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Eine äußere wie ­innere Reise

Keiner kommt als der Gleiche vom ­Hidschaz zurück

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Foto: Omar Chatriwala / AJE

(iz). Die Hadsch ist die Demonstration der Wirklichkeit, dass im Islam alle Wege zum Hause Allahs führen, wo Nationalität, Herkunft und unterschiedliche Doktrinen hinweggefegt werden. Die Hadschis kommen fliegend, segelnd und auf dem Landweg. Aber wer sie auch sein mögen, woher sie auch kommen und wie immer sie kommen, sie werden nur von einer Sache und nur zu einem Punkt angezogen: ihrem Verlangen, Allah an Seinem Haus anzubeten und die Rituale der Hadsch zu vollziehen. Von dem Augenblick, in dem der Hadschi seinen Weg mit der Absicht, die Pilgerfahrt zu vollziehen, beginnt, ist die Reise auf eine gewisse Weise nicht seine eigene, denn er macht mit Millionen anderen.

Und doch ist es seine persönliche, denn in dieser großen Versammlung wird er in der Entfaltung seines eigenen, ungeteilten Schicksals alleine im Angesicht seines Herrn stehen. Er wird zu einem von vielen Elementen des Schmelztiegels Mekka, wo die große Gestaltung der muslimischen Gemeinschaft stattfindet, wo alle Teile unter den intensivsten Bedingungen vermischt werden, um dann schließlich wieder getrennt zu werden und anders nach Hause zurückzukehren, als sie es verlassen haben.

Es ist genau diese Veränderung, in der der Nutzen liegt. Bei einigen Hadschis ist der Wandel oberflächlich und der Glanz verschwindet. Binnen kurzer Zeit sind sie genau so, wie sie vorher gewesen sind. Andere jedoch kommen vollkommen verändert wieder; ihr Leben hat eine neue und bedeutungsvollere Qualität erhalten. Dies sind diejenigen, die der Prophet meinte, als er von Neugeborenen sprach. Für sie ist die Hadsch wie ein neuer Anfang in ihrem Leben.

Der Unterschied zwischen beiden liegt zuerst in der Absicht. Zweitens in dem, was Allah in einem Ajat sagt, nämlich, dass es der Taqwa bedarf, um die Handlungen der Hadsch wirklich bedeutungsvoll zu machen. Es ist nicht ausreichend, nur passiv an den Riten teilzunehmen und mit der Menge wie der Samen der Pusteblume fortgeweht zu werden. Man muss etwas von sich selbst mitbringen und das ist die Taqwa – furchtsames Bewusstsein von der Gegenwart Allahs.

Die Rituale sind nicht magisch, das heißt, dass sie nicht automatisch einen Nutzen für denjenigen haben, der sie vollzieht. Sicherlich gibt es große Baraka darin, die vom Alter dieses Göttlichen Befehls (der Hadsch) stammt und von den Milliarden von Muslimen, die an ihr teilgenommen haben. Aber der Nutzen, den man selber daraus ziehen wird, ist direkt abhängig von der Menge der Taqwa, die man mitbringt.

Das erste Ritual stellt das Anlegen des Ihram dar. In ihm ist die Absicht enthalten, die auf alle folgenden Rituale projiziert werden sollte, sodass unsere Hadsch darin eingebettet ist. Nach dem Ihram folgen viele weitere Rituale. Als Beispiel sei der Tawaf angeführt. Es ist die Handlung der Umkreisung vom Hause Allahs, die ein weiterer essentieller Bestandteil unserer Reise ist.

Wenn man das große Rad bei Nacht und Tag betritt, welches sich ununterbrochen um die Ka’ba – dem Fokus von denjenigen, die in aller Welt Allah anbeten – dreht, ist es nur zu leicht, von dem erstaunlichen Anblick abgelenkt zu werden, der sich einem bietet. Hinzu kommt das notwendige Gedränge von Leuten, die sich auf begrenztem Raum bewegen und welches insbesondere in der Nähe des Schwarzen Steins stärker wird.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, auf sein Herz zu achten und der einfachste Weg dazu ist, einen einfachen Dhikr konstant zu wiederholen und sich entsprechend der prophetischen Anweisung daran zu erinnern, zwischen der jemenitischen Ecke und dem Schwarzen Stein das qur’anische Du’a zu sprechen. Der Kreis des Tawaf ist vielleicht der Ort der Hadsch, an dem man am meisten an sein Sein als Weltbürger erinnert wird.

Ein weiterer Aspekt des Tawaf ist, dass das eigene Leben weniger als ununterbrochene Kette einer Entwicklung erscheint, sondern als Reihe von Kreisen, die einen immer wieder an den gleichen Punkt bringen. Was in unserem Leben wie beim Tawaf erstrebt wird, ist, dass dieses Kreisen nicht auf der gleichen Ebene verharren soll, sondern die Form einer aufsteigenden Spirale haben sollte, sodass wir uns immer mehr auf Allah zubewegen. Unser Tawaf endet mit den zwei Rak’at (Verbeugungen) am Maqam von Ibrahim. Dies hat eine besondere Bedeutung für uns, denn im Gewühle des Tawaf müssen wir einen Ort für uns selber finden und dort einige Augenblicke in Ruhe und Konzentration verharren, indem wir uns verbeugen und niederwerfen und uns der Anbetung unseres Herrn widmen.

Nur die direkte Erfahrung der Rituale macht die eigene Hadsch aus und nur die eigene Hadsch wird einem selbst gehören. Deshalb ist sie genauso eine innere wie eine äußere Reise. Und es ist diese innere Dimension, die die unbekannte Menge der äußerlich undefinierbaren aber unverzichtbaren Eigenschaft der Taqwa ausmacht, die wir bei allen vollzogenen Ritualen mitbringen. Nur davon wird das Maß des Nutzens der Hadsch und ihrer Annehmbarkeit bei Allah am Ende abhängig sein.

Der Prophet erklärte, dass eine der besten Handlungen für einen Menschen eine angenommene Hadsch ist, und es ist daher zu hoffen, dass alle diejenigen, die sich auf den Weg dahin machen, die stärkste Absicht und die Menge an Taqwa mitbringen, damit ihre Hadsch Annahme bei ihrem Herrn finden möge. Wenn sie diese finden, liegt der direkte Beweis in ihrem eigenen Dasein.

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Abdalhaqq Bewley

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