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Forscher und Investoren glauben an die Entwicklung von aus Algen erzeugten Biotreibstoffen. Von Enrique Gili

"Muslime & Globalisierung" - Pro: Eine Alternative aus den Ozeanen?

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(IPS). Stephan Mayfield, jüngst zum Leiter des Biotechnologie-Labors für Algen an der Universität von Kalifornien in San Diego ernannt, hat sich eine enorme Herausforderung vorgenommen. Er will einer alternativen Energie, die sich im Anfangsstadium befindet, zum Durchbruch verhelfen.

Sein Ziel ist die Gewinnung von Bio-treibstoffen aus Meeresalgen. Einige äußerten die Ansicht, dass die Erzeugung solcher Treibstoffe in ihrer historischen Bedeutung der Entwicklung der Nuklearenergie vergleichbar wäre – in Hinblick auf ihr Potenzial, um die globale Nachfrage nach Fahrzeugtreibstoffen zu befriedigen, auf der die gesamte Weltwirtschaft basiert.

Nach Jahren der Inaktivität im Bereich der Biotreibstoffe wurde der Wettbewerb zur Produktion von „grünem Rohöl“ wieder angeschoben. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich eine Handvoll Wissenschaftler und abenteuerlustige Geldgeber zusammengetan, die an eine grüne Zukunft glauben, die auf dem Grund von Gewässern liegt. Begründet liegt dieser Optimismus einiger in der Ansicht, dass es eine immer größer werdende Nachfrage nach alternativen Treibstoffquellen geben wird, um einerseits die Auswirkungen der globalen Erwärmung abzumildern und andererseits den zukünftigen Energiebedarf zu befriedigen.

2008 verbrauchten die Vereinigten Staaten 140 Milliarden Gallonen an Transporttreibstoffen. Weltweit liegt diese Zahl über 320 Milliarden Gallonen. Mayfield glaubt an einen Tag, an dem die geeigneten Algen in großem Umfang in den USA und außerhalb produziert werden. „Alle Öl-Leute wissen, dass uns das Öl ausgeht“, sagte er.

2008 wurde aus diesem Anlass das Zentrum für Algen-Biotechnologie in San Diego gegründet. Sein Labor dient der Erschließung des industriellen Potenzials von Algen. Mitgetragen wird es vom Scripps Oceanographic Institute, dem Salk Institute und der Universität von Kalifornien in San Diego. Mayfield packte noch seine Sache aus, als er die Anlagen des Labors erklärte: „Das Öl, das aus Algen erzeugt werden kann, ist dem Rohöl sehr ähnlich, dass aus dem Boden gewonnen wird.“ Dabei handelt es sich bei ihm und seinen Kollegen um keine weltfremden Akademiker. Sie sind seit Jahren auf dem Gebiet der Industrie für Biotreibstoffe tätig. Mayfield ist Mitbegründer von Sapphire Energy, einer Firma mit einem Stammkapital von 100 Millionen US-Dollar, hinter der neben anderen Partnern unter anderem die Stiftung von Bill Gates steht.

Um die Laboratorien in San Diego haben sich 15 neu gegründete Firmen angesiedelt, die auf ähnlichen Gebieten arbeiten. „Wir sollten alle dabei sein. Die Welt wird so viel Energie verbrauchen, wie wir nur herstellen können.“

Die Algen sind aus unterschiedlichen Gründen für die Biotreibstoff-Industrie von Interesse. Sie wachsen schnell und sind allgegenwärtig; einzellige Organismen, die Sonnenlicht in Öl verwandeln. Jenes Öl kann wiederum durch Modifikation in Treibstoff umgewandelt werden. Algen überragen alle anderen Rivalen aus dem Bereich der nachwachsenden Treibstoffe. Aus ihnen lassen sich 1.500 Gallonen pro Acre [amerikanisches Flächenmaß] gewinnen – das 50- bis 70-fache von Biosprit, der aus Mais gewonnen wird.

Darüber hinaus bevorzugen Algen schlammiges und salziges Wasser sowie trockenes Klima. Dies schafft die Möglichkeit für die Nutzung von Wüsten und Randgebieten, in denen ansonsten keine Lebensmittel produziert würden.

Außerdem absorbieren die Algen während ihrer Photosynthese Kohlenstoff. Damit kompensieren sie das Kohlendioxid, welches bei der Nutzung des aus ihnen gewonnenen Biosprits abgegeben wird. Vorläufige Studien legten den Schluss nahe, dass auf Algen basierende Treibstoffe 60 Prozent weniger Kohlendioxid erzeugen als Erdölprodukte. Ein Gegenargument sind die bisherigen Kosten. Die Erdöl- und Erdgasindustrie besitzt wegen des Umfangs ihrer Wirtschaft einen beträchtlichen Vorteil, bei dem es sich um Erschließung, Produktion und Lieferung der Transport­treibstoffe auf die globalen Energiemärkte handelt. Das Pumpen von Öl aus dem Boden ist im Vergleich zu einem Geschäftsmodell, das auf Algen beruht, immer noch billiger.

Aber wegen der Erwartung der globalen Erwärmung und Sorgen um die Sicherheit bei der Energieversorgung werden die Algen wieder interessant. Vertreter dieser alternativen Treibstoffquelle sind der Ansicht, dass binnen fünf oder zehn Jahren Technologien bestehen werden, um Treibstoffe auf Algenbasis in großen Mengen zu erzeugen.

2006 hat die Nationale Forschungseinrichtung für erneuerbare Energien (NREL) ihr Algenforschungsprogramm wieder aufgenommen. Mittlerweile gibt es weltweit 150 Firmen, die auf diesem Gebiet arbeiten. „Ich bin optimistisch, dass dies etwas verändern kann. Aber ich bin auch Realist genug, um der Tatsache bewusst zu sein, dass es noch viele Herausforderungen in Sachen Ingenieurwesen und Biologie gibt, die es zu lösen gilt“, meint Al Darzins von der US-Behörde für Energie. Allein in San Diego gibt es 153 Firmen, die in unterschiedlichen Sektoren der erneuerbaren Energie forschen.

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