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Eine Frage des Gleichgewichts

In den kommenden vier Wochen sind die Muslime aufgefordert, über die Verwendung ihrer Zeit nachzudenken. Von Meena Malik

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Foto: Pexels.com

(Muslim Matters). Inmitten des letzten Ramadan brachen wir eine der Ramadanregeln in unserer Familie: „Kein frittiertes Essen!“ Mama legte los und kochte unzählige frittierte, traditionelle Speisen aus Pakistan. Es schmeckte fantastisch und kam zur richtigen Zeit. Aber wir alle zahlten einen hohen Preis dafür und fühlten uns nach dem Aufwachen zum morgendlichen Suhur-Essen sehr lausig.

Ich bin überhaupt kein Gesundheits-Freak, aber während dieses Monats erreiche ich immer neue Ebenen der beinahe schmerzhaften Bewusstheit von dem, was ich esse, sowie von anderen Gewohnheiten. Sie alle tragen – im Glücksfall – zu meinem Wohlergehen bei. Die sonstigen Grauzonen meiner Ernährungsweise nehmen während des Fastenmonats deutlich weißere oder schwärzere Züge an. Dazu gehört unter anderem das Vermeiden von frittierten Speisen.
Auf einmal finde ich den Antrieb – und die Disziplin –, Ungesundes und Koffein fast vollständig wegzulassen, ausreichend zu trinken. Ich kann dann ausgleichen, was ich wann zu mir nehme. Ich höre auf meinen Körper und tue das, von dem ich weiß, dass es meine Leistungsfähigkeit am besten konserviert. Das heißt auch, von einigen Gewohnheiten abzulassen, die gar nicht so schlecht sind, sowie andere, bessere anzunehmen.

Nicht selten begegne ich Studienkollegen, die mir Fragen stellen und gleichermaßen erstaunt wie erschrocken sind ob der körperlichen Anforderungen während des Fastens: „Wie machst Du das nur?“ Offengestanden, wir alle tun es und finde Wege, damit es uns gelingt. Es bleibt ja auch nichts anderes übrig.

Genauso wie zu viele Samosas bei uns zu Übelkeit führen, so haben unsere Seelen ähnliche Reaktionsmuster auf bestimmte Handlungen. Nicht nur die Gelehrten sagen, dass eine Person aus einem Körper und einer Seele besteht. Beide Einheiten suchen dauernd nach einem gegenseitigen Gleichgewicht. Sobald die körperlichen Sehnsüchte durch das Fasten klein gehalten werden, gibt es für die Seele viel mehr Platz, ihre Bedürfnisse auszudrücken und diese zu erfüllen. Das mag einer der Gründe sein, warum wir in der Lage sind, bestimmte Handlungen der Anbetung auszuführen sowie ein Maß an Spiritualität wahrzunehmen, dessen Erreichung für die meisten außerhalb des Ramadans schwierig wäre.

Ich glaube, es ist dieses – jedes Jahr neu erlebte – Gefühl der Dringlichkeit unserer spirituellen Bedürfnisse, die uns antreibt, Entscheidungen zu bestimmten Gewohnheiten zu fällen. Dazu gehört auch ein anderes Bewusstsein von unseren Konsumgewohnheiten. Ein Aspekt dessen ist das unbewusste Unbehagen beim Fernsehkonsum, das Missfallen bestimmter Inhalte von Videos oder Zweifel über die Angemessenheit bestimmter Treffen. Im Ramadan schaue ich genauer hin, wie ich meine verfügbare Zeit verbringe.

Es wäre töricht, seine Zeit für Dinge zu verschwenden, die unser Fasten und unsere Gebete von ihrem Segen entleeren, weil wir etwas Dummes tun, dass Allahs Missfallen erregen kann. Zu dieser Art von Handlungen gehören auch jene, auf die unser Körper eine abwehrende Haltung hat. Er hilft uns, das zurückzuweisen, welches nicht gut für uns ist. In der Lage zu sein, diese kleinen Entscheidungen zu treffen, die unsere tägliche Spiritualität betreffen, und möglicherweise langfristige Auswirkungen haben, sind Teil der breiteren Wirklichkeit von Taqwa. Und diese ist schließlich das eigentliche Ziel des Ramadan.

Im Qur’an unterweist Allah uns, dass das eigentliche Ziel des Fastens die Erlangung von Taqwa ist. Bisher gibt es kein eigenständiges Wort, mit dem diese sich ausreichend übersetzen ließe. Eine gute Beschreibung lautet: allgegenwärtiges Bewusstsein von der ständigen Anwesenheit Allahs und ein dementsprechendes Verhalten. Ein neues Bewusstsein für unsere Konsumgewohnheiten in Hinblick auf den Umgang mit unserer verfügbaren Zeit ist eigentlich keine schlechte Möglichkeit, diesen Ramadan auf eine ausgeglichene Weise abzuschließen. Und noch besser wäre es, wenn diese Gewohnheit auch nach dem Ende des gesegneten Monats bei uns bleiben würde.

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