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Facebook: Tarek Bärliner über neue Unsitten in sozialen Netzwerken

Like, wenn Du mir Recht gibst

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(iz). Die „Gefällt mir“-Muslime sind eine seltsame Gattung Mensch mit dem gewissen Gespür für den Skandal, die Sensation oder den herzerwärmenden Beitrag. Die Rede ist von jungen muslimischen „Aktivisten“, die über das soziale Netzwerk Facebook so genannte „Fan-Seiten“ betreiben, auf denen sie in Massen Beiträge veröffentlichen, die den vorrangigen Zweck haben, „Likes” (Gefällt mir) zu erzielen und neue Fans zu generieren. Seien es speziell ausgewählte Ahadith und Quranverse, die meist von Nächstenliebe, Frauenrechten oder Frieden handeln oder Bilder, die den Leser beinahe zwingen einen Kommentar á la „Mascha'Allah“, „Subhanallah“ etc. zu hinterlassen, einfach passende Aphorismen oder der neueste Trend: polarisierende Videos.

Man erkennt jene Beiträge oft an fordernden Titeln wie „Masha'Allah, Beweis für dies und jenes/Islam, Alhamdulillah, SubhanAllah/Widerlegung“ und – was ich aufgrund meiner Absicht, niemanden unnötig zu provozieren, weglasse – die Tatsache, dass alles in Großbuchstaben geschrieben ist und mit dem Befehl endet, es zu teilen (wenn man doch ein stolzer, wahrhaftiger oder richtiger Muslim sei). Solche Beiträge werden kaum an jemandem vorbeigegangen sein und keine Pinnwand eines Facebook-Nutzers scheint verschont zu sein, denn die Seiten häufen sich.

Kein Wunder bei Namen wie „Wir lieben Allah“, „Allahu Akbar“ oder „Die einzig wahre Religion“. Na, da muss man doch raufklicken, man ist doch Muslim. All der Sarkasmus nun mal beiseite – solche Seiten haben vielmals für Jugendliche den Gang zum qualifizierten Lehrer abgelöst. Gemeinsam mit Youtube-Videos selbsternannter Salafis bilden sie eine Achse der Verblendung und sind als Gefahr stark unterschätzt. Ich persönlich kenne so einige Betreiber solcher Seiten persönlich und muss leider verschlimmernd zufügen, dass zu viele unter ihnen keinen Bezug zu einem festen Lehrer oder einer Gemeinde.

Und ebenso zur Tagesordnung gehört die Thematisierung brisanter Dinge wie dem Takfir auf andere Muslime, dem Dschihad (typisch und tragisch nur auf den Krieg reduziert) oder tiefergehenden Wissenschaften, die nun bereitwillig von Unwissenden öffentlich diskutiert werden. Keine Frage, dies ist ein Begleitphänomen des Salafismus und seinem Leichtsinn den Traditionen der Rechtslehre abzuschwören. Ein Beispiel, das den meisten ungemein reizen könnte ist ein Bild, aufgeteilt in zwei Hälften – auf einer Hälfte ist ein Haufen Geld und auf der anderen Hälfte ein Quran – Die Aufforderung nun: „Ilke“ das Bild, wenn du lieber den Quran wählst. Was willst Du uns damit vermitteln? Welchen Nutzen hat ein einfacher Muslim vom „liken“ eines Bildes? Ist es nicht vollkommen auswirkungslos auf den Iman? Warum nicht einfach ehrlich hinschreiben „es ist eigentlich total egal für dich, ob du das magst, aber bitte tue es, weil ich mein trostloses Dasein an virtueller Aufmerksamkeit bemesse“? Ganz grob ausgedrückt, aber diese Grobheit ist das Resultat meines fehlenden Verständnisses, das ebenfalls als Charakterschwäche gesehen werden kann, was ich aber am Ende des Tages nicht durch das Liken eines Facebook-Beitrages verbessern könnte.

Man sagt sich leicht, dass ein gebildeter Muslim, der etwas auf seinen Verstand gibt, solche Dinge sowieso meiden würde, doch ebenso sollten jene Leute dann Rücksicht nehmen auf die jüngeren, die ihren Verstand aufzubauen versuchen und den einfachsten Weg – das Internet – wählen um vermeidlich Wissen zu erwerben. Die Rücksicht auf die Jüngeren ist Anlass, gezielt und bedacht gegen dieses Phänomen zu agieren, in der Hoffnung so einigen, die zwar durchaus schwierigere, aber richtige Alternative näherzubringen. Like, wenn Du mir Recht gibst.

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