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Gibt es eine „Flucht ins Autoritäre“?

Studie legt die veränderten Einstellungen der Menschen im Lande offen. Von Alexander Riedel

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Foto: Screenshot YouTube

Seit Jahren wurden die Deutschen für die Leipziger „Mitte-Studie“ zu rechtsextremen Einstellungen befragt. Nun ist daraus eine „Autoritarismus-Studie“ geworden. Die Befunde bleiben erschreckend.

(KNA). Ausländerfeindlichkeit, Abwertung von Minderheiten, Antisemitismus: All dies stellt nach einer aktuellen Studie ein großes Problem in Deutschland dar. Manch rechtsextreme Tendenz habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, in anderen Bereichen schlügen Haltungen zunehmend in Gewalt und konkrete Handlungen um, warnen die Autoren.

Oliver Decker und Elmar Brähler leiten die „Leipziger Autoritarismus-Studie“. Alle zwei Jahre befragen sie seit 2002 die deutsche Bevölkerung repräsentativ nach ihren autoritären und rechtsextremen Einstellungen – zuletzt im Mai und Juni 2018. Ausgewertet haben die Wissenschaftler der Universität Leipzig die Antworten von 1.918 West- und 498 Ostdeutschen.

Die Ausländerfeindlichkeit hat laut Studie zuletzt wieder zugenommen und fast frühere Werte erreicht. 24,1 Prozent stimmten aktuell allen vorgelegten Aussagen gegen Ausländer zu. Bei älteren Erhebungen lag dieser Anteil allerdings auch schon bei mehr als 25 Prozent.

Ein Drittel sieht Deutschland derzeit „in einem gefährlichen Maß überfremdet“. Das scheint meist jedoch weniger mit der Wirklichkeit zu tun haben: Denn je geringer der Migrantenanteil in einem Bundesland sei, desto größer das Gefühl der Überfremdung, erklärte Brähler. Einzige Ausnahme dieser Regel sei Bayern.

Die Studienautoren warnen zudem vor einer zunehmenden Abwertung bestimmter Gruppen: Muslime, Asylbewerber oder Sinti und Roma. In diesem Bereich äußern sich sogar Mehrheiten ablehnend und rechtsextrem. So fühlten sich rund 56 Prozent „durch die vielen Muslime als Fremde im eigenen Land“. 44 Prozent wollen Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagen.

Im Osten stimmen in den meisten Fragen deutlich mehr Menschen autoritären und rechtsextremen Meinungen zu als im Westen. Eine geschlossen rechtsextreme Einstellung haben in Ostdeutschland 8,5 Prozent der Menschen und 5,4 Prozent in Westdeutschland. Die Studienleiter erklären sich das vor allem mit sozialen Unterschieden und dem Wegzug vieler gut ausgebildeter Menschen.

Die Forscher machen verschiedene Faktoren aus, die rechtsextreme Haltungen begünstigen können: etwa einen autoritären Charakter, das heißt die Neigung, sich Autoritäten zu unterwerfen und zugleich die Abwertung anderer durch diese zu fordern. Rund 40 Prozent der Deutschen zeigten solche Merkmale. Auch eine fehlende Anerkennung als Person oder Bürger, der Bildungsgrad und Gewalterfahrung als Kind hätten Einfluss auf die eigene Einstellung, heißt es.

Bereits vor zwei Jahren hatte die Studie die AfD als neue politische Heimat für Rechtsextreme ausgemacht. Ihren Befund erneuerten die Autoren dieses Mal: Häufiger als Wähler anderer Parteien zeigten Wähler der AfD ausländerfeindliche oder antidemokratische Einstellungen. Studienleiter Brähler gibt angesichts der Ergebnisse insgesamt zu bedenken, dass mit der Befragung nicht erfasst werde, was die Menschen tatsächlich dächten. Erfasst werde lediglich, was die Menschen von sich offenbarten.

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