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Fatima as-Samarqandi: Geschichte einer starken Frau

Über eine einflussreiche Gelehrte

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dailysabah

Wenn ich in meinem Bekanntenkreis nach den Namen der führenden Muslime des 21. Jahrhunderts frage, erhalte ich eine ansehnliche Liste von phänomenalen Individuen. Oft wiederholen sich einige Namen. Es ist leider selten, von mehr als einer Frau zu hören. Die Dominanz muslimischer Männer in der Moderne widerspricht der Geschichte islamischer Gelehrsamkeit. Herrscher und Führer muslimischer Gemeinschaften berieten sich mit Expertinnen vor neuen Gesetzen oder Entscheidungen.

Fünfhundert Jahre nach dem Tod des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wurde eine der größten hanafitischen Juristinnen geboren. Dabei handelte es sich um die Tochter des einflussreichen Gelehrten Muhammad ibn Ahmad As-Samarqandi. Geboren im Samarkand des 12. Jahrhunderts wurde Fatima durch ihren Vater unterrichtet. Sie war eine bekannte Expertin für Kalligrafie, islamisches Recht, Qur’an und Hadith.

Viele Führungsgestalten der islamischen Gesellschaften sowie der Byzantiner hielten um ihre Hand an. Ihr Vater wies das vehement zurück. Als Ala’ Ad-Din Al-Kassani, ein talentierter Schüler von Fatimas Vater, sie ansprach, forderte sie als Brautgabe ein Buch. Darauf schrieb er seinen bekannten Titel „Al-Bada’i as-Sana’i“ (Das Wunderbare der nützlichen Dinge). Dies war ein Kommentar eines Buches ihres Vaters, „Tuhfat al-Fuqaha“. Muhammad ibn Ahmad war davon so beeindruckt, dass al-Kassani seine Tochter heiraten konnte. Bis heute genießt es einen guten Ruf unter hanafitischen Gelehrten.

Fatima und ihr Gatte wurden zu einem dynamischen Paar. Sie zogen nach Aleppo und lehrten in der ’umaijadischen Moschee. Trotz seines profunden Wissens war sich Al-Kassani des größeren Intellekts von Fatima bewusst. Unzählige Male fragte er sie nach ihrer Sichtweise und Rechtleitung in spezifischen Fragen.

Ein Schüler ihres Ehemannes berichtete: „Manchmal stellte ein Schüler schwierige Fragen. Dann bat er um Entschuldigung und ging nach Hause. Mit seiner Rückkehr brachte er eine detaillierte Antwort mit. Das geschah recht häufig. Schließlich merkten wir, dass er Fatima zu Hause auf die offene Frage ansprach und dann mit einer Antwort zurückkam.“

In dieser Zeit wurde Aleppo von Nur Ad-Din Az-Zengi regiert. Dieser herausragende Herrscher war für seinen Widerstand gegen die Kreuzfahrer im 12. Jahrhundert bekannt. Az-Zengi ernannte Fatima und Al-Kassani zu seinen persönlichen Beratern. Mit der Lehrerin besprach er sich bei vielen Gelegenheiten über politische und rechtliche Angelegenheiten. Fatima engagierte sich nicht nur in Fragen des religiösen Rechts, sondern war auch entscheidend bei gesellschaftlichen Fragen, die unter ihrer Leitung und Zurechtweisung stattfanden.

Nur Ad-Din verehrte Fatima As-Samarqandi in erheblichem Maße. Nach dem Tod ihres Vaters wollte sie an ihren Geburtsort zurückkehren, aber Nur Ad-Din bat sie, zu bleiben. Ihr Verbleiben in Aleppo belegte die Wichtigkeit ihrer Rolle. Sie war eine Vorreiterin und eine respektierte Frau in der Geschichte.

Viele spätere Gelehrte machten sie als Begründerin der Tradition aus, den Gelehrten das Essen zum Fastenbrechen und Süßspeisen während des Ramadan zu servieren. Auch Jahrhunderte danach wurde dies weiterhin praktiziert.

In seinem Buch „The Study of Women“ merkte der syrische Autor Muhammad Rida Kahala an, dass Fatima As-Samarqandi verschiedene Bücher zum Recht verfasste. Frauen und Männer aus unterschiedlichen Gegenden der muslimischen Welt besuchten Aleppo, um bei ihr zu studieren und von ihr zu lernen.

Sie starb 518 Jahre nach der Hidschra und wurde in der Ibrahim Al-Khalil-Moschee bestattet. Nach ihrem Ableben besuchte Al-Kassani bis zu seinem Tod 587 n.d.H. jeden Freitag das Grab seiner Gattin. Vorher gelang es ihm, sich einen Bestattungsort neben ihr zu sichern.

Eine Gesellschaft ist lobenswert für ihr Festhalten an, ihre Verpflichtung gegenüber und ihre Anwendung von Wissen. Wir respektieren die architektonische Größe der Ägypter, die medizinischen Leistungen der antiken Griechen, die mathematische Brillanz der Inder, die Zeit der Renaissance und das Goldene Zeitalter des Islam. Wir haben keine Schwierigkeit damit, vorherige Zivilisationen für ihre intellektuellen Leistungen wertzuschätzen. Deshalb ist es wichtig, anzumerken: Akademische Leistungen, Führung und Respekt für Frauen in der Gesellschaft waren keine Ausnahme in der Geschichte von Musliminnen.

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Rima Charouk

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