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Eine Fotoausstellung von Rami Tufi beleuchtet den baulichen Zustand muslimischer Gebetsstätten. Von Yasin Alder

Die Realität deutscher Moscheen

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(iz). Der junge Frankfurter Fotograf Rami Tufi, unseren Lesern durch seine Beiträge in dieser Zei­tung bekannt, hat im Dezember seine zweite Fotoausstellung in Frankfurt am Main durchgeführt. Sie fand in den Räumlichkeiten der Evangelischen Stadtakademie am Römerberg statt.

Mit initiiert wurde sie neben dieser unter anderem auch vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt, der Herbert-Quandt-Stiftung und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Rami Tufi, der an der renommierten Berliner Ostkreuzschule für Fotografie studiert, hat sich diesmal die Moscheen Frankfurts als Motive gewählt. Im Rahmen einer konzeptionellen Arbeit hat er sämtliche Moscheen der Mainmetropole von Außen fotografiert, so wie sie sich einem vorbeigehenden Passanten präsentieren – Fotos von den Innenräumen der Moscheen oder Menschen sucht man auf den schlichten Bildern vergebens. Wer ästhetische Architekturfotografie oder Dokumentationen des religiösen und sozialen Lebens in den Moscheen sucht, wird wohl enttäuscht sein. Dies war auch nicht Ziel des Projektes.

Die Initiative zur Ausstellung ging von dem Fotokünstler selbst aus. „Die Idee, Moscheen zu fotografieren, hatte ich schon sehr lange. Ich hatte schon seit einigen Jahren den Diskurs über Integration beobachtet und in diesem Rahmen auch das Thema der Moscheen und der so genannten Hinterhofmoscheen. Ironischerweise wurde dabei auch der miserable Zustand der Moscheen als Zeichen mangelnder Integration angeführt. Heute wollen die Muslime in die Öffentlichkeit, mit sichtbaren und repräsentativen Moscheen, und jetzt reden wir immerhin darüber, wie die Moscheen gebaut werden, nicht mehr, ob sie gebaut werden“, sagt Rami Tufi.

Der Unterricht an der Ostkreuzschule sei sehr praktisch orientiert, ähnlich wie in einer Agentur, berichtet er. Ideen werden in der Gruppe vorgebracht und diskutiert. „Als ich mit der Idee antrat, Moscheen zu fotografieren, und die ersten Bilder dabei hatte, hat sich mein Lehrer Werner Mahler dies erst einmal von mir erklären lassen, weil es sehr unscheinbare Bilder waren, ohne Minarette oder auch nur ein Schild, auf dem ‘Moschee’ steht. Als ich ihm sagte, dass es so viele Moscheen in Frankfurt gibt, 36 an der Zahl, und sie mehrheitlich so aussehen, war ihm klar, dass das eine super Idee ist und er hat mit dringend empfohlen, damit weiterzumachen.“

Die Durchführung der Arbeit zog sich dann über einige Monate. Als Rami Tufi sie beendet hatte, ging er damit zum Amt für multikulturelle Angelegenheiten – ursprünglich nur, um herauszufinden, ob man dort denn wisse, wie die Moscheen, die das Amt in einer Liste führt, denn eigentlich aussähen, erzählt er. „Die dort zuständige Frau Vera Klinger war sehr beeindruckt von den Fotos. Sie kennt zwar viele Moscheen, aber die dokumentarischen Bilder in der Zusammenschau zu sehen, war etwas anderes für sie. Sie hat dann weitere Personen hinzugezogen“, so Rami Tufi.

Eine davon war Ilona Klemens, Pfarrerin für Interreligiösen Dialog von der Evangelischen Kirche; hinzu kam der Kurator der Evangelischen Stadtakademie. Schnell war man sich einig, dass eine Ausstellung daraus werden sollte. In der Ostkreuzschule wurde die Arbeit von allen Professoren als herausragende Leistung bewertet. Engagierte Anfragen seines Lehrers bei verschiedenen Verlagen und Magazinen zu einer Veröffentlichung der Fotoserie wurden jedoch allesamt abgelehnt, was Rami Tufi verwundert aufnahm.

