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Eine deutsche Jüdin und der Holocaust. Von Farhad Peikar

Letzte Rettung Albanien

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Die deutsche Jüdin Johanna Neumann überlebte den Holocaust in einem Land, dessen Rolle während der Judenverfolgung kaum bekannt war: in Albanien. Ihre Geschichte vom Krieg ist auch die Geschichte eines Landes mit einem unumstößlichen Ehrenkodex.

Washington/Berlin (dpa). Als Millionen Juden, Zehntausende Homosexuelle und etliche ethnische Minderheiten von den Nationalsozialisten verfolgt und getötet wurden, gab es für Johanna Neumann nur einen Ausweg: Flüchten und Verstecken. Sie rettete sich in ein Land, dessen Verdienst für die Überlebenden des Holocaust bis heute kaum bekannt ist: nach Albanien. Im damaligen einzigen muslimischen Königreich Europas haben knapp 2000 Juden das gefunden, was sie in dieser Zeit kaum für möglich gehalten hatten – Sicherheit und Menschlichkeit.

Johanna Neumann ist mittlerweile 83 Jahre alt, lebt in Washington D.C. und ist 13-fache Ur-Oma. Sie wurde 1930 in Hamburg geboren, als Siebenjährige musste sie mit ihren Eltern aus Deutschland fliehen, als die Nazis immer brutaler gegen die Juden vorgingen. Neumanns Familie floh mit dem Zug nach Italien, dann über die Adria nach Albanien. «Wir wurden mit offenen Armen empfangen und hatten albanische Freunde», erinnert sich Neumann im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Das kleine Land im Südosten Europas war eine Zuflucht für zahlreiche Verfolgte. Als absolute Minderheit in einem muslimisch geprägten Land lebten nur knapp 200 Juden dort, weitere 1800 flüchteten dorthin.

Neumanns Erzählung über die Erlebnisse ihrer Kindheit ist auch die Geschichte eines Landes mit einem unumstößlichen Ehrenkodex. «Wenn du in mein Haus kommst, wirst du beschützt. Das ist ihre Mentalität», bringt Neumann das Credo der Albaner auf den Punkt. Im Kern des albanischen Willens, Fremde zu beschützen, stand das Gebot der «Besa»: Jeder Gast sollte in ihrem Land in Sicherheit leben – um jeden Preis.

Diese Regel setzten die Beschützer von Johanna Neumann bis zur Perfektion um – auch dann noch, als das Land von Italien und schließlich von Deutschland besetzt war. Zunächst wurde Neumanns Familie in einer Moschee untergebracht, anschließend zog sie von Versteck zu Versteck. Später nahm sie der Muslim Pilku auf.

Pilku versteckte den Vater der Familie in einem Bauernhaus auf dem Land, die kleine Johanna und ihre Mutter lebten bei Pilku zu Hause. Wenn deutsche Soldaten zu Besuch kamen, hatte Pilkus aus Deutschland stammende Ehefrau eine Ausrede parat: «Wir wurden immer als ihre Familie vorgestellt, die aus Deutschland zu Besuch war», sagt Johanna Neumann.

Wie Neumann und ihren Eltern erging es dutzenden Familien aus Deutschland und Österreich, als sie nach Albanien kamen. «Nicht ein einziger Jude wurde jemals aus Albanien deportiert», sagt Neumann. Die meisten Geflüchteten versteckten die Bewohner des kleinen Landes in ihren Häusern. Auch in Krankenhäusern konnten die Verfolgten manchmal untertauchen. Um die Soldaten der Besatzer fernzuhalten, stand an deren Eingangstüren oft geschrieben: «In Quarantäne wegen Typhusfieber».

Auch wenn Albaniens Rolle beim Schutz von Juden sicherlich kleiner anzusehen ist als die von Dänemark und Bulgarien, wo das Leben von insgesamt etwa 55 000 Menschen gerettet wurde: Wegen Menschen wie Pilku überlebten hier 2000 Verfolgte – während sechs Millionen Juden von den Nazis getötet wurden.

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