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Fadumo Dayib wird vielleicht Somalias erste Präsidentin

Eine Frau, die aus Somalia nach Finnland flüchtete und wieder zurück kam, wird zum Sinnbild muslimischer Frauen

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Screenshot: Vimeo

(iz). Sie wurde in Kenia geboren, weil ihre Familie aus Somalia floh. Doch dorthin wurden sie kurze Zeit später zurückgeschickt. Im Zuge der Kriege und der schlechten medizinischen Versorgung in dem ostafrikanischen Land ist Fadumo heute von elf Kindern das einzig Lebende.

Mit 14 Jahren gelangte sie als Flüchtling mit ihrer Familie nach Finnland. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte das Mädchen weder lesen noch schreiben. Bildung war in Somalia zu teuer. Zum ersten Mal konnte sie eine Schule besuchen und diese Möglichkeit nutzte sie. „Sie haben mich nicht aufgegeben”, reflektiert sie die Bemühungen, ihr zu helfen, im Interview mit NPR.

Das Mädchen aus Somalia wurde zur Musterschülerin. Zunächst machte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester. Es sei ihr wichtig gewesen, die Art von erste Hilfe leisten zu können, die ihre Geschwister damals gebraucht hätten. Später schloss sie Masterabschlüsse in Naturwissenschaften und Gesundheitswesen ab.

Sie heiratete und wurde Mutter. Ihren vier Kindern standen die Möglichkeiten der Bildung offen. Das reichte der Somaliarin nicht. Zu sehr hänge ihr Herz an der schlechten Situation in ihrem Ursprungsland. Fadumo Dayib entschloss sich, nach Somalia zurückzukehren. Dort begann sie mit der UNO an er Errichtung von Geburtskliniken zu arbeiten.

„Ironisch”, wie sie finde. In Finnland habe sie Rechten oft erklären müssen, dass sie nicht zurück könne „wo sie herkommt”, und nun, wo es möglich ist, mache sie es von sich aus.

Das Land leidet bis heute an dem Terror der wahhabitischen Miliz „Al-Shabab”. Wegen ihrer Kooperation mit der UNO wurde ihr bereits mit dem Tod gedroht. Fadumo Dayib ist nicht der Typ Frau, der sich unterkriegen lässt. Den Gegenwind nahm sie zum Anlass zu verkünden, für die Präsidentschaft in Somalia zu kandidieren.

Den Kampf für Gerechtigkeit versteht sie als ihre „islamische Pflicht”. Gerade der Glauben habe ihr Vertrauen in ihre Arbeit gegeben. „Unser Land kann blühen, wenn wir nur mehr über unsere islamischen Rechte wüssten”, erklärt sie der Harvard Gazette

Auf diese Weise möchte sie Korruption, medizinische Unterversorgung, hohe Arbeitslostigkeit, sexuelle Gewalt, fehlende Bildung und mangelnde Gleichberechtigung bekämpfen. Mit der EU und UNO geht sie hart ins Gericht. Die Entwicklungspolitik sei bislang „überhaupt nicht effektiv” und verhindere, dass Somalia überhaupt wachse. Lösungen möchte sie aus dem Dialog mit ihren eigenen Landsleuten finden.

Dafür sei sie auch bereit, „Al-Shabab” an den Tisch zu holen. „Sie zu bekämpfen, hat uns bislang nichts gebracht. Wir haben dem Chaos nur seinen Lauf gelassen”, kritisiert sie die bisherige Strategie. „Al-Shabab spricht ökonomische und soziale Missstände an, wozu Somalier eigentlich die Regierung Stellung beziehen sehen möchte”, sagt sie vor Pressevertretern. „Solange sich Somalier durch diese Gruppe vertreten fühlen, sollte man auch mit ihnen sprechen. Ich denke, wir haben aus unserer islamischen Tradition heraus gute Argumente, warum ihr Extremismus nicht die Antwort ist.”

Den Vorwurf, sie dürfe als Frau keine Regierungschefin sein, wehrt sie lächelnd ab. „Ich lege viel Wert auf die Meinung unserer Gelehrten. Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen die klassische Gelehrtsamkeit ablehnen und auf nihilistische Weise einzelne Verse oder Hadtihe zitieren um Rechtsurteile abzuleiten. Unsere Gelehrten können aber aus ihrem Wissen heraus beweisen, dass mein Anliegen legitim ist.”

„Islam ist Frieden und mit Islam möchte ich Frieden in mein Land bringen”, fasst sie ihre Vision zusammen. Die Wahlen finden im Herbst statt.

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