführung von Grenzkontrollen und der Abschiebung von Migranten, die von den Geheimdiensten überwacht werden. Moscheen, die mit „dem radikalen Islam“ in Verbindung gebracht würden, sollten unverzüglich geschlossen werden.

Der unabhängige Macron galt bereits im Vorfeld als einer der Favoriten. Er könnte nun als jüngster französischer Präsident in den Elysee-Palast einziehen. Macron zeigte sich in seinem Wahlprogramm betont europafreundlich und umwarb die politische Mitte.

Die Positionen der Kandidaten im Blick auf Europa und die EU könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Macron, Chef der politischen Bewegung “En Marche!” (Auf dem Weg), einen europafreundlichen Kurs fährt, will Le Pen die Bürger über die EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen und den Euro in Frankreich abschaffen. Ihr Wahlkampfchef David Rachline betonte kurz nach Bekanntwerden erster Ergebnisse Medienberichten zufolge, die Stichwahl sei nun ein Referendum– für oder gegen Globalisierung.

Zeitgleich riefen andere Politiker, darunter Premierminister Bernard Cazeneuve und der Unterlegene Fillon, die Franzosen auf, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. Schon im Vorfeld der Wahl hatten sich katholische Medien gegen den Front National gestellt. So erhielt jeder Abonnent der Zeitung “La Croix” ein Magazin mit dem Titel: “Extrem rechts: zuhören, verstehen, handeln”. Redakteure erklärten die Ziele des Front National und glichen sie mit christlichen Werten ab.

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