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Eine Zeit, Brücken zu bauen

Im Ramadan können Muslime sich von falschen Zuschreibungen freimachen

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Foto: Tiia Monto | Lizenz: CC BY-SA 3.0

(iz). Bald werden sich die Muslime in aller Welt während des Ramadan von ihrem gewohnten Alltag ein Stück weit verabschieden. Sie antworten so auf den Göttlichen Aufruf mit einer Praxis, die so alt wie Menschheit selbst und Teil jeder offenbarten Religion ist. Für die Dauer eines Monats enthalten sich die Muslime für eine festgelegte Zeit nicht nur bestimmter materieller Dinge, sondern wenden sich vom Weltlichen ab und ihrem Herrn zu.

Wichtig ist, zu verstehen, dass es sich dabei nicht nur um den bloßen, zeitweisen Verzicht auf Essen, Trinken, Rauchen und sexuelle Aktivitäten handelt. Anhand des prophetischen Beispiels wissen die Muslime, dass ein Fasten ohne die Änderung bestimmter nichtmaterieller Gewohnheiten oder innerer Einstellungen kein vollwertiges sein kann. Die vollkommene Umstellung unserer Tage und die damit verbundene positive Erschütterung des Selbst muss auch Auswirkungen auf unser Bild von der Welt haben.

Aus der Hinwendung zu Allah folgt, wenn sie authentisch sein soll, auch ein Abnehmen im Bezug zur Welt (siehe auch S. 3). Es sind die Worte unseres Schöpfers und Sein Wille, die den Muslim definieren. Wirkliche Freiheit, in all ihren Facetten, bedeutet demnach auch, sich von den diversen Fremddefinitionen anderer freizumachen.

Gerade in diesem Jahr, das bisher durch einen unappetitlichen Ton eingefärbt wurde, bieten sich im und durch den Ramadan Chancen. So haben wir ausreichend Anlass, Brücken zwischen den eigentlichen Bedeutungen unserer Existenz und solchen Zeitfragen zu schlagen. Nicht nur, aber gerade auch Muslime brauchen neue Antworten. Sowohl in uns als auch im Umgang mit anderen treiben die Fremddefinitionen – seien es die der AfD oder die eines soziologischen Diskurses – einen Keil zwischen unsere Existenz und unseren spirituellen Kern.

Wir können für diese Möglichkeit des spirituellen Durchatmens dankbar sein, denn vielen ist gar nicht mehr bewusst, welche Wirkungen die jetzige Gesprächskultur auf den Einzelnen hat.

Wir müssen die Energie des Ramadan positiv nutzen. Wie in kaum einem anderen Augenblick des Lebens wird jetzt die unsichtbare Essenz unserer Lebensart beinahe schon physisch begreifbar. Deutschlands Muslime haben hier schon längst einen Anfang gemacht. In Moscheen und auch auf öffentlichen Plätzen lassen sie ihre Mitmenschen beim gemeinsamen Fastenbrechen, bei Festivals und Veranstaltungen am Ramadan teilhaben. Ein weiterer, wichtiger Schritt ist es, unseren eigenen Diskurs wieder auf die Beine zu stellen. Das gelingt nur, wenn wir unserer Essenz den ihr gebührenden Platz einräumen.

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Sulaiman Wilms

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