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„Es geht mir nicht ums Geld“

In „Billion Dollar Muslim“ entwirft Khuram Malik eine Vision der Freiheit und Solidarität für ein muslimisches Unternehmertum

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Foto: Khuram Malik

(iz). Freiheit im Unternehmertum ist ein Topos, der für viele Menschen keine große Rolle spielt. Die meisten denken dabei wahrscheinlich an individuellen Reichtum oder bestenfalls an die Freiheit des Einzelnen von den alltäglichen finanziellen Lasten, welche die meisten von uns tragen. Für den britischen Jungunternehmer, Berater und Autor Khuram Malik dagegen ist ökonomische Selbstständigkeit vor allem ein Mittel für individuelle und soziale Freiheit sowie die Chance, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.

„Ich entschied, dass dies mein Lebenszweck war: Diese Infrastrukturen zu schaffen und Plattformen zu kreieren, von denen die Gesellschaft profitieren würde. Aber ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte. Aber irgendwie wusste ich, dass ich irgendwann meinen Weg dorthin finden würde, wenn ich am ­Unternehmertum festhalten würde“, schreibt er in der Einleitung seines ­informativen Buches „Billion Dollar Muslim“. Für ihn ist das unabhängige Unternehmertum ein Hauptantrieb, um der Gesellschaft zu nutzen.

In den Ohren vieler mag es nach einem Klischee klingen, „aber es geht mir überhaupt nicht um das Geld“. Vielmehr lasse sich die entstehende finanzielle Freiheit nutzen, um die Welt zu verändern. Nach Ansicht von Malik würden heute viele junge, gut ausgebildete MuslimInnen hart in Jobs arbeiten – allerdings mit wenig Befriedigung und einem eher lauen Einkommen. Der enorme Aufwand, den die Jobs abhängig Arbeitenden abverlangen, lässt „zumeist nur noch Zeit für die Sorge um die eigene Familie“. Sie hätten nur noch geringe mentale und emotionale Kapazitäten, zum allgemeinen Wohlergehen beizutragen. „Wohlstand lässt sich ausschließlich durch den Kontostand darstellen. Er ist auch  die Freiheit das mit unserem Leben anzufangen, was wir wollen. Dankenswerterweise ­beginnt die Generation der Millenials, das zu erkennen.“

Für Khuram Malik schaffen freie ­Geschäftsleute Reichtum. Dieser besteht für den Autor in der Möglichkeit, bedeutungsvolle Dinge mit dem eigenen Leben anzufangen. „Anstatt ein Leben lang auf den Ruhestand zu warten, von den Dingen zu träumen, die Sie tun möchten, und von den Dingen kontrolliert zu werden, die Sie tun müssen (Rechnungen bezahlen, die Agenden ­anderer erfüllen usw.)“, so Malik, „können Sie durch Unternehmertum die Mittel schaffen, jetzt ein Leben zu ­kreieren, das Sie führen wollen“.

Aus eigener Erfahrung in Großbritannien hat Khuram Malik die Erfahrung gemacht, dass es nicht selten die migrantischen Eltern muslimischer Jugendlicher sind, die für sie eine Karriere als akademisch gebildete ExpertInnen wollen. Die Neigung, den Nachwuchs Medizin, Jura, Ökonomie oder Ingenieurwissenschaft studieren zu lassen, dreht sich ­insbesondere um die Hoffnung, auf ­einen abgesicherten Lebensunterhalt. „Unglücklicherweise hat die deplatzierte Hoffnung unserer Eltern auf Anerkennung und finanzielle Sicherheit das Leben eines Teils der neuen Generation durch einen Riesenhaufen Schulden sowie unbefriedigender, bedeutungsloser Karrieren belastet.“ Die Rezession von 2008 habe zumindest das gelehrt: So ­etwas wie eine langfristige Stellensicherheit gebe es nicht. Bisher haben echte Unternehmer unter diesen Bedingungen keine Chance gehabt, obwohl es heute für junge MuslimInnen relevanter sei denn je.

Nach Ansicht das Consultants Farzan Parupia (Leiter von Entrepreneurial Muslim) ist Chance für eigenständige Geschäftstätigkeit heute größer als je zuvor. „Jeder, der über einen Computer und eine Internetverbindung verfügt, kann ein profitables Geschäft aufbauen. Das Schöne am Unternehmertum ist, dass Sie tun können, was Sie lieben und was Sie auszeichnet, und gleichzeitig anderen dienen können, indem Sie Lösungen für ihre gemeinsamen Probleme in jeder Nische oder in jedem Bereich anbieten.“ Mit der gewonnenen Zeit und dem erwirtschafteten Geld lasst sich „ein Leben in Freiheit“ führen.

Entgegen vieler Missverständnisse sei Geld laut Malik „nicht die Wurzel allen Übels“. Es kann ein Mittel zur Erreichung höherer Ziele sein. Auch wenn im Islam das Horden von Reichtum untersagt sei, findet sich darin nichts, was von seinem Verdienst abhält. Für den Autor findet sich das Gegenteil in einem ­Hadith des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, das von seinem Gefährten Abu Huraira überliefert wurde: „Die obere Hand ist besser als die untere Hand. Und beginnt mit der Wohltätigkeit bei denen unter eurer Obhut. Die beste Spende ist jene, die aus dem Zuwachs gegeben wird. Und wer Allah bittet, ihm zu helfen, sich vom Unrechtmäßigen und Verbotenen zu enthalten, dessen Wünsche wird Allah erfüllen. Und wer selbstgenügsam werden will, den wird Allah selbstgenügsam machen.“ Dieses Hadith betone nicht nur die Betonung von Unabhängigkeit sondern auch von darüber hinausgehendem Besitz, der als Spende ­gegeben werden kann. „Wohlstand ist finanzielle Freiheit, die uns von der ­lähmenden Pflicht befreit, täglich zur Arbeit gegen zu müssen. Wir können so an jenen Dingen arbeiten, die uns wirklich am Herzen liegen. Und wir sind ­befreit für die bestmögliche Anbetung Allahs.“ Die Ketten der finanziellen Versklavung würden Muslime andererseits einschüchtern und alle Pläne auf das Rentenalter verschieben lassen – obwohl keiner von uns wisse, wie lange wir eigentlich leben!

In den Augen Khuram Maliks hat der muslimische Unternehmer einen wichtigen Schritt in Richtung Vertrauen in Allah genommen. Mit dem Istikhara-Gebet für Klarheit als sein Kapital, definiere und schaffe er alternative Mittel, um Wohlstand zu suchen, den Allah ihm erlaubt habe und der ihm zukomme. Die Geschäftsleute eröffneten eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Veränderungen im persönlichen Leben und dem Umfeld zu ermöglichen. „Sein islami­sches Ethos bestimmt seine Absichten.“ Er lege Güte an den Tag, weil er die Worte seines Herrn kenne: „Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebie­tet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah.“ (Al-i-‘Imran, Sure 3, 110)

Die Stärke des Unternehmertums liege in der Suche nach Freiheit im eigenen Leben. Er findet Stärke und die Fähigkeit, mehr zu tun und mehr anbieten zu können. In seinem Leben manifestiert er die Worte des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Der starke Gläubige ist bei Allah besser und beliebter als der Schwache, während in beiden Gutes liegt.“

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Massouda Khan

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