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„Gestrandet“ in einem fremden Land

Ein neues Buch über syrische Flüchtlinge in der Türkei

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Foto: VOA | Lizenz: Public Domain

(iz). 2015 war das Jahr der großen Flucht. Über eine Million Menschen zog es aus Konfliktgebieten, vorrangig Syrien, nach Europa. Die gesamte Welt war inmitten einer unerwarteten Debatte. Plötzlich war die Erfahrung von Globalisierung menschlich, nah – menschlich nah.

Verständlicherweise stand in unserem Fokus meist die Situation in unserem eigenen Land. Die Zustände in Flüchtlingsheimen, der enorme bürokratische Aufwand, die Notwendigkeit der ehrenamtlichen Hilfe. Manchmal blickten wir auch nach Syrien, dem Ursprung.

Eher selten aber widmeten wir uns anderen Facetten des Phänomens Flucht, das die Welt ganzheitlich betraf.

Tayfun Guttstadt bietet mit „Gestrandet“ einen packenden Einblick in die Lebensrealitäten von Flüchtlingen in der Türkei. „Geflüchtete zwischen Syrien und Europa“, also der Türkei, die, wie wohl kein anderes Land, diese Brücke darstellt und Geflüchtete, deren Geschichten keine Zwischenkapitel mehr sein sollen. Guttstadts Reportage widmet sich den mittlerweile fast drei Millionen Syrern in der Türkei.

Den Fokus setzt der gebürtige Hamburger auf die Provinzen mit den meisten syrischen Einwohnern, Istanbul, Hatay und Gaziantep. Dabei schafft er es, die verschiedenen Lebenswelten eindrucksvoll vorzustellen.

Immer wieder begegnet dem Leser in den Schilderungen die innere Zerrissenheit, die Suche nach Identität, die Widersprüchlichkeit der Erfahrungen. So wird gleichzeitig auch ein Bild der türkischen Gesellschaft im Ganzen gezeichnet.

Nicht nur erfolgreiche Integration in die Gesellschaft wird vorgestellt, sondern auch das Leben in den Camps. Das Buch bewegt sich zwischen Aufbruch und Stillstand, ist weder Lobhudelei noch Verteufelung.

Anschaulich und überzeugend wird der große Einsatz der türkischen Regierung, türkeiansässiger Hilfsvereine und der Zivilbevölkerung verdeutlicht. Gleichzeitig werden aber auch Versäumnisse und ernstzunehmende Lücken klar.

Guttstadt bemüht sich durchgehend um einen objektiven, neutralen Ton gegenüber den verschiedensten Parteien, Interessengruppen und Schemata, denen er bei seiner Recherche begegnete. In nur wenigen Fällen wird er rauer oder lässt eine persönliche Behaftung erkennen.

„Gestrandet“ eignet sich gut für ein ausgewogenes Bild über die vielfältigen Lebensumstände von syrischen Geflüchteten in der Türkei. Das Buch ist schlüssig aufgebaut und leitet durch die Gedankenlogik des Autors.

Tayfun Guttstadt, Gestrandet, Unrast Verlag, Oktober 2016, Softcover, 244 Seiten, ISBN 978-3-89771-056-6, Preis: EUR 16,–

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