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Wie eine Muslimin die erste Universität der Welt gründete

Fatima Al-Fihri: Erbauerin der Qarawijin-Moschee in Fes

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(iz). Es wäre eine grobe Übertreibung, anhand der jetzigen – in der Tat deprimierenden – Lage vieler muslimischer Frauen behaupten zu wollen, dass sämtliche Muslime unserer Zeit vollkommen die wichtige Rolle vergessen hätten, welche der weibliche Teil der muslimischen Welt von Anfang an gespielt hat. Nicht nur der Respekt gegenüber den im Qur’an erwähnten Frauen und den Gattinnen des Propheten, Friede auf ihm, ist bis heute erhalten geblieben.

Zu jenen weiblichen Gestalten des Islam, die über ihre Person und ihre Zeit hinaus eine wegweisende Rolle spielten, zählen die Förderinnen und Gönnerinnen wichtiger Einrichtungen und Zwecke. Eine von ihnen war die aus Nordafrika stammende Fatima Al-Fihri. Ihr wird die Stiftung der Qarawijin-Moschee im marokkanischen Fes zugeschrieben. Als Tochter des Händler Muhammad Al-Fihri wanderte sie mit ihrem Vater aus dem tunesischen Kairuan aus. Sie wollte hier für die aus Kairuan stammende Gemeinde eine angemessene Moschee errichten.

Diese, die wie die ägyptische Al-Azhar Moschee auch als Universität und Ort der islamischen Lehre fungiert, spielt bis heute eine wichtige Rolle bei der Vermittlung einer authentischen Lehre. Nicht nur brachte sie entscheidende Gelehrte des maghrebinischen, westafrikanischen und andalusischen Islam hervor, sie stellt auch heute noch eine Alternative zu fragwürdigen, ideologisch ausgerichteten Bildungseinrichtungen dar.

Das Geburtsdatum jener Tochter des wohlhabenden Händlers und Erbin seines Vermögens ist unbekannt. Ihr Sterbedatum wurde von einigen auf das Jahr 880 der christlichen Zeitrechnung angegeben. Der Bau der Qarawijin soll im Jahre 859 stattgefunden haben. Umm Al-Banin, so ihr ehrender Beiname, benutzte das väterliche Erbe, um die älteste, heute noch existierende Universität zu gründen, die akademische Abschlüsse vergibt. Ihrer Schwester, Mariam bint Muhammad Al-Fihri, wird der Bau der ebenfalls in Fes gelegenen Al-Andalus-Moschee zugeschrieben.

Beide Frauen waren gut gebildet und wuchsen in einem Haushalt von besonderer religiöser Anbetung auf. Nach dem Erhalt ihres Erbes verpflichteten sich beide, ihr gesamtes Erbe zum Nutzen der muslimischen Gemeinschaft auszugeben.

Es wurde von Umm Al-Banin berichtet, dass sie während des Baus der Moschee die gesamte Zeit fastete, um so Allah näher zu kommen.

Durch ihre Absicht schuf sie eine Universität, die in der Vergangenheit als eines der führenden spirituellen und pädagogischen Zentren der muslimischen Welt galt. Die Einrichtungen dieser, der Qarawijin-Moschee angeschlossenen Universität zogen Gelehrte aus Nah und Fern an. Jahrhunderte lang war Fes als Mittelpunkt für Religion und Kultur bekannt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Bau, wie bei anderen weltbekannten Moscheen auch, immer wieder erweitert, sodass er die wachsende Zahl der Gläubigen aufnehmen kann. Die Menge der Studenten an der Qarawijin war so hoch, dass die Universität ein hartes Auswahlsystem auf Grundlage verschiedener Bedingungen aufstellen musste. Dazu zählte das Auswendiglernen des gesamten Qur’an in vorangehenden Madrassen, sowie ausreichendes Wissen im Arabischen und den allgemeinen Wissenschaften.

Sie brachte führende Köpfe der im islamischen Westen dominierenden Rechtsschule Imam Maliks hervor. Dazu zählten Abu ‘Abdullah As-Sati, Abu’l-’Abbas Az-Zwawi, Ibn Raschid As-Sabit, Al-Fasi und andere. Auch Ibn Khaldun wurde mit ihr in Verbindung gebracht.

Hier studierte auch der im Abendland bekannte Leo Africanus, ein Reisender und Schriftsteller. Unter ihren Absolventen befanden sich auch jüdische Gelehrte. Und so war die Qarawijin-Universität eine wichtige Brücke zwischen der islamischen Welt und Europa. Zu den christlichen Zeugen des zivilisatorischen Beitrags der Qarawijin zählt Gerbert von Aurillac (930-1003), der spätere Papst Sylvester II., dem die Einführung der Null und der arabischen Ziffern in das christliche Europa zugeschrieben wird.

Im Laufe ihres Bestehens erfreute sie sich der Förderung durch einflussreiche Sultane. So baute sie eine große Sammlung von Handschriften auf, die in der Bibliothek aufbewahrt werden. Dazu zählt eine Kopie der bekannten Muwatta von Imam Malik und eine Ausgabe der Prophetenbiografie von Ibn Ishaq. Neben den Kernwissenschaften der islamischen Lehre wurden auch andere Themen wie Grammatik, Medizin, Mathematik, Astronomie, Chemie, Geschichte, Geografie und Musik in Fes gelehrt.

Noch heute erinnern sich Marokkanerinnen und Marokkaner respektvoll an Fatima Al-Fihri und blicken zu ihr wegen ihrer Weisheit, ihrem Durchhaltevermögen und ihrer Freundlichkeit auf. Es war ihr persönliches Opfer, das sie zu einer Inspiration für alle Frauen werden ließ. Selbst heute noch sprechen junge Frauen in Fes nicht nur gut von ihrer Vorfahrin, sondern erinnern sich an sie als die einzige Frau, welche die älteste, heute noch arbeitende Universität erbaute.

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Laila Massoudi

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