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Für Muslime ist das Verbot von „Die wahre Religion“ gut

Kommentar: Warum Opferhaltung und Betroffenheit unangebracht sind

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Screenshot: YouTube

(iz). Am Morgen des 15. November kam es in zehn Bundesländern zu Razzien, die sich vorrangig gegen Mitglieder des losen Netzwerks „Die wahre Religion“ richteten. Gleichzeitig wurde durch das Innenministerium ein Verbot der Gruppe verkündet.

Aus muslimischer Sicht sollte klargestellt werden, dass das Verbot keinen „Angriff auf Muslime“ darstellt und auch keine Unterdrückung dieser ist. In wahrscheinlich jeder muslimischen Gesellschaft wäre diese Gruppe verboten worden.

In sozialen Netzwerken gibt es vereinzelt Protest, das Verbot befürworte die Einschränkung der islamischen Lehre. „Die wahre Religion“ ist vor allem für ihre „Qur’an-Verteilaktionen“ unter dem Motto „Lies!” bekannt. Das Bundesinnenministerium betonte in einer Erklärung: „Das heutige Verbot zielt nicht auf die Werbung für und die Verbreitung des islamischen Glaubens oder die Verteilung von Koranen oder Koranübersetzungen. Die Koranübersetzungen bleiben bei ihren Besitzern. Verboten wird der Missbrauch einer Religion durch Personen, die unter dem Vorwand, sich auf den Islam zu berufen, extremistische Ideologien propagieren und terroristische Organisationen unterstützen.“

Umstritten ist der Vorwurf der Unterstützung terroristischer Organisationen. Kenner der Szene beobachteten vereinzelt unter Mitgliedern Sympathien für Daesh. Auch sei es zu einigen Rekrutierungen aus dem Umfeld gekommen. Mit der Zeit habe die Sympathie für die Ideologie Al-Qaidas zugenommen. Jedoch zu behaupten, das betreffe jedes „Mitglied“, ist fahrlässig.

Man sollte nicht den Fehler begehen und jeden, der bei einer Verteilaktion mitgemacht hat, in dieses Schema pressen. Viele der – vor allem jungen – Leute gelten grundsätzlich als unerfahren. Der Unterschied zwischen dem Wahhabismus (oft Salafismus genannt), der durch die Gruppe nie so genannt, sondern als „die wahre Religion“ präsentiert wird, zu der Lehre des traditionellen Islam der Mitte ist den meisten nicht bekannt. Viele sollten also weniger als Täter und eher als Opfer einer Gehirnwäsche betrachtet werden.

Für die muslimische Selbstorganisation, oder nennen wir sie Community, ist das Verbot der Gruppe eine gute Nachricht. Jahrelang hat die Mehrheit der Muslime unter ihren Wortführern gelitten. Nicht nur, weil diese diverse unnötige Debatten entfachten, die auf dem Rücken von gefühlt jedem einzelnen Muslim ausgetragen wurden, sondern auch, weil sie durch gezielte Indoktrinierung eine Abspaltung junger Muslime, die eigentlich eine gute Absicht zu scheinen haben, von der muslimischen Mitte herbeiführten.

Dass Gruppen wie „Die wahre Religion“ es scheinbar so leicht hatten, junge Leute zu rekrutieren, ist laut dem Journalisten Eren Güvercin auch das Versäumnis der Mehrheit, eine passende Alternative anzubieten. Die Lehre müsse von „authentischen Gelehrten“ ausgehen, so Güvercin.

Für Muslime ist es, besonders in Anbetracht von Emotionalisierung im Internet, jetzt wichtig, keine Opferhaltung einzunehmen. Keine falsche Betroffenheit: Dieses Verbot betrifft nicht „die Muslime“. Diese Gruppe hat stets sehr weit außerhalb der muslimischen Community agiert und sehr viel Zeit damit verbracht, davon zu predigen, wie fehlgeleitet die Mehrheit der gläubigen Muslime sei. Abu Bakr Rieger äußert sich dazu wie folgt: „Die Logik ‘wir sind alle Brüder und Schwestern’ hat ihre Grenzen. Ideologischer Salafismus hat sich selbst ins Abseits gestellt. Wer in irgendeiner Weise Terrorismus verklärt oder selbstmörderische Strategien akzeptiert, muss ausgegrenzt werden. Das ist eine Aufgabe des Staates und eine Aufgabe für unsere Lehre des Mittelweges, fern der Extreme.“

Die muslimische Community, allen voran die Verbände, muss sich fragen, wie sie Anhänger dieser Gruppe und anderer ihrer Art wieder in die Gemeinschaft integrieren kann. Das bloße Verbot ist nur ein Teilerfolg. Die muslimische Mitte muss eigene Angebote schaffen, um das Bedürfnis junger Muslime nach Islam auf eine authentische Weise zu stillen sowie „Da’wa“ nicht länger Randgruppierungen überlassen.

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