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Frankreich oder das negative Feld

Kommentar zu den mörderischen Verbrechen bei unserem westlichen Nachbarn

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Foto: VP-Brothers, Shutterstock

„Die Verantwortung der Muslime in Europa geht weiter. Wir bilden mit unseren Einstellungen, Äußerungen und Sichtweisen ein Feld, das negativ oder positiv in unsere Community und die Gesellschaft strahlt.“

(iz). Die Verbrechen in Frankreich – ausgeführt durch die Hand mörderischer Muslime – sind nicht nur grausam; sie sind empörend. Die naheliegende Frage, inwieweit diese Taten mit dem Islam zu tun haben, ist verständlich. Der Reflex, dies von vornherein zu bejahen oder zu verneinen, hilft nicht weiter, sondern vertieft nur die Gräben in der Gesellschaft.

Die Tat hat etwas mit dem Islam zu tun, da wir es mit Muslimen zu tun haben, die sich – so verwirrt diese Sicht sein mag – auf ihre Religion berufen. Sie hat nichts mit dem Islam zu tun, wenn wir in seinen Quellen irgendeine Rechtfertigung für derartige Exzesse zu finden glauben. Die absolute Mehrheit aller Muslime wendet sich von dieser Art der „Glaubensausübung“ ab und der Solidarität mit den unschuldigen Opfern zu.

Ist es damit getan? Nein. Die Verantwortung der Muslime in Europa geht weiter. Wir bilden mit unseren Einstellungen, Äußerungen und Sichtweisen ein Feld, das negativ oder positiv in unsere Community und die Gesellschaft strahlt. Die extremste Form der Negativität ist dabei der selbstmörderische Terrorismus, dessen trostlose Realität nicht zu negieren und nicht zu ignorieren ist.

Wir müssen uns bei aller, berechtigter Empörung über Alltagsdiskriminierung und Benachteiligung von Muslimen in der Gesellschaft fragen, ob wir zu wenig über die positiven Seiten der europäischen Gesellschaften sprechen. Wir müssen uns fragen, ob wir die grundsätzliche negative Sicht der europäischen Rechtspopulisten auf unsere Präsenz mit einer ebenso negativen Sicht auf die europäischen Gesellschaften beantworten wollen. Die permanente Selbstdarstellung als Opfer kann dabei eine destruktive Wirkung entfalten.

Dann vergessen wir die zahlreichen Privilegien, Vorteile und Chancen, die uns ein Leben in Europa heute bietet. Schlimmer: Wir schaffen eine negative Stimmung, die insbesondere junge Muslime in sich aufsaugen und zu leben beginnen.

Hierher gehört die absurde Tendenz, ein kleines, unwichtiges Satiremagazin als Sprachrohr der französischen Gesellschaft oder Regierung zu verstehen. Die Empörung ist hier schlicht maßlos. Peinlich sind zusätzlich die Bilder wütender Demonstrationen von Muslimen gegen Frankreich, die selbst in Ländern leben, in denen jede freie, staatskritische Meinungsäußerung direkt ins Gefängnis führt.

Man kann nur positiv in eine Gesellschaft wirken, wenn man sie nicht gleichzeitig verachtet oder sie – nebenbei erwähnt unter Inanspruchnahme aller ihrer Vergünstigungen – meidet. Man kann, um eine Binsenweisheit zu erwähnen, nicht konstruktiv in einem Land leben, das man im Grunde nicht schätzt.

Ohne die Schwierigkeiten des Zusammenlebens unterschiedlicher Konfessionen und Kulturen zu unterschätzen: Positivität, Solidarität und Gelassenheit sind die untrüglichen Zeichen einer wahrhaft gelebten islamischen Lebenspraxis. Europa ist wahrlich nicht perfekt – aber wo würde man lieber leben? Das positive Engagement in der Zivilgesellschaft ist der einzige Weg, unsere Präsenz in Europa in positive Energie umzusetzen.

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Abu Bakr Rieger

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