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Es gibt keine schlechten Ramadan-Fragen, sondern nur schlechte Antworten

Offener Brief an Muslime: Einige beschweren sich öffentlich über die alljährlichen Ramadan-Fragen von Nichtmuslimen. Dafür hat unser Gastautor Said Rezek kein Verständnis

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Foto: Ömer Sefa Baycal

As-Salaamu ’alaikum,
liebe Muslime,

die BILD titelte zu Beginn des Fastenmonats: „Diese Fragen können Muslime im Ramadan nicht mehr hören“.  Gemeint sind solche: Ist das Fasten freiwillig und bei der Hitze nicht ungesund? Oder der Klassiker: Ist nicht einmal trinken erlaubt? Die BILD-Schlagzeile ist natürlich pauschal und unzutreffend, denn die meisten Muslime antworten geduldig und freuen sich über das Interesse unserer nicht-muslimischen Mitbürger.

Manche Muslime reagieren hingegen nicht mehr ganz so motiviert, wenn sie die üblichen Fragen zum gefühlt hundertsten Mal hören oder das Gefühl haben, da möchte jemand provozieren. Das ist nachvollziehbar. Ich habe jedoch kein Verständnis für Muslime, die in aller Öffentlichkeit Nichtmuslime kritisieren, weil sie keine Ramadan-Experten sind.

Wer darüber klagt, sollte sich zunächst selbstkritisch die Fragen stellen, ob er über das Fasten der Buddhisten, Christen und Juden bestens informiert ist. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, mich im Detail auszukennen. Und natürlich würde ich anderen Glaubensanhängern meine Fragen stellen, wenn ich welche treffen würde. Von unserem Prophet Mohammed (s.a.a.s) ist überliefert: „Nach Wissen zu streben ist eine Pflicht für jeden Muslim, Mann und Frau. Darum strebt nach Wissen, wo es zu finden ist, und erfragt es von all denen, die es besitzen.“

Wir sind also nicht nur in der Pflicht uns zu informieren, sondern in der Verantwortung Fragen zu beantworten. Es ist anmaßend und arrogant, wenn einige Muslime festlegen, was Nichtmuslime über Ramadan mindestens wissen müssten. Es wäre fatal, wenn Nichtmuslime folglich das Gefühl erhalten, ihre Fragen seien dumm, nur weil sie „es immer noch nicht wissen“. Einer meiner Lehrer pflegte immer zu sagen: „Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur schlechte Antworten.“

Wir kritisieren zurecht, weit verbreitete Vorurteile gegenüber Muslime. Andererseits sind einige Muslime genervt, wenn sie wiederholt mit Fragen zu ihrer Religion konfrontiert werden. Da machen es sich einige zu einfach. Wer als Muslim während des Ramadans Fragen von Nichtmuslimen öffentlich kritisiert, möge sich den Rest des Jahres zurückhalten, bestehende Vorurteile gegenüber Muslime anzuprangern.

Der Monat Ramadan bietet uns Muslimen die Möglichkeit mit Nichtmuslimen über unsere Religion ins Gespräch zu kommen und mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. Aus meiner Sicht sollten wir Muslime dankbar dafür sein, auf Fragen antworten zu dürfen, bevor es andere machen, die schlecht informiert sind oder ideologisch motivierte Unwahrheiten verbreiten.

Wir können uns Kundenberater zum Vorbild nehmen, die jeden Tag aufs Neue über ihre Produkte aufklären und gelegentlich auch scharf kritisiert werden. Wenn der Islam uns mehr wert ist als irgendein Produkt, sollten wir kein Problem damit haben, die Ramadan-Fragen vielleicht ein Leben lang zu beantworten.

Ich wünsche euch noch einen gesegneten Fastenmonat.
Wa Salaam

Said

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Said Rezek

Said Rezek

Said Rezek beschäftigt sich mit Fragen der Einwanderungsgesellschaft. 2015 erhielt er den Preis, für die beste Akademische Arbeit des Jahres. Webseite: https://www.facebook.com/said.rezek.7

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