IZ News Ticker

Dhikr und Montessori: Die Wiener Schule bietet ganzheitliche Erziehungsansätze

Einem lebendigen Islam Raum geben

Werbung

Foto: Autorin

(iz). Im Dezember 2015 öffnete die Isma – Private Gesamtschule Muhammad Asad in Wien ihre Tore für Interessierte. Mitten im Tumult um die Islamischen Kindergärten konnte der Besucher Einblick in einen sympathischen, innovativen Schulbetrieb mit einem jungen, aufgeschlossenen und motivierten Lehrerteam gewinnen.

Die Isma – Gesamtschule besteht ­zurzeit aus acht Klassenstufen und hat Ambitionen zum Ausbau bis zur Matura [österr. Abitur]. Sie ist darüber hinaus ins öffentliche österreichische Schulsystem eingegliedert, die Lehrer bilden sich laufend weiter, der Schulleiterkongress wird jedes Jahr besucht.

Gleichzeitig sieht das Konzept der Schule vor, einem lebendigen Islam Raum zu geben, der den Unterricht durchzieht. Das heißt: Durchführung der gemeinsamen rituellen Gebete innerhalb der Schule, Dhikr (Erinnerung an Gott) auf verschiedene Art und Weise, Du’a (Bittgebet) und Qur‘an-Rezitationen zur Einstimmung am Morgen sowie eine stetige Bezugnahme auf Allah, dem Erhabenen, als Schöpfer und Former aller Dinge. Es gibt Arabischunterricht ab der 1. Klasse mündlich, ab der 3. Klasse schriftlich und die traditionelle Qur’an-Rezitation als Schulfach.

Das Schulkonzept enthält gleichzeitig reformpädagogische Ansätze wie das Montessori-Prinzip. So gibt es keine Noten, sondern ein Punktesystem und ein KDL*– Gespräch, in dem das Kind das Erlernte präsentiert. Trotzdem qualifiziert sich über die Hälfte der Schüler nach ihrem Abgang für das öffentliche Gymnasium. Es wird großen Wert auf ganzheitliches Lernen, auch im Sinne eines bewegten Lernens, gelegt – nach dem Motto „Begreifen durch Tun“. Motorik und Bewegung als entscheidender Faktor für die Hirnentwicklung sollen die Konzentration fördern, das Gelernte zum Erlebten machen; Selbstwahrnehmung und Körperbewusstsein gelten als Bausteine einer gelungenen Integration der Schüler und Vorbereitung auf ein „Leben als aktive Mitglieder in der österreichischen Gesellschaft“.

Vor allem in den unteren Klassen, wo das „bewegte Konzept“ vornehmlich gelebt wird, zeugen auch die Schulbänke von einer bodennahen Unterrichtsweise – sie sind in der Höhe verstellbar, als Sitzgelegenheit dienen Kissen. Morgens wird in manchen Klassen zur Einstimmung „rhythmischer Dhikr“ gemacht, die Kinder hüpfen dazu und klatschen in die Hände. Theaterspiele werden selbst entworfen – wenn man die Bilder von außen im Gang betrachtet, kann man auch Elemente der „Eurythmie“ nach Rudolf Steiner entdecken. Auch Musik und Gesang haben ihren Platz.

„Nonverbale Kommunikation“ mache über 80 Prozent des Lernens aus, so ist man überzeugt. Auch das textile Werken – oft über Monate an einem Stück – wird als Teil einer Erziehung zur Ausdauer und Geduld verstanden und sämtliches Lernen, Bemühen und Formen wird in Bezug zu Allah, Dem Einen, gesetzt, Der uns diese Tätigkeiten ermöglicht, uns mit allem dazu Nötigen versorgt und Dem wir uns in all unserem Tun und Gestalten annähern wollen.

In diesem Sinne gibt es auch für jede Klasse ein Jahresthema, ein Beispiel aus der 2. Klasse: „Wir sind Allahs Schöpfung“ (guter Umgang miteinander und mit der Schöpfung). Für die 3. Klasse: „Sinnvoller Gebrauch von Allahs Rizq“ (nützlicher Umgang mit Erde, Holz, Wasser, Früchten, etc.). Oder das Jahresthema der 7. Klasse: „Umwelt und Wirtschaft“ mit Bezugnahme auf den Heiligen Qur’an (beispielsweise 30, 41).

