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Einladender Charakter

Was wir beim Aufruf zu Allah dringend beachten müssen. Von Schaikh Al-Idrissi Al-Fihri Al-Fasi

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Foto: Shutterstock | Khosro

(iz). Wir sind barmherzig mit jenen, die noch nicht den Din des Islam angenommen haben und die noch nicht die Süße des Imans schmecken konnten. Denn es ist die Gnade unseres Herrn, dass er uns erwählte, demjenigen zu folgen, der als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt wurde. „Zu euch ist nunmehr ein Gesandter aus euren eigenen Reihen gekommen. Bedrückend ist es für ihn, wenn ihr in Bedrängnis seid, eifrig um euch bestrebt, zu den Gläubigen gnadenvoll und barmherzig.“ (At-Tauba, Sure 9, 128)

In Sura Al-i-’Imran sagte Allah weiterhin: „Durch Erbarmen von Allah bist du mild zu ihnen gewesen; wärst du aber schroff und hartherzig, so würden sie wahrlich rings um dich auseinandergelaufen sein.“ (Al-i-’Imran, Sure 3, 159) Daraus können wir lernen, dass Barmherzigkeit die wichtigste Eigenschaft desjenigen ist, der zu Allah einlädt. Imam Al-Dschazuli beschrieb, dass man sich von drei Eigenschaften freimachen muss: erstens, das Prahlen mit dem eigenen Wissen; zweitens, schlechter Charakter; und drittens, eine schlechte Meinung von Allah.

Das Prahlen mit Wissen führt zur Arroganz, wie es der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, in einem Hadith sagte: „Niemand wird in den Garten eintreten, der Arroganz nur im Maße eines Staubkorns in seinem Herzen trägt. Und wer nur das Maß eines Staubkorns Iman (Vertrauen auf Allah, mehr als Glauben) im Herzen hat, wird nicht in das Feuer kommen.“

Bevor wir in die Weisheit dieser prophetischen Aussage (arab. hadith) eindringen, möchte ich kurz auf die beiden Gegensätze eingehen. Arroganz führt ins Feuer und Iman in den Garten. Beide Dinge sind nicht vereinbar. Es ist so, dass das kleinste Maß an Iman nicht neben einem gleichgroßen Maß an Arroganz bestehen kann. Im toxischen Leid des Stolzes liegt eine gefährliche Kraft. Und zwar so sehr, dass selbst eine geringe Menge davon ausreicht, um eine Person in das Feuer zu bringen. Gleichzeitig reicht die große Kraft des Glaubens aus, dass eine Person, die selbst nur eine geringe davon hat, davor errettet wird.

Einer der Männer unter den Prophetengefährten, möge Allah mit allen zufrieden sein, sagte dem Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, nachdem er diese Aussage hörte: „Ich finde es schön, wenn ich feine Kleidung und schöne Sandalen trage.“ Darauf entgegnete der Prophet: „Wahrlich, Allah ist schön und liebt Schönheit.“

Arroganz bedeutet auch das Verächtlichmachen und die Zurückweisung von Wahrheit sowie die Verachtung der Leute. Diese, Stolz auf Wissen und der Wunsch nach Anerkennung zählen zu den schwerwiegenden Krankheiten des Herzens. Sie hindern eine Person daran, mehr Wissen zu erlangen und anderen zu nutzen. Für diejenigen, die andere zu Allah einladen, sind sie von besonderer Gefahr. Eine Person zu verachten oder sie verächtlich zu behandeln, wird jemanden vom Erfolg in seiner Da’wa abhalten. Sie wird zu jenen gehören, vor denen der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, Zuflucht suchte. Sie haben „Wissen, das niemandem nutzt. Ein Auge, dass nicht aus Furcht vor Allah weint, und ein Bittgebet, das nicht angenommen wird“.

Nach der Arroganz ist schlechtes Verhalten die zweite Eigenschaft, von der wir uns nach Imam Al-Dschazuli reinigen müssen. Woher sollen wir wissen, was das ist? Sie ist ein tödliches Gift, das gute Taten auslöscht und sie in Stücke schlägt. Als solche führen sie eine Person ins Feuer. Sie wird ebenso bestraft werden, wie jemand, der arrogant und stolz ist. Allah zieht eine Person mit gutem Charakter einem Menschen vor, der zwar spendet, aber einen schlechten hat.

Allah, der Erhabene, sagt sinngemäß, dass richtige und höfliche Worte, die von Vergebung begleitet werden, besser sind als Wohltätigkeit, auf die Beleidigungen folgen. Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wurde nach Taten befragt, die am wahrscheinlichsten ins Feuer führen. Es seien jene Handlungen, welche die Zunge und die Geschlechtsteile nicht im Zaum halten.

