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Grobes Ungleichgewicht bei der Terror-Berichterstattung

US-Forscherteam weist nach, dass Terrorangriffe nichtmuslimischer Täter tendenziell unterschlagen werden

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Foto: Bill Ebbesen | Lizenz: CC BY-SA 3.0

(IZ/AA). „Oft dominieren Terrorangriffe die Berichterstattung, während Reporter versuchen, die Öffentlichkeit mit Informationen über das Ereignis, seine Täter und die Opfer zu versorgen. Und doch erhalten nicht alle Vorfälle eine gleichwertige Aufmerksamkeit.“ Das sind die Eingangssätze einer neuen Studie der US-Forscher Erin M. Kearns, Allison Betus und Anthony Lemieux von der Georgia State University.

Unter der Fragestellung „Warum einige Terrorangriffe mehr mediale Aufmerksamkeit erfahren als andere?“ untersuchen die AutorInnen der Studie, dass soziale Herkunft der Täter der größte Faktor der Berichterstattung ist. Auch Arten des Ziels, Festgenommene und Opferzahlen beeinflussen den medialen Content.

Sie untersuchten Berichte über alle Terrorangriffe in den Vereinigten Staaten zwischen 2011 und 2015. Unter Einbeziehung von Zielen, Opfern und Verhaftungen bekamen Angriffe durch muslimische Täter durchschnittlich eine 449 prozentig höhere Berichterstattung als andere, vergleichbare Verbrechen. Angesichts der ungleichen Menge in den Berichten sei es kein Wunder, dass sich die Menschen vor muslimischen Terroristen fürchten würden. Eine repräsentativere Berichterstattung könnte dabei helfen, die öffentliche Wahrnehmung von Terror mit der Realität in Einklang bringen.

Alleine die Anschläge beim Boston-Marathon 2013, der von Muslimen begangen wurde und zu drei Toten führte, nahmen 20 Prozent der Berichterstattung aller Terrorangriffe in den USA in dieser 5-Jahres-Periode ein. Andererseits hätten die Schüsse auf einen Sikh-Tempel im Bundesstaat Wisconsin, bei denen ein weißer Mann namens Michael Wade 2012 sechs Menschen ermordete, nur bis zu 3,8 Prozent der gesamten Berichterstattung ausgemacht.

Kearns, Betus und Lemieux sind der Ansicht, ihre Ergebnisse widerlegten die Behauptungen von US-Präsident Trump, wonach US-Medien nicht über Angriffe berichteten, die von Muslimen begangen werden. Die Forscher bezeichneten die von Trump an verschiedenen