Die auf den ersten Blick sehr einfachen Fotos sind in ihrer Erstellung aufwändiger als man denkt – teilweise habe er stundenlang vor den Moscheen gestanden, um das eine Foto zu machen, sagt Tufi. „Auf den Bildern ist nichts dem Zufall überlassen, so einfach sie auch aussehen mögen“, sagt der Fotograf dazu. „Man nennt das konzeptionelle Fotografie. Das heißt man ordnet das Bild, das entstehen soll, seiner anfänglichen Idee unter. Man stellt eigene Spielregeln auf, legt Kategorien und so weiter fest und hält sich streng an diese selbst gesetzten Vorgaben. In diesem Fall waren die Faktoren: Keine Menschen auf den Bildern, kein dramatisches Licht, immer die gleiche Perspektive“, erklärt er. „Ich wollte nämlich die Perspektive desjenigen Bürgers simulieren, der auf der anderen Straßenseite steht und es nicht wagt, hineinzugehen, der keinen Kontakt hat und nicht weiß, was sich drinnen abspielt, der vielleicht weiß, dass dort wohl Muslime sein mögen, aber nicht, was diese dort tun. Und es kommt auch keiner auf ihn zu und lädt ihn ein.“

Aufgenommen wurden die Fotos mit einer speziellen Architekturkamera. „Ich stand für jedes Foto mehrere Stunden am gleichen Platz. Bis ich mein Bild gewählt habe, vergehen oft mehrere Stunden. In dieser Zeit begegnen mir die Menschen, die in der Moschee aktiv sind, die ein- und ausgehen, und auch Passanten. Das Material und die Entwicklung ist so teuer und aufwändig, dass ich von jeder Moschee immer nur ein Bild gemacht habe, nicht mehrere. Für den Transport der Kamera, des Objektivs und dem restlichen Equipment benötigte ich eine Sackkarre. Es darf kein Auto dort stehen, es darf niemand vorbeigehen, das Licht muss perfekt sein, der Bildausschnitt muss von der Geometrie her stimmen. Die Komposition und der Bildaufbau muss stimmen. Ich muss sicher sein, dass ich nicht noch einmal wiederkommen muss. Denn die optimalen Bedingungen finde ich vielleicht nie wieder vor.“

So hat es letztlich Monate gedauert, bis die Fotos fertig waren. Trotz dieser Langsamkeit sei es dennoch „so spannend und aufregend“ gewesen „wie ein Schnappschuss, den man auf der Straße von Leuten macht, die vorbeilaufen“, sagt der talentierte Fotograf. „Das ist ein bisschen wie Malerei.“ Alle Moscheen wurden auf die gleiche Weise fotografiert, damit sie vergleichbar wurden und ihr Ist-Zustand evident. „Die Bilder sollten so werden, dass ich man nicht mehr darüber reden muss. Ich möchte die Bilder auf den Tisch legen und sagen: Das sind alle Moscheen in Frankfurt, noch irgendwelche Fragen?“ Die Fotografie wurde hier als Mittel gewählt, eine nonverbale, jenseits der Sprache gelegene Aussage zu treffen. „Nur zwei Moscheen in Frankfurt haben ein Minarett, nur eine ist schön, der Rest ist Hinterhof.“

Die Reaktionen auf die Bilder seien bisher „so unterschiedlich wie die Besucher es sind“, sagt Rami Tufi. Der Ausstellungsort liegt in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Römer, und das Publikum war überwiegend „ein einfaches, kein Foto-Fachpublikum. Ein Publikum, das sich mit der Thematik auseinandersetzen möchte und einfache Ansichten hat.“ Die Reaktionen träfen sich aber da, wo es um die Einsicht gehe, dass die meisten Moscheen tatsächlich in einem sehr schlechten baulichen Zustand seien und man etwas dagegen unternehmen müsse.

Zur Ausstellung ist auch ein Bildband erhältlich. Er kostet 8,00 Euro und kann über die Evangelische Stadtakademie Frankfurt bezogen werden: www.roemer9.de

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