Für den Gläubigen  und insbesondere jene, die zu Allah aufrufen, lässt sich schlechter Charakter als das Gegenteil von gutem definieren. Guter Charakter ist alles, was nutzt und Hilfe für die Leute ist. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte, guter Charakter ist ein freundliches Gesicht, Großzügigkeit, Freundlichkeit und Schutz vor Schaden. Teil von ihm ist der Friedensgruß und seine Erwiderung mit etwas Vergleichbarem oder Besserem. Allah rät uns, dass wir, wenn wir begrüßt werden, dies erwidern oder schöner zurückgeben sollten. Wir können mit einem Lächeln darauf reagieren und Freundlichkeit mit Höflichkeit begegnen. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Das Anlächeln eures Bruders ist ein Akt der Sadaqa.“

Für denjenigen, der zu Allah ruft (arab. da’i), sind Sprache und Worte sehr wichtig. Er muss es vermeiden, eine Person zu beleidigen oder sie auf eine Weise lächerlich zu machen, die ihr missfällt. Allah sagt im Qur’an: „Und sagt Gutes zu den Menschen.“ (Al-Baqara, Sure 2, 83) Wir sollten uns anderen gegenüber immer auf die beste Weise verhalten. Das wird eindeutig dadurch demonstriert, wenn Allah über Streit und Diskussionen spricht: „Wehre mit einer Tat, die besser ist, die schlechtere ab.“ (Al-Fussilat, Sure 41, 34)

Großzügigkeit und Freundlichkeit gegenüber den Leuten, das großzügige Geben für die eigene Familie, die Bedürftigen und Armen, Darlehen für solche, die es benötigen, sowie die Kunst des schönen Handelns sind jederzeit und überall eine Angelegenheit für die Rechtschaffenen (arab. salihun). Allah sagt in Seinem Edlen Qur’an: „Wer aber geizt, der ist nur geizig gegen sich selbst.“ (Muhammad, Sure 47, 38) Und Er sagt weiter: „Ihr werdet die Güte nicht erreichen, bevor ihr nicht von dem ausgebt, was euch lieb ist. Und was immer ihr ausgebt, so weiß Allah darüber Bescheid.“ (Al-i-‘Imran, Sure 3, 92) Und Schutz vor Schaden beinhaltet die Sprache und die Taten der Hände. Der Gesandte Allahs sagte, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Ein Muslim ist derjenige, vor dessen Zunge und Hände die Muslime sicher sind.“

Als dritte und letzte Eigenschaft rät Imam Al-Dschazuli einem Da’i, sich von der schlechten Meinung über die Schöpfung freizumachen. Ein Spre­chen darüber wird aber erst sinnvoll, wenn wir über gute Meinung vom Schöpfer sprechen. Es ist das Wissen, welches die gute Meinung und Liebe wachsen lässt. Beide können kaum getrennt werden. Auch das Gegenteil ist wahr: Denn es ist Unwissenheit, die schlechte Meinung ermöglicht sowie Hass und Feindschaft fördert. Solange Menschen ignorant bleiben, sind sie einander feind. Daher ist eine gute Meinung von Allah Teil des Wissens von Ihm – auch in Hinblick auf das Unbekannte und Unerkennbare. Wir müssen Ihm vertrauen und uns auf Ihn verlassen – in allen Angelegenheiten. Wir brauchen die bestmögliche Hoffnung, dass Allah uns von Seinen Gaben und Seiner Fülle nach unserem Tod gibt. Und der Prophet, Segen und Frieden auf ihm, wies uns an, dass keiner von uns dem Tod ohne eine hohe Meinung von Allah begegnen sollte.

Allah sagt in Seinem Qur’an: „Schaitan verspricht euch Armut und befiehlt euch Schändliches. Allah aber verspricht euch Vergebung von Sich aus und Huld. Allah ist Allumfassend und Allwissend.“ (Al-Baqara, Sure 2, 168) Schaitan droht mit einer schlechten Meinung, die sich auf mangelndes Wissen von Allah stützt. Unser großzügiger Herr verspricht eine hohe Meinung, die sich aus Jaqin speist – die Gewissheit, wenn es um Allah geht. Hasan Al-Basri, möge Allah ihm barmherzig sein, sagte: „Ich schaute tief in die Frage der Großzügigkeit und fand heraus, dass jede ihrer Aspekte sich auf eine gute Meinung von Allah herunterbrechen lässt. Genauso ist Knauserei in all ihren Formen eine schlechte Meinung von Allah.“

Auch die gute Meinung von den Menschen hat ihre Wurzeln im Wissen. Eine Zusammenfassung von ihr findet sich in den Worten des großen ägyptischen Sufis Dhu’n-Nun Al-Misri: „Wisset, dass der Denkende derjenige ist, der seine eigenen Fehler erkennt, aber gut über die Fehler anderer denkt. Er ist großzügig mit dem, was ihm gehört, aber enthaltsam mit dem, was anderen gehört. Er bewahrt andere vor dem Schaden seines Selbst, erträgt aber den Schaden von anderen.“

Die Reinigung von den schlechten Eigenschaften, wie sie von Imam Al-Dschazuli beschrieben wurden, besteht im beispielhaften und erhabenen Charakter, durch welchen der beste Rufer zu Allah beschrieben wurde. Er ist unser Meister Muhammad, Allahs Heil und Segen auf ihm, der Gesandte Allahs.

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