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Chronik eines angekündigten Verbandes

Erneut ohne innermuslimische Debatte: Die Politik dringt auf Gründung einer Struktur für die Wohlfahrt

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(iz). Angefangen mit den ältesten Wurzeln gehören Hilfsbereitschaft und wohltätige Institutionen zur muslimischen Lebensweise. Heute ist dieses zivilgesellschaftlichen Ethos so dringend geboten wie nie in den letzten Jahrzehnten. Hunderttausende Flüchtlinge sind binnen kürzester Zeit nach Deutschland gekommen. Und auch die hiesige soziale Lage bietet Spielraum für konstruktive Angebote von muslimischer Seite.

Hinzu kommt, dass eine älter werdende Gemeinschaft sowie sich ändernde familiäre Verhältnisse wohl ein Umdenken nötig machen. Unter den hiesigen Verhältnissen entstehen auch Anforderungen, die es in der muslimischen Welt so nicht gibt.

Am 10. November 2015 tagte hierzu das oberste Gremium der Deutschen Islam Konferenz (DIK) zum zweiten Mal in diesem Jahr. Schwerpunkt waren die Ergebnisse der DIK zum Thema Wohlfahrtspflege. Bereits seit einiger Zeit diskutieren Ausschüsse, Fachkonferenzen und Arbeitsgruppen unter Beteiligung von Politik, Staat, Wohlfahrtspflege und muslimischen Organisationen die Schaffung einer entsprechenden Struktur auf muslimischer Seite.

„Die Angebote der Wohlfahrtsverbände reichten nicht aus, um den Bedarf von Musliminnen und Muslimen zu decken“, hieß es hierzu auf der DIK-Webseite. Und Emine Oguz vom niedersächsischen Landesverband der ­DITIB meinte, „die interkulturelle Öffnung der etablierten Träger der freien Wohlfahrt hat nicht funktioniert“.

Positive Signale hierzu kommen aus der Politik. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) stehen hinter dem Projekt. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), lobte die Ergebnisse der DIK. Es sei gut, wenn muslimische Organisationen auf dem Weg zu Gründung einer solchen Struktur unterstützt würden. Auch Caritas und Diakonie sagten ihre Unterstützung zu. Offen blieb, ob es auf eine einheitliche Institution oder mehrere Strukturen hinausläuft.

Ein genauer Zeitplan liegt laut Meldungen nicht vor. De Maiziere meinte aber, ein entsprechender Ausschuss der Islamkonferenz könnte die „Keimzelle für einen Wohlfahrtsverband“ bilden. Zitierte Stimmen wie der Osnabrücker Institutsleiter Prof. Dr. Bülent Ucar gehen davon aus, dass Gründung und Aufbau einer entsprechenden Struktur Jahre in Anspruch nehmen werden.

Wie bei anderen Großvorhaben ereignet sich das Vorhaben in der Schnittstelle zwischen Politik, Staat, Wohlfahrtsverbänden und muslimischer Repräsentanz. Bisher gab es keine koordinierten Versuche, den neuen Verband im innenmuslimischen Rahmen zu debattieren. Da das Thema „Wohlfahrt“ Teil der muslimischen Lebensweise ist, so unabhängige Beobachter, sei die Einbeziehung muslimischer Traditionen und Modelle eigentlich angeraten.

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