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Eren Güvercin kommentiert die Veröffentlichung des angekündigten Gutachtens zur „Theologie der Barmherzigkeit“ und stellt Fragen an den KRM

Wichtige Fragen wurden zu Beginn ausgeblendet

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(iz).Mit der Veröffentlichung des Gutachtens zur so genannten „Theologie der Barmherzigkeit“ des Münsteraner Professors Mouha­nad Khorchide herrscht endlich Klarheit darüber, wie der Koordinationsrat der Muslime (KRM) sich dazu positioniert. Schließlich war er es, der Prof. Khorchide die ­Ijaza (Lehrerlaubnis) 2011 erteilt hatte, die nach geltendem Verfassungsrecht zwingend notwendig ist, wenn ein Professor ein bekennt­nisgebundenes Fach an der Universität lehren will. Welche Konsequenzen nun nach der Veröffentlichung gezogen werden und was das für den Standort Münster ­bedeutet, wird sich noch zeigen. Unabhängig vom Zentrum für Islamische Theologie in Müns­ter und der Person Khorchide lassen sich für Muslime in Deutschland einige Rückschlüsse aus dieser monatelangen Debatte ziehen.

Von Anfang an wurde bei der Etablierung der Theologie an deutschen Universitäten an der Basis vorbei gehandelt. Eine innermuslimische Debatte darüber, wie denn nun die zukünftige Islamische Theologie ­aussehen solle, wurde nicht geführt. Das rächt sich jetzt. Obwohl der KRM Khorchide die ­Ijaza erteilt hatte, waren viele Muslime an der Basis von Anfang an kritisch gewesen. Dies hatte der KRM seinerzeit nicht ernst genom­men. Hätte man zu Beginn eine offene und transparente Debatte über solche Grundsatzfragen wie die Islamische Theologie geführt, wäre es nicht so weit gekommen.

Wenn der Koordinationsrat der Muslime wirklich die Interessen der Muslime und ihrer Moscheegemeinden vertreten will, muss er in Zukunft bei Grundsatzfragen die Debatte mit den verschiedenen Muslimen in Deutschland suchen, denn die Imame, die an diesen Standorten für Islamische Theolo­gie ausgebildet werden sollen, werden am Ende eben vor Ort in den Moscheegemeinden arbeiten. Mit einer staatlich finanzierten universitären Ausbildung von Theologen ist es nicht getan. Das ist für die Mehrheit der Muslime eine zu einseitige Angelegenheit.

Die Muslime brauchen vor allem auch unabhängige Institutionen, die die universitäre Ausbildung ergänzen. Dies könnten etwa Madrassen sein, die in der islamischen Geschichte immer eine zentrale Rolle in der Ausbildung von Imamen und Gelehrten spielten. Dafür gibt es in Europa auch zahlreiche Modelle, an denen man sich in Deutschland orientieren könnte.

Überhaupt fehlt hier eine lebendige und offene Debatte unter Muslimen jeglicher Couleur über zentrale Themen unserer Zeit. Wenn die SPD ihre Parteimitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen lässt, ist es vielleicht auch an der Zeit, dass der KRM bei Kernfragen mit den Gemeinschaften vor Ort diskutiert und auch von ihnen legitimieren lässt. Statt bei Islamkonferenzen nur mit der Politik auf Bundes- und Landesebene bestimmte Dinge auszuhandeln, ist es an der Zeit, eine Plattform zu etablieren, in der bitter nötige innermuslimische Diskus­sionen geführt werden.

Solange der KRM nur zur Frage der Theolo­gie in Deutschland Stellung nimmt, nährt er den Verdacht, es ginge ihm indirekt vorrangig um die innenpolitische Anerkennung.

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Eren Güvercin

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