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„Mit der Bedrängnis kommt die Erleichterung“

Einige Gedanken über den produktiven Umgang mit Sorgen und Stress macht sicht Hassina Khan

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(iz). Es liegt in der Natur der menschlichen Existenz, dass die Leute unter Sorgen und Stress leiden. Insbesondere in unserer Zeit, in der die allgemein gültige Lebensweise viel dazu beiträgt, das letztere Phänomen zu verstärken. Zu den vielen Fragen über die allgemeinmenschlichen Fragen in der qur’anischen Offenbarung zählt einerseits die Erkenntnis, dass niemand dem entkommen kann, sich seinen je eigenen Sorgen zu stellen. Andererseits werden wir (wie am Ende der Sure Al-Baqara) daran erinnert, dass Allah niemals einer Seele mehr auferlegen wird, als sie zu ertragen vermag. Zu den eher inhumaneren Aspekten der technisierten Welt zählt, dass die Technik des Alltags uns permanent das Gefühl einer dauernden Sicherheit vermittelt. Den ursprünglichen Zugang, dass Allah es ist, Der uns von unseren Sorgen befreit, verlieren so auch praktizierende Muslime allzu leicht. Daher zählt zu jenen Dingen, die das Paradies von dieser Welt unterscheiden, dass es dort keine Sorgen oder Stress gibt. Nichts wird die Menschen des Paradieses jemals verängstigen, nicht das geringste Wort. „Keine schändliche Rede wird darin sein, noch jegliche üble Nachrede, sondern nur das Wort ‘Frieden!’, ‘Frieden!’.“ (Al-Waqi’a, 25-26)

Es liegt im Wesen des diesseitigen Lebens, dass Menschen aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten ausgesetzt sind, wie dies im Qur’an erwähnt wird – beispielsweise in der Sure Al-Balad. So fühlen sie Reue für das, was in der Vergangenheit passierte, sorgen sich über das, was in der Zukunft geschehen mag und fühlen sich beängstigt in der Gegenwart.

Menschen reagieren unterschiedlich auf Stress und Sorgen, abhängig davon, wie viele Dinge sie beschäftigen, ob die Sorge andauernd ist oder nicht und ob sie Iman [Vertrauen auf Allah, Anm. der Red.] in ihrem Herzen tragen, oder Allah zurückweisen. Die menschlichen Herzen sind zweierlei Art: Entweder sie sind voller göttlichem Licht, Leben, Freude und der Schätze der Güte, oder sie haben sich von Allah abgewandt mit Sorge, Dunkelheit, Tod und Verängstigung.

Arten der Sorge

Eine der Erscheinungsweisen von Sorge oder Beschäftigtsein kann als nützliche beziehungsweise notwendige Sorge beschrieben werden. Dazu zählt die Herausforderung für muslimische Gelehrte, schwierige Fragen zu lösen – insbesondere bei ernsthaften Problemen. Ein weiteres Beispiel ist die Sorge von Führungsgestalten für die Muslime, die sich in ihrer Obhut befinden. Dies machte die beiden ‘Umars – ‘Umar ibn Al-Khattab und ‘Umar ibn ‘Abd Al-’Aziz – sorgenvoll und ängstlich. Sogar in seinem Gebet war ‘Umar ibn Al-Khattab besorgt über die Angelegenheiten der Muslime, die ihm anvertraut waren. ‘Umar ibn ‘Abd Al-’Aziz drückte seine Befürchtungen wie folgt aus: „Ich bin mit etwas beschäftigt, bei dem mir niemand helfen kann außer Allah.“ Als ihm das Khalifat übertragen wurde, kam er besorgt und ängstlich nach Hause. Einer seiner Bediensteten fragte ihn: „Warum finde ich dich so besorgt und ängstlich vor? Du solltest bei so einer Gelegenheit nicht so sein.“ Er entgegnete ihm: „Wie soll ich nicht besorgt sein, wo es doch im Osten und im Westen dieser Umma niemanden gibt, der nicht sein Recht von mir fordert oder mich bittet, eine Angelegenheit zwischen ihm und einer anderen Person zu lösen?“

Darüber hinaus gibt es die Sorge desjenigen, dem durch die Hand einer dritten Person Unrecht angetan wird. Dazu zählen jene, die von den eigenen Verwandten schlecht behandelt werden. Ein Dichter sagte darüber: „Das Leid desjenigen, der von einer nahestehenden Person schlecht behandelt wird, ist schmerzhafter als der Schlag eines mächtigen Schwerts.“