Einmal im Jahr gibt es ab der 5. Klasse eine Klassenfahrt, welche die Schüler und Lehrerschaft neu zusammenschweißt und ein intensives gemeinsames Erlebnis darstellt. Es ist so auch ein Anliegen der Schule, einerseits Lebensnähe bezugnehmend auf die Natur und Umwelt zu vermitteln und gleichzeitig auch hier wieder den Bogen zum Ursprung, zum Schöpfer und Erhalter alles Seins zu spannen.

Das sympathische und dynamische Lehrerteam besteht aus überwiegend muslimischen wie aber auch zwei nichtmuslimischen Klassenlehrern, sowie Fachlehrern in Qur‘an, Religion und Arabisch. Vieles vom Unterrichtsmaterial wird selbst erarbeitet. Spricht man mit den Lehrpersonen und hört ihnen im Unterricht zu, sieht man sich verständigen, engagierten Menschen gegenüber, welche den Schülern mit offenen Ohren und Herzen begegnen und es verstehen, bei aller Professionalität doch eine familiäre Atmosphäre zu verbreiten.

Im Gespräch mit der Schulleiterin, Petra Klier, tritt die schwierige Situation vor Augen, in der sich die Schule als Islamische Institution sowie als Verein derzeit befindet. Das neue Islamgesetz in Österreich (gegen Widerstand der Basis 2015 verabschiedet) bringt auch Unsicherheit für islamische Trägervereine. Es wurden Vereinsschließungen angekündigt. Aber auch unter Juristen gibt es keine eindeutige Aussage, ob Trägervereine von Kindergärten und Schulen betroffen sein können.

Als konfessionelle Schulen sind die Trägerorganisationen Hilfsvereine der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Daher muss die ­IGGiÖ für die Lehrersubventionen bei den Behörden ansuchen. Da die Schulen dazu nicht direkt mit den Behörden in Kontakt treten können, benötigen sie oft einen sehr langen Atem, bis sie die ersten Subventionen erhalten. Die Isma-Schule hat dreieinhalb Jahre gewartet, im Dezember ging ein Teil der ersten Gehaltssubventionen bei den Lehrern ein.

Die anhaltend scharfe Medienberichterstattung über Islam und Muslime wurde verstärkt durch den Projektbericht. So ist auch der „Projektbericht Islamische Kindergärten“, – ein Kindergarten ist auch an die Isma-Schule angegliedert – wie man unschwer erkennen kann, nicht durch unvoreingenommene, genaue Recherchen und ohne nennenswerte Rücksprachen mit den Betreibern erstellt worden. Es fällt schwer, beim Leiter der „Studie“, Dr. Ednan Aslan hierbei von neutralem, wissenschaftlichem Vorgehen auszugehen. Mancherlei Behauptung, Unterstellung und Deutung setzen so auch die Schulbetreiber unter großen, zumindest „psychischen“, Druck. Das macht es nicht einfacher, Kooperatoren oder gute Pädagogen für die Schule zu finden.

Man darf nur inständig hoffen und beten, dass die Isma-Schule sowie andere ähnliche Institutionen auf ihre ganz spezifische Art bestehen bleiben dürfen. Als Bindeglied zwischen jungen Menschen muslimischen Glaubens und der Mehrheitsgesellschaft besitzen sie eine auffangende, ordnende sowie katalysatorische Funktion. Sie stellen einen Filter dar, durch den Bildung mit bester Absicht und Vorgehensweise, angereichert mit dem Wertvollen des islamischen Hintergrundes und bereinigt von missverständlichen, zum Extremismus (ver-)führenden Ideen und Konzepten, in die Gesellschaft des Umfeldes einfließen darf. „Menschen mit Verantwortungsbewusstsein, Sozialkompetenz sowie Herzens- und Geistesbildung“ sollen hier erzogen werden – diese Haltung ist in der Isma-Schule spürbar.

*Abbkürzung für kommentierte direkte ­Leistungsvorlage

The following two tabs change content below.

Sumaya Mohamed-Wegenstein

Neueste Artikel von Sumaya Mohamed-Wegenstein (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen