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Eine Münchner Institution: Helene Saal betreibt seit 1998 die Galerie Avicenna

Leidenschaft für Bücher

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Bücher, so die landläufige Weisheit, hätten im Zeitalter der digitalen Publikation nur eine geringe Zukunft. Wenn das schon für den Massenmarkt gilt, wie ist es dann um das Segment für die Themen „Islam“, „Muslime“ und „muslimische Welt“ bestellt? Darüber, und wie eine Buchhandlung auch ein Ort der Begegnung sein kann, die mehr tut, als Fachbücher zu verkau­fen, sprachen wir mit Helene Saal, die seit 1998 ihre Galerie Avicenna zu einer Münchener Institution aufgebaut hat. Als Fachbuchhandlung hat sie mittlerweile eine landesweite Bedeutung.

Islamische Zeitung: Liebe Frau Saal, seit rund 15 Jahren führen Sie mit der Galerie Avicenna ein Geschäft, das weit mehr ist als nur ein Buchladen. Was sind denn die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Helene Saal: Natürlich verkaufen wir Bücher, aber wir führen auch unendlich viele Gespräche mit Kunden, die Fragen zum Islam haben; auch am Telefon werden wir angefragt. Manchmal leiten wir auch weiter an kompetentere ­Stellen. Außerdem organisieren wir Veranstaltungen – Vorträge, Lesungen, Gesprächsabende – und sind mit Büchertischen bei sehr vielen Veranstaltungen in München präsent.

Islamische Zeitung: Kann man heute – in Zeiten unzähliger Internethändler – mit den Themen „Islam“, „Orient” oder „orientalische Sprachen“ überhaupt einen Buchladen am Leben erhalten? Wenn ja, wie sieht Ihre Strategie aus?

Helene Saal: Obwohl wir die einzige Fachbuchhandlung für das Thema „Orient“ im gesamten deutschen Sprachraum sind, ist die wirtschaftliche Seite schon sehr schwierig. Ohne gute Freunde, viel Idealismus (und Gottvertrauen) gäbe es die Buchhandlung nicht mehr. Der Fortbestand ist immerzu bedroht. Unsere neue Strategie ist ein neuer Power-Online-Shop, in dem jedes Buch zum Thema Islam und islamischer Orient zu finden sein soll – auch alle wissenschaftlichen Bücher. Den Shop (www.buchhandlung-avicenna.de) gibt es schon, aber an der Bücher-Eingabe arbeiten wir noch.

Islamische Zeitung: In einem Artikel wurde die Galerie Avicenna als „Münchener Institution“ bezeichnet. Was macht Ihre Buchhandlung und den angeschlossenen Verlag so besonders?

Helene Saal: Für Menschen, die an unserem Thema interessiert sind, ist die Buchhandlung natürlich ein „Eldorado“ (Kundenausspruch). In allgemeinen Buchhandlungen finden Sie kaum eines unserer Bücher. Wir führen auch viele Bücher allgemein zum Thema ­Religion, Spiritualität, Dialog und das Übergreifende beziehungsweise Verbindende, was die Kunden zu schätzen wissen.

Islamische Zeitung: Mit Sicherheit hat sich die Galerie Avicenna als Fachbuchhandlung auch zu einem Ort der Begegnung entwickelt… Helene Saal: Wie schon erwähnt haben wir uns zu einer Anlauf- und Kontaktbörse für Fragen zu Orient und Islam entwickelt. Wir vermitteln auch Sprachkurse. Veranstalter und Künstler, die zu diesen Themen „etwas machen“ ­wollen, fragen uns nach Kontakten zu Rednern, Musikern, Autoren, nach Ideen, usw. Manchmal lernen sich hier vor Ort Leute kennen und es entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Auch die Kunden untereinander führen manchmal sehr interessante Gespräche. Auf unserer Homepage gibt es einen Kalender, in dem alle Veranstaltungen zu unseren Themen im Raum München aufgeführt sind.

Islamische Zeitung: Hat sich die veränderte Islamdebatte seit dem 11. September auf Ihr Sortiment und Ihre Kundschaft ausgewirkt?

Helene Saal: Die Debatten im Laden sind schon schwieriger geworden. So, als müsse ich in meiner Buchhandlung den ganzen Terrorismus mit verantworten. Ich hab auch schon unangenehme Post bekommen und muss mir bei Veranstaltungen gelegentlich islamfeindliche Dinge anhören. Aber das sind Ausnahmen. Das Sortiment hat sich seit 2011 enorm vergrößert. Leider auch mit Ti­teln, welche die Vorurteile nähren.

Islamische Zeitung: Wie würden Sie den deutschen Buchmarkt in Sachen „Islam“ bewerten? Gelegentlich drängt sich der Eindruck auf, dass manche Verlage oft die Masse der Klasse vorziehen…

Helene Saal: So ist es. Die „Masse“ will ja auch eher oberflächliche Informationen und will Vorurteile bestätigt sehen. Es werden schon auch sehr differenzierte Bücher geschrieben, aber von zu wenigen Menschen gelesen. Mein Anliegen ist nicht primär der politische Aspekt, sondern neben der Religion die Reichhaltigkeit der islamischen Kulturen zu vermitteln – ein Schatz, von dem viele Deutsche gar nichts ahnen.

Islamische Zeitung: Gibt es bei aller Bandbreite etwas, das Sie in Deutschland vermissen?

Helene Saal: Persönlich vermisse ich natürlich die klassische Islam-Literatur (Ibn Kathir, Ghazali, Attar, Al-Muwatta etc.), aber dafür gibt es keinen Markt – noch nicht!

Islamische Zeitung: Liebe Frau Saal, vielen Dank für das Interview.

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