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Funda Dogan: Muslimin hilft bei Jobsuche. Bericht von Marco Krefting

Zwischen Arbeitsamt und Moschee

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Sprachprobleme, veraltete Rollenbilder und unsichere Eltern: Eine Arbeitsagentur in der Nähe von Stuttgart engagiert eigens eine Muslimin als Berufsberaterin. Die Türkin hat sogar eine Liste mit Firmen, die Frauen mit Kopftuch einstellen.

Waiblingen (dpa). Wenn Funda Doghan Schüler bei der Berufswahl berät, fluchen die öfters mal auf Türkisch. «Sprache spielt bei der Jobsuche eine wichtige Rolle», sagt die 28-Jährige. Sie stammt selbst aus der Türkei und ist bei der Arbeitsagentur Waiblingen seit einem Jahr Beraterin speziell für junge Leute mit ausländischen Wurzeln. Da Doghan an Allah glaubt, hat sie besonders zu Muslimen einen guten Draht. «Ich weiß, welche Regeln es im Islam gibt. Ich weiß, wie es ist, ein Migrant zu sein. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man nicht versteht, was auf Deutsch gesagt wird», erzählt die junge Frau. «Da kann man offener reden.»

Zwar haben nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit sämtliche Arbeitsagenturen und Jobcenter im Land spezielle Migrationsbeauftragte. Das Modell in Waiblingen ist laut Sprecher Olaf Bentlage aber in Baden-Württemberg einmalig. Doghan geht als Berufsberaterin in Moscheen, zu Elternabenden oder besucht Frauencafés, um mit den Menschen Kontakt aufzunehmen.

«Die Hemmschwelle, in eine Behörde zu kommen, ist oft sehr hoch», sagt der Geschäftsführer der Arbeitsagentur Jürgen Kurz. «Das ist anders, wenn wir auf die Leute zugehen. Dann sind wir die Gäste und sie in ihrem gewohnten Umfeld.» Einigen sei auch nicht bewusst, dass die Angebote kostenlos sind. Neben der Sprachkompetenz sei bei Doghan ein Vorteil, dass sich die Sozialpädagogin selbst von der Hauptschule über die Fachoberschule bis zur Uni durchgekämpft hat.

In den Gesprächen bekommt Doghan zu spüren, dass bei Migranten traditionelle Strukturen stärker verankert sind. «Damit ist auch das Rollenbild viel ausgeprägter», berichtet sie. So wollten Mädchen oft Erzieherin werden und hätten Probleme, den Wunsch nach einem technischen Beruf zu äußern. «Dann kann ich sagen, dass auch im Koran berufliche Selbstverwirklichung gewollt ist.» Jungen legten Wert auf möglichst repräsentative Jobs bei möglichst großen Namen. «Das ändert sich jetzt langsam, weil die Kulturen miteinander verwachsen.» Dennoch gebe es spezifische Probleme. Sie habe beispielsweise eine Liste angefertigt mit Unternehmen, die Frauen mit Kopftuch anstellen.

Ein weiteres Manko: Viele Jugendliche kennen nur wenige Jobs wie Mechatroniker oder Kaufmann, sagt Geschäftsführer Kurz. «Dabei gibt es knapp 350 anerkannte Ausbildungsberufe.»

Mit rund 13 Prozent ist der Ausländeranteil im Einzugsgebiet der Waiblinger Arbeitsagentur nach deren Angaben überdurchschnittlich hoch. Bundesweit liege er bei neun Prozent.

Doghan legt bei ihrer Arbeit auch viel Wert auf die Eltern der jobsuchenden Schüler. Diese seien oft unsicher, weil sie das deutsche Ausbildungssystem mit Möglichkeiten wie dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nicht kennen oder Sprachprobleme haben. Da helfen schon Kleinigkeiten wie ein Kalender in Doghans Büro mit türkischen und arabischen Feiertagen. «Ich werde als Teil der Community akzeptiert.»

Rund 120 Ratsuchenden hat das Projekt in Waiblingen, das erstmal bis Ende des Jahres befristet ist, bereits geholfen. Eine allgemeine Bewertung will Agenturchef Kurz noch nicht vornehmen. «Für jeden Jugendlichen, den wir zusätzlich, früher und besser in die Ausbildung bringen konnten, hat das was gebracht.»

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Marco Krefting

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