Nicht jedes Problem hat solch gewichtige Ursachen. Wir werden auch täglich durch verschiedene Dinge in dieser Welt beschäftigt. Dazu zählen ernsthafte oder chronische Krankheiten, der problematische Umgang mit heranwachsenden Jugendlichen, Aggressionen in der Ehe oder gar Misshandlung in der Familie. Insbesondere in schwierigen Zeiten machen sich viele Gedanken über das, was ihren Kindern in der Zukunft bevorstehen könnte. Gerade für Muslime ist die Erinnerung heilsam, wenn sie über die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad, möge Allah ihn Segnen und ihm Frieden geben, nachdenken und darin nicht nur erkennen können, dass er Zeit seines Lebens von seinen Feinden bedrängt wurde, sondern auch sehen können, wie nachsichtig er sich in den Augenblicken des Konflikts verhielt. Als nach einem dieser vielen Vorfälle einer der Engel dem Propheten vorschlug, seine Feinde zu vernichten, wies der Gesandte Allahs das Angebot zurück und entgegnete: „Eher hoffe ich, dass Allah aus ihnen Nachkommen hervorbringen werde, die Allah allein anbeten werden und Ihm nichts beigesellen.“

Falsche Anschuldigungen

Ein Beispiel für Menschen, die Opfer falscher Anschuldigungen sind, ist die Ehefrau des Propheten ‘A’ischa, als die Heuchler behaupteten, sie sei einer falschen Tat schuldig. Sie war krank und hörte von einer der Frauen aus ihrem Haushalt von Gerüchten über sie, die sie noch kranker und besorgter werden ließen. Am Ende des Vorfalls offenbarte Allah Verse des Qur’ans, die deutlich machten, dass sie – die Ehefrau des Propheten – das Opfer übler Nachrede wurde. Vor ‘A’ischas Zeit war es Maryam bin ‘Imran, die Mutter von ‘Isa (Jesus), die wegen ihrer Empfängnis, ohne verheiratet zu sein, unter großer Sorge und Aufregung zu leiden hatte. Sie wusste, dass die Menschen sie beschuldigen und ihr keinen Glauben schenken würden, wenn sie mit einem Kind in ihrem Armen vor ihnen auftaucht. Der Druck auf sie wurde so groß, dass sie in einem Augenblick wünschte, ihre Existenz wäre zu Ende, damit sie sich nicht weiter sorgen musste.

Furcht vor Verschuldung

Zu den Dingen, die Menschen in unserer Zeit am stärksten bedrängen, zählt die persönliche beziehungsweise familiäre Verschuldung. In der Moderne mündet dies in zehntausenden von Selbstmorden jährlich von Menschen (im Westen wie in der „Dritten Welt“), die sich nicht mehr zu helfen wissen. Ein Beispiel für die Furcht vor Verschuldung war eine Begebenheit des Prophetengefährten Az-Zubair, die er seinem Sohn ‘Abdallah erzählte. Kurz vor einem Gefecht mit den Muschrikun aus Mekka fragte er, ob es noch Schulden gebe, die er zurückzahlen müsse. Er wollte seinem Herrn nicht verschuldet gegenübertreten. Und so bat er seinen Sohn, für ihn bei Allah für die Rückzahlung seiner Schulden zu beten. Nach seinem Tod, bei der Aufstellung der Außenstände und der Aufstellung des Vermögens wurde, so der Bericht von ‘Abdallah ibn Az-Zubair, deutlich, dass Allah ihm tatsächlich bei der Begleichung einer sehr hohen Schuld geholfen hatte.

Auswege

So wie es in der Schöpfung Krankheiten gibt und es ebenso Heilmittel für sie gibt, so ermöglicht die Barmherzigkeit unseres Herrn ebenso, dass es für die menschlichen Sorgen Auswege und Erleichterungen gibt. So findet sich in der Sure Asch-Scharh der folgende Vers: „Wahrlich, mit der Bedrängnis geht die Erleichterung einher.“ Zu den Erleichterungen, die dem Menschen gegeben wurden, um ihren Sorgen begegnen zu können, zählen verschiedene Ratschläge und empfohlene Verhaltensweisen.

