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Exklusiv aus der neuen Ausgabe – Eine Frage von Angebot und Nachfrage:  Muslimische Reisende werden weltweit immer wichtiger. Von Shelina Janmohamed

Wachsende Rolle für den Tourismus

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(ON). Im winterlichen London sind Ahmad und seine Frau gerade von den Flitterwochen auf den Malediven heimgekehrt. Ende 20 träumte das briti­sche Paar vom sprichwörtlichen Inselpa­radies, aber sie suchten nach Extras: Halal-Lebensmittel sowie einem Ort, der ihren muslimischen Ansprüchen gerecht wird. „Wir wollten uns die Kopfschmerzen ersparen und uns nicht mit der Suche nach Halal-Restaurants stressen“, sagte Ahmad. Er wollte auch sicherstellen, dass seine Frau beruhigt schwimmen könne, ohne dass sie deswe­gen angestarrt worden wäre.

Ahmad und seine Frau sind Teil eines wachsenden globalen Trends muslimischer Reisender, die Reiseziele und Dienstleistungen suchen, die ihren religi­ösen Erwartungen entsprechen. Dabei handelt es sich um einen Anstieg des muslimischen Marktes, der auf einen Wert von 1,65 Billionen Euro beziffert wird. Über 90 Prozent aller Muslime ­gaben an, dass ihr Glauben Einfluss auf ihr Konsumverhalten hat.

2011 haben Muslime ca. 96 ­Milliarden Euro für Reisen und Tourismus ausgegeben. Diese Summe soll bis 2020 auf 147 Milliarden Euro ansteigen. In ­diesen Angaben sind die Kosten der Pilgerfahrten – Hadsch und Umra – nicht mit eingerechnet. Die Zahlen für das Jahr 2011 machten nach Angaben der Internationalen Tourismus Organisation im gleichen Jahr 12 Prozent der globalen Ausgaben für Reisen und Tourismus aus.

In den nächsten acht Jahren sollen die weltweiten Einkünfte, die mit muslimischen Reisenden erzielt werden, um 4,8 Prozent jährlich steigen – das sind durchschnittlich ein Prozent mehr als im konventionellen Tourismussegment. Sowohl Länder mit muslimischen Mehrheiten, als mit Minderheiten, überlegen derzeit, wie sie ihr Marketing derzeit anpassen können, um diesen wachsenden Geschäftszweig anzuziehen. Bisher gibt es noch keine klaren Marktführer. Daher gibt es noch viel Spielraum für neue Reiseziele und Dienstleistungsmarken.

Die Erwartungen einiger muslimischer Reisender sind relativ direkt. Die häufigsten Anfragen betreffen einen leichten Zugang nach einem reichhaltigen Angebot an Halal-Lebensmittel. Moscheen oder andere Gebetsorte sind auch wichtig. Hotels, die nach Geschlechtern getrennte Einrichtungen wie Wellnessbereiche, Schwimmbecken oder sogar Strände im Angebot haben, werden ­gerne angenommen.

Immer häufiger interessieren sich muslimische Reisende für „Halal-Labels“ bei Hotels, Restaurants oder sogar Fluglinien, wenn sie reisen. 50 Prozent ­würden halal-freundliche Einrichtungen ­nutzen, wenn diese angeboten werden und 30 Prozent würden sich für strikte Dienstleistungen in Übereinstimmung mit der Scharia entscheiden. Für einige sind auch Hotels wichtig, die keinen Alkohol ausschenken. Das katarische Unternehmen Retaj Marketing & Project Management will 382 Millionen Euro in der Türkei investieren, um scharia-kompatible Hotels zu bauen.

In Europa hat die EU-Kommission eine größere Förderung des innereuropä­ischen, muslimischen Tourismus gefordert. Dabei denkt man vor allem an historische muslimische Denkmäler, um entsprechende Touristen anzuziehen. Eine Halal-Agentur in Bosnien ist das Ansicht, dass das kulturelle Erbe des Landes, aber auch seine Lage Bosnien zu einem wichtigen Halal-Reiseziel machen werden. Albanien intensiviert seine Anstrengungen zur Förderung der Reiseindustrie. Und im Rahmen globaler Halal-Zusammenschlüsse soll die europäische Hotelindustrie in der Halal-Praxis geschult werden.

Shelina Janmohamed ist Vizepräsidentin von Ogilvy Noor, der weltweit ersten Markenberatung zum Aufbau muslimischer Marken. Ogilvy Noor ist eine Tochter von Ogilvy & Maher.

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