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Experte zu Ägypten: “Islamophobie ist nicht angebracht”

Muslimbruderschaft einbinden

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(dpa). Ängste vor einem islamistischen Regime in Ägypten sind nach Einschätzung des Nordafrika-Experten Hauke Hartmann unbegründet. «Es geht aktuell nicht um eine islamisch geprägte Regierung, sondern darum islamistische Organisationen in den Demokratisierungsprozess einzubinden», sagte der Experte der Bertelsmann-Stiftung am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Eine Islamophobie (Islamfeindlichkeit) ist nicht angebracht.» In Expertenkreisen werde das Wählerpotenzial der Muslimbrüder nur auf 20 bis 30 Prozent geschätzt, sagte Hartmann. «Sie sind also weit davon entfernt, die Politik in Ägypten zu dominieren.» Gleichzeitig forderte Hartmann, dass islamistische Organisationen wie die Muslimbruderschaft «sich in bestimmten Punkten auch präziser zu ihren politischen Ziele äußern» müssten.

Vergleiche mit Teheran während der Islamischen Revolution 1979 seien nicht haltbar. Die Muslimbruderschaft sei in erster Linie eine religiöse Organisation mit sozialen Zielen. «Sie hat der Gewalt seit vielen Jahren abgeschworen.» Sie sei deshalb nicht mit dem «fundamentalistischen Gottesstaat» im Iran vergleichbar.

«Die Muslimbruderschaft wird die politische Ebene dazu nutzen wollen, Korruption zu bekämpfen und Bildungsmöglichkeiten auszubauen», sagte Hartmann. Weil die Muslimbrüder in Ägypten unterdrückt worden seien, wollten sie nun Schutz. «Die Muslimbruderschaft ist sehr interessiert daran, Stabilität in diesen Transitionsprozess rein zu bekommen.»

Besonders mit Themen wie Minderheitenschutz oder auch Frauenrechte müssten sich islamistische Organisationen wie die Muslimbruderschaft auseinandersetzen. Obwohl das Frauenbild im politischen Islam in vielerlei Hinsicht problematisch sei, «können die islamistischen Organisationen dennoch zu einem Diskurs über den Feminismus im Islam beitragen», sagte Hartmann. Es sei in der aktuellen Situation wichtig und richtig, auch mit den muslimischen Kräften zu reden. «Das hat der Westen lange versäumt.»

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