Ein grundlegendes Mittel gegen Ängste und auch Stress ist die Wappnung des Herzens mit Glauben an Allah und rechtgeleiteten Taten, die aus diesem Iman heraus erwachsen. Die Muslime, deren Iman erleuchtet ist und sie zu korrekten Taten motiviert, erfahren wiederum eine Veränderung ihrer Herzen und ihres Charakters. Sie haben die grundlegenden Prinzipien, nach denen sie mit jeder Art von Freude und Sorge umgehen können, die ihnen begegnen. Angesichts von Unruhe, Schaden, Sorgen und Ängsten, versuchen sie, sich ihnen zu widersetzen und sie so weit es geht zu reduzieren. Sie reagieren auf Dinge, die sie nicht ändern können, mit der entsprechenden Geduld. Durch ihre Geduld verändert sich die Sorge in Freude und in Hoffnung auf Segen und Belohnung von Allah. Denn der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wie wunderbar ist die Angelegenheit des Gläubigen! Alles, was ihm geschieht, ist gut und dies gilt für niemanden anderen als den Gläubigen. Wenn ihm etwas gutes widerfährt, ist er dankbar und das ist gut für ihn. Wenn ihm etwas schlechtes geschieht, erträgt er es mit Geduld und dies ist gut für ihn.“ Zu den Empfehlungen in der islamischen Weisheitslehre für die spirituell Ehrgeizigen zählt der Ratschlag, das gesamte Geschehen als von Allah kommend zu erkennen und als Manifestation Seiner Namen – der Majestät und der Barmherzigkeit – zu begreifen. Die Erleichterung wie die Bedrängnis kommen schlussendlich beide von Allah.

Der Gesandte Allahs sagte: „Nichts an Müdigkeit, Krankheit, Sorge, Angst oder Schaden befällt den Muslim, nicht einmal ein Stachel, ohne dass Allah dies als Tilgung für eine falsche Tat behandeln wird.“ Die Besorgten sollten wissen, dass die sie betreffende seelische Not nicht sinnlos oder willkürlich bleibt. Ohne die Bedrängnis durch Katastrophen oder Schwierigkeiten stünden wir am Tag der Auferstehung mit leeren Händen da, wie es einige der frühen Muslime ausgedrückt hatten. Aus diesem Grund hatten sie die gleiche Meinung von Allah in Zeiten des Unglücks wie in Zeiten der Erleichterung. Der Gesandte Allahs sagte: „Wenn Allah etwas gutes für Seinen Diener will, dann wird Er ihn in dieser Welt der Strafe unterziehen.“

Die Sorgen dieser Welt überwältigen Menschen, aber wenn der Diener Allahs das Jenseits zu seinem Hauptaugenmerk macht, dann wird Allah ihm helfen, wie dies von Anas ibn Malik überliefert wurde: „Der Gesandte Allahs sagte: ‘Wer das Jenseits zu seiner Hauptsorge macht, für den wird Allah sein Herz mit einem Gefühl des Reichtums und der Unabhängigkeit füllen, er wird zufrieden sein und trotzdem wird die Welt zu ihm kommen. Wer diese Welt zu seinem Hauptaugenmerk macht, dem wird Allah die permanente Furcht vor Armut einhauchen. Diese Person ist abgelenkt und verwirrt und sie wird nichts von dieser Welt haben, was nicht bereits vorher für sie festgelegt wurde.“

Zu den hilfreichen religiösen Handlungen zählt das Bittgebet (Du’a), welches sowohl einen Schutz als auch eine Therapie darstellt. Soweit es Schutz vor Sorgen betrifft, verrichtete der Prophet viele Bittgebete. Sein Diener Anas überlieferte uns: „Ich bediente den Gesandten Allahs, als er in Medina war. Ich hörte sehr häufig von ihm: ‘O Allah, ich suche Zuflucht bei Dir vor Sorge, Trauer, Unfähigkeit, Nachlässigkeit, Geiz, Feigheit, der Last von Schulden und der Überwältigung durch Männer.’“ Im Zustand von Sorge und Schmerz ist die Tür des Bittgebets immer offen. Wer den Allergroßzügigsten anruft, wird Antworten erhalten. Allah sagt im Qur’an: „Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.“ (Al-Baqara, 186)

Bei Sorgen und Ängsten sticht, um diese Reflexionen zu beenden, eine Eigenschaft (die gleichzeitig auch eine Handlung ist) besonders heraus – die Eigenschaft des Tawakkul oder des Vertrauens. Als Handlung besteht sie in der Erinnerung (Dhikr), dass „Allah ist uns Genüge und Er ist der Beste Beschützer“ (Hasbuna’Ilahu wa ni’amal wakil). Ibn ‘Adschiba sagte, dass die drei Stufen von Tawakkul die folgenden sind:

• So wie derjenige, über den der Vertrag abgeschlossen ist, mit dem Vertragschließenden, so ist man mit Allah wachsam und von Seinen Interessen berührt.

• Wie das Kind mit der Mutter ist – es wendet sich in allem nur an sie.

• Wie der tote Körper in den Händen der Totenwäscher.

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