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Ramadan: Eine Zeit ohne Gleichen

Einige Gedanken über den Stellenwert des Ramadan

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(iz). Das Fasten im Monat Ramadan ist eine der Fünf Säulen des Islam und eine Pflicht für jeden Muslim und jede Muslimin, sofern sie nicht zu den definierten, davon ausgenommenen Gruppen gehören. Damit das Fasten gültig ist, müssen einige rechtliche Regeln eingehalten werden. Diese wurden in den vergangenen Jahren in der IZ immer wieder zusammenfassend dargestellt, weshalb an dieser Stelle nun stattdessen auf einige grundlegende Aspekte dieses Monats eingegangen werden soll.

Zunächst die entscheidenden Verse über den Ramadan im Qur’an: „Oh, die ihr Iman [Vertrauen in Allah] habt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr Taqwa [Furcht und Respekt vor Allah in jedem Augenblick, die das gesamte Verhalten beeinflusst] habt. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage [fasten]. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es [nur] wüsstet! Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage [fasten] – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.

Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe; Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen. Es ist euch erlaubt, euch in der Nacht des Fastens euren Frauen zu nähern; sie sind Geborgenheit für euch und ihr seid Geborgenheit für sie. Allah weiß, dass ihr gegen euch selbst trügerisch gehandelt habt, und Er wandte euch Seine Gnade wieder zu und vergab euch. So pflegt nun Verkehr mit ihnen und trachtet nach dem, was Allah für euch bestimmt hat. Und esst und trinkt, bis der weiße Faden von dem schwarzen Faden der Morgendämmerung für euch erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht. Und pflegt keinen Verkehr mit ihnen, während ihr euch in die Moscheen zurückgezogen habt. Dies sind die Schranken Allahs, so kommt ihnen nicht nahe! So erklärt Allah den Menschen Seine Zeichen. Vielleicht werden sie gottesfürchtig sein.“ (Al-Baqara, 183-187)

Es gibt darüber hinaus zahlreiche Aussagen vom Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, über das Fasten und dessen Nutzen und Segnungen.

So etwa in der folgenden Überlieferung vom Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, einem Hadith Qudsi, in dem dieser außerqur’anische Worte Allahs widergibt; Allah, der Mächtige und Erhabene, hat gesagt: „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein, und Ich werde ihn dafür entlohnen. Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er weder obszön noch zu laut sprechen, und wenn ihn jemand beleidigt oder herausfordert, dann soll er sagen: ‘Ich faste.’ Bei Dem, in Dessen Hand die Seele von Muhammad ist, der Atem desjenigen, der fastet, ist bei Allah genehmer als der Duft von Moschus. Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herrn gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.’“

Der Prophet sagte auch: „Wer im Ramadan betet, im Glauben und in Hoffen auf die Belohnung, dem werden seine vergangenen falschen Taten vergeben.“ Aus den Überlieferungen vom Gesandten wissen wir auch, dass im Ramadan die Tore zum Garten geöffnet sind, die Tore des Feuers hingegen geschlossen und die Schaitane [Teufel] in Ketten gelegt sind.

Wir sind angehalten, gemäß dem überlieferten Vorbild des Propheten im Ramadan besonders großzügig und freigiebig zu sein, obwohl dies ohnehin schon eine der grundlegenden Tugenden der Muslime ist. Die traditionellen Einladungen von Gästen zum Fastenbrechen gehen auf den folgenden Ausspruch des Gesandten zurück: „Wer immer einem Fastenden etwas gibt, mit dem er sein Fasten brechen kann, erhält die gleiche Belohnung, ohne dass dies die Belohnung des Fastenden in irgend einer Weise verringern würde.“

Gemäß der Praxis des Propheten Muhammad sollte man während der letzten zehn Tage des Ramadan sein nächtliches Gebet und seine sonstigen Handlungen der Anbetung besonders intensivieren oder sich ganz in die Moschee zurückzuziehen und sich der Anbetung, dem Gedenken an Allah und der Qur’an-Rezitation zu widmen [I’tikaf]. Im Ramadan besonders viel den Qur’an zu lesen, am besten ihn einmal ganz durchzulesen, gehört zu den besonderen Handlungen dieser gesegneten Zeit: Im Qur’an heißt es: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung.“ (Sure Al-Baqara, 185)

Elementar wichtig ist es, neben den das Körperliche betreffenden Regeln des Fas­ens auch die innerlichen, das Verhalten betreffenden Aspekte zu beachten, wie sie beispielsweise in dem folgenden, bekannten Hadith genannt werden: „Wer sich nicht der Falschheit in Wort und Tat enthält, von dem hat Allah auch keinen Bedarf, dass er sich des Essens und Trinkens enthält.“ Mit anderen Worten: Ohne diese Verhaltensregeln ist das körperliche Fasten grundsätzlich in Frage gestellt. Dies wird auch eindrücklich in der Aussage des Propheten deutlich, in der es heißt: „Mancher Fastende hat von seinem Fasten nichts als Hunger, und mancher im Gebet stehende hat von seinem Stehen nichts als Schlaflosigkeit.“

Das Fasten ist eine ganzheitliche Erfahrung und keine rein körperliche Übung. Es geht weit darüber hinaus. Natürlich gelten diese die Zunge und das Verhalten betreffenden Anforderungen jederzeit und nicht nur im Ramadan, doch können sie hier in Verbindung mit dem Fasten besonders gut eingeübt werden, weil man auch durch das körperliche Fasten noch achtsamer und aufmerksamer bezüglich seiner eigenen Handlungen ist, als man es eigentlich ohnehin sein sollte.

Es gibt zwei grundlegende Aspekte des Ramadan, wie Abdalhaqq Bewley sie in seinem Buch „Islam – its Basic Practices and Beliefs“ beschreibt. Der eine ist die Handlung des Fastens und der zweite ist der Charakter der Zeit selbst. Das Fasten, dass es auch in allen anderen spirituellen Traditionen gibt, ist eine spezifisch menschliche Praxis.

Jedes andere Geschöpf, das hungrig ist, würde, wenn ihm Nahrung, die es mag, vorgesetzt wird, sie automatisch verspeisen. Nur der Mensch ist fähig, sich durch einen bewussten Willensakt unter solchen Umständen des Essens zu enthalten. Das Fasten hat vielfältige Nutzen, wie etwa auch den unbestreitbaren gesundheitlichen Nutzen.

Der vielleicht größte Nutzen liegt aber laut Bewley in der Tatsache, dass wir mit dem freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken eine der fundamentalen Verbindungen kappen, die uns in dieser niederen Welt gefangen halten, die schon mit dem Stillen an der Brust der Mutter begonnen hat, und uns statt dessen öffnet für die Präsenz Allahs und dem damit verbundenen Wissen.

Ohne Zweifel ist der Ramadan eine ganz besondere Zeit, die sich qualitativ von jeder anderen Zeit unterscheidet, wie man als Muslim spüren kann, sogar unabhängig von der Handlung des Fastens, das heißt nicht nur durch das Fasten. Abdalhaqq Bewley meint, es sei, als hätte Allah das Fasten gerade in dieser Zeit vorgeschrieben, damit man den maximalen Nutzen aus dieser Besonderheit der Zeit ziehen könne. Damit deutet er auf das große Geheimnis der Lailatu’l-Qadr hin, die in diesem Monat liegt und ihn durchdringt. Doch dies ist ein großes Thema für sich.

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