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Frankreich: Verbot als Ausdruck einer Identitätskrise? Von Yasin Alder

Der Popanz Burka

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(iz). Ende Januar gab die mit einer Prüfung des geplanten Burka-Verbots in Frankreich befasste Parlamentskommission Empfehlungen heraus, die zunächst einmal eine abgeschwächte Version des ursprünglichen Verbotsvorhabens darstellen. Die abschließende Entscheidung über ein Verbot soll auf Ende März vertagt werden. Dies dürfte, so Kommentatoren, Präsident Sarkozy als Befürworter des Verbots entgegenkommen, denn es ist die Zeit nach den anstehenden Regionalwahlen. Umfragen zufolge ist eine Mehrheit der Franzosen für ein gesetzliches Verbot. So kann Sarkozy das Thema noch für den Wahlkampf nutzen.

Der in den Medien oft verallgemeinerte Begriff Burka meint eigentlich die traditionelle afghanische Ganzkörperverhüllung, wird im populären Diskurs aber auch für den Niqab beziehungsweise jede Art der Gesichtsbedeckung muslimischer Frauen verwendet.

In den Medien ist von annähernd 2.000 „Burka-Trägerinnen“ in Frankreich die Rede – eine sehr kleine Zahl, wobei davon ausgegangen werden kann, dass dies überwiegend Niqab-Trägerinnen sind, denn die afghanische Burka dürfte, wenn überhaupt, nur von einer verschwindend geringen Zahl von Frauen in Europa getragen werden.

Angesichts dessen stellt sich natürlich die Frage der Verhältnismäßigkeit eines gesetzlichen Verbots. Abgesehen davon, dass man mit einer solchen vom Präsidenten selbst losgetretenen und inszenierten Debatte von anderen, sicher wichtigeren politischen Fragen ablenken kann, ist die ganze Diskussion wohl nur vor dem Hintergrund einer tiefer gehenden französischen Identitätsdebatte zu verstehen.

Sarkozy, der auch Verständnis für das Schweizer Votum für ein Minarettverbot gezeigt hatte und in dessen Folge bizarrerweise meinte, Muslime auffordern zu müssen, auf „Provokationen“ zu verzichten, wünscht sich für Frankreichs Muslime eine „vollständige Assimilation“.

Unter dem Banner der „Laicité“ (Laizität), die eigentlich eine staatliche Einmischung in Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften eher verbieten würde, wird in Frankreich seit ­einigen Jahren massiv versucht, einen „französischen Islam“ zu „installieren“, wie Sarkozy selbst es formuliert.

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