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GfbV zu Srebrenica: Lage ist „beklemmend hoffnungslos“

Am 11. Juli jährt sich der größte europäische Völkermord seit dem Zweiten Weltkrieg zum 23. Mal. Auch heute noch leiden Überlebende und Rückkehrer unter den Folgen

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Foto: Adam Jones, via flickr | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Göttingen/Sarajevo (GfbV). Als „beklemmend hoffnungslos“ bezeichnet die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Lage in Srebrenica in Ostbosnien. Anlässlich des 23. Jahrestages des Genozids in der damaligen UN-Schutzzone am 11. Juli 1995 zieht die Menschenrechtsorganisation eine traurige Bilanz. Von den vertriebenen muslimischen Bosniern (Bosniaken) wagten höchstens 4.000 die Rückkehr. Sie haben mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Denn die Region liegt nicht nur wirtschaftlich darnieder.

Auch die Spannungen mit den serbischen Einwohnern von Srebrenica und die Ängste der Bosniaken wurden nicht abgebaut. Nach Angaben des ehemaligen Chefanklägers des Internationalen Kriegsverbrechertribunals in Den Haag (ICTY), Serge Brammertz, befinden sich allein im serbisch regierten Teil Bosniens noch 5.000 mutmaßliche Kriegsverbrecher auf freiem Fuß. Während sie von der lokalen serbischen Bevölkerung unterstützt werden, fürchten bosniakische Rückkehrer eine Begegnung mit ihnen.

„Statt die schreckliche Vergangenheit mit schonungsloser Offenheit aufzuarbeiten und so die Grundlage für einen Neubeginn zu schaffen, wird der Genozid von serbischer Seite nach wie vor abgestritten – trotz der eindeutigen Urteile des Tribunals in Den Haag“, kritisierte die GfbV. „Die internationale Gemeinschaft hat es bisher versäumt, die Leugnung dieses Völkermordes unter Strafe zu stellen. Das ist ein fataler Fehler. So wird verhindert, dass die multikulturelle Gemeinschaft dort wieder zusammenwachsen kann.“

Viele Rückkehrer halten sich nur im Sommerhalbjahr in den Dörfern um Srebrenica auf, um ihre Felder zu bearbeiten. Wenn die Ernte eingebracht ist, ziehen sie wieder in die bosnische Föderation. Viele Dörfer sind im Winter verwaist und aufgrund fehlender Infrastruktur von der Außenwelt abgeschnitten. Wer dauerhaft nach Srebrenica zurückkehren will, kann kaum Geld verdienen, denn die Arbeitslosigkeit ist dort sehr hoch. Selbst serbische Familien verlassen das Drina-Tal aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage. Die meisten bosniakischen Familien wollen sich auch nicht damit abfinden, dass ihre Kinder in der Schule von Srebrenica kein Bosnisch lernen dürfen.

Von den mindestens 8.372 Bosniaken, die im Juli 1995 innerhalb einer Woche nach dem Einmarsch serbischer Truppen unter Ratko Mladic getötet und in Massengräbern verscharrt wurden, konnten bisher sterbliche Überreste von 6.575 Opfern geborgen und beerdigt werden. Dabei war kaum ein Skelett vollständig, da die Massengräber umgewühlt und die Gebeine der Opfer anderswo verscharrt wurden, um den Genozid zu vertuschen. Dieses Jahr werden 35 Ermordete beerdigt. Gesucht wird noch nach Überresten von etwa 1.000 Opfern. Trotz ständiger Bitten der Angehörigen gibt es keine Informationen über die Orte der Massengräber.

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