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Entwicklungsarbeit mit Frauen und Mädchen im Blickpunkt

Christina Safiya Tobias-Nahi sorgt sich bei der Entwicklungsarbeit um die Schwächsten

(Promosaik e.V.|IZ). Weltweit gehören Frauen und Mädchen zu den am meisten betroffenen Menschen, wenn es um Krisenlagen, Armut und Unterentwicklung geht. Dieser Umstand ist Entwicklungs- und Hilfsorganisationen seit geraumer Zeit bewusst. Dementsprechend wurden in den letzten Jahren Programme angepasst oder neue Projekte entwickelt.

Auch muslimische Einrichtungen, die sich der Entwicklungs- und Notfallhilfe verschrieben haben, sind sich der gesonderten Anforderungen der Betroffenen bewusst. In diesem Feld arbeitet auch die US-amerikanische Aktivistin Christina Safiya Tobias-Nahi. Sie leitet seit 2006 die Öffentlichkeitsarbeit des US-Ablegers der Hilfsorganisation Islamic Relief (IRUSA). 2016 reiste sie im Rahmen einer Untersuchungskommission nach Jordanien, in den Libanon und die Türkei, um die Lage von Flüchtlingen und die Umstände für Kinder in Augenschein zu nehmen. Neben diversen zivilgesellschaftlichen Aktivitäten und akademischen Studien ist sie Mitglied eines NGO-Netzwerkes für Erziehung in Krisengebieten (INEE).

Auch in den muslimischen Ländern seien nach Ansicht der humanitären Aktivistin Frauen und Mädchen die verletzlichsten Elemente der Gesellschaft. Um das Phänomen Armut zu begreifen, müssten Interessierte einen Schritt zurücktreten und verstehen, dass Mittellosigkeit durch vier Dinge bestimmt werde, die menschliche Bedürfnisse ausmachten. Diese seien Religion, körperliche Unversehrtheit, Familie und Eigentum. Ihre Befriedigung gilt als eines der grundlegendsten Ziele im Islam.

Diese islamische Perspektive geht Hand in Hand mit der breiten Einschätzung, dass Armut ein Phänomen mit verschiedenen Ebenen ist. Sie beruht auf menschlichen Notwendigkeiten, die sich nicht ausschließlich in finanziellen Begriffen ausdrücken lassen. „Insbesondere, soweit die praktischen Maßnahmen betroffen sind, entsprechen die letzten vier im Islam grundlegenden Arten von Bedürfnissen den Indikatoren des Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen“, erklärt Christina Safiya Tobias-Nahi. Diese würden die Bedeutung von Einkommen, Bildung und Gesundheit betonen. Der US-Ableger der Hilfsorganisation bemühe sich auch darum, die Wurzeln von Armut anzusprechen. Dazu gehörten Themen wie internationale Verschuldung, Wucher und die sogenannte Mikrofinanz. Für Islamic Relief in den USA spielen ebenso Klimaveränderungen und bewaffnete Konflikte eine wichtige Rolle.

Das Hauptaugenmerk in der Armutsbekämpfung sollte nach Ansicht von Tobias-Nahi in der Betreuung von Frauen und Mädchen liegen. So würden nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO täglich 800 Frauen durch Schwangerschaft und Geburt ums Leben kommen – 99 Prozent davon in Entwicklungsländern. Auch hätten Frauen in vielen Ländern geringere Alphabetisierungsquoten als Männer. Nicht selten müssten Mädchen ihre Schulausbildung früher als Jungen abbrechen, um unerlässliche Arbeiten im Haushalt zu erledigen, wie die Beschaffung von Wasser.

Nach Ansicht von Tobias-Nahi nützt die Förderung von Frauen und Mädchen nicht nur den Betroffenen selbst. Vielmehr ziehe die gesamte Gesellschaft einen Nutzen davon. „Bildung von Frauen verbessert Einkommen, führt zur besseren Gesundheit bei Kindern und Müttern und zu größerem Zugang von Mädchen zur Bildung“, erläuterte die US-Aktivistin. Frisch alphabetisierte Frauen führten zu positiven Nebenwirkungen bei allen Entwicklungsindikatoren. Das war auch die Einschätzung der UNESCO-Generalsekretärin Irina Bukova.

Islamic Relief in den USA, berichtet Tobias-Nahi, wende einen zunehmenden Umfang seiner Ressourcen für die Verbesserung von Gesundheit und Bildung bei Frauen und Mädchen auf. In den aktuellen Programmen seien auch Bildung und Einkommensquellen mit einbezogen worden. Auch in den USA selbst lege man verstärktes Augenmerk auf die weibliche Seite der Armut. Als Beispiel erläuterte sie das Projekt für Frauenhäuser, durch welches Missbrauchsopfer ermutigt und ermächtigt werden sollen.

Der Text basiert auf einem Interview von Milena Rampoldi und Denise Nanni mit Tobias-Nahi.

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Ali Kocaman

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