IZ News Ticker

Es geht vor allem um Empathie

In Kanada betreibt das online-Projekt Mawaddah eine Eheberatung der anderen Art

Werbung

Foto: Max Pixel

(iz). Wie alle anderen haben auch Muslime, die in den Gemeinschaften des Westens leben, mit Eheproblemen zu kämpfen. Anders als in traditionelleren Zonen brechen hier alternative Methoden der Konfliktvermeidung und -bewältigung in zunehmendem Maß weg. Als Folge entstehen neue Beratungsangebote, um den offenkundigen Bedarf zu befriedigen.

Dazu gehört auch das kanadische Projekt Mawaddah. Zu den Machern gehört Jamil O. Popatia. Auf der Webseite heißt es, die Eheberatung sei vertrauenswürdig und stünde dem größten Respekt für die Unversehrtheit und Intimität der ehelichen Beziehung . „Als ein religiös begründeter Berater“, so Popatia, „besteht mein Arbeitsprozess darin, mit den vorliegenden Fragen innerhalb einer breiten islamischen Perspektive umzugehen. Da Islam unser moralischer Kompass ist, durchdringt er den Umgang mit meinen Klienten. Beratung und Therapie werden offen, respektvoll und vorurteilsfrei angeboten.“

Das arabische Wort „Mawadda“ taucht an verschiedenen Stellen im Qur’an auf. Eine bekannte findet sich hier: „Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass Er euch aus euch selbst Gattinnen erschaffen hat, damit ihr bei ihnen Ruhe findet; und Er hat Zuneigung und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Darin sind wahrlich Zeichen für Leute, die nachdenken.“ (Ar-Rum, 21)

Ein Kernansatz ist eine mitfühlende Kommunikation. Sie kann, so Jamil O. Popatia, als ein Prozess der Verbindung zum eigenen Selbst und zu anderen verstanden werden. Sie basiere auf Gefühlen und allgemeinen Bedürfnissen. Im Kern stehe der Ausgleich von ehrlichem Ausdruck und Mitgefühl – für sich selbst und andere. „Als ein Prozess beinhaltet diese mitfühlende Kommunikation vier entscheidende Komponenten: Beobachtung, die entstehenden Emotionen, universale Bedürfnisse, welche die Grundlage dieser Gefühle sind und schließlich die Fragen an sich selbst und andere, die zur Befriedigung dieser Bedürfnisse beitragen.“

Persönlich glaube er, dass es sich hier um tiefspirituelle Fragen handle, die nicht auf eine rationale, lineare Weise beantwortet werden könnten. „Für mich ist Empathie möglich, wenn sie nicht durch moralisierenden Druck erzeugt wird, sondern wenn Menschen sich sowie den Rest der Schöpfung als festen Bestandteil eines schönen, beabsichtigten Ganzen sehen.“ In seiner Glaubensperspektive fließe das Einfühlungsvermögen, wenn man den göttlichen Funken in jeder lebenden Kreatur erkennene. Denn diese seien Hinweise auf die Barmherzigkeit, Schönheit und Majestät des Allerliebenden Schöpfers. „In diesem Sinne wird Empathie zu einem göttlichen Akt, zu dem Menschen Zugang erhalten und den sie mit anderen teilen können.“ In der qur’anischen Begrifflichkeit würde man es als „das Siegel der Barmherzigkeit“ bezeichnen.

Nun gibt es aber soziale und individuelle Anlässe, die zu Gewalt in Konflikten, gerade auch in der Ehe, führen können. Popatia berichtet von seiner Beobachtung, wonach Leute auf Positionen, Lösungen, Strategien und verengte Ansichten fixiert seien. Dies ermögliche ein schnelles Abgleiten in den Gegensatz von „ich und sie“. Dies könne zwischen Partnern, Eltern und Kindern und – vielleicht am verstörendsten – zwischen geopolitischen Gruppen geschehen. Sie alle betrachteten sich durch die Linse der Feindbilder. Wenn eine Person oder eine Gruppe von Menschen nicht offen dafür sei, andere Perspektiven und Erklärungsmuster zu hören, sei dies eine Erschwernis für die Entwicklung von Einfühlungsvermögen, denn es bestehe bereits ein Hindernis: Wie könne man empathisch sein, wenn man sich so auf den „Irrtum“ des anderen fixiere, fragt der Berater.

Oft kommt es in multikulturellen Ehen wegen der unterschiedlichen Hintergründe zu Konflikten. Laut Jamil O. Popatia müsse man definieren, was damit gemeint sei. „Geht es um verschiedene Kulturen, Ethnien, Hintergründe, Religionen?“ Es sei entscheidend, hier eine gemeinsame Sprache zu haben. Viele seiner Klienten lebten in „gemischten Ehen“. Mehrheitlich hätten sie unterschiedliche Hintergründe, tendierten aber dazu, aus dem gleichen normativen Kulturraum zu kommen und der gleichen Religion anzugehören.

Link: mawaddah.ca

The following two tabs change content below.
Avatar

Dr. phil. Milena Azize Rampoldi

Avatar

Neueste Artikel von Dr. phil. Milena Azize Rampoldi (alle ansehen)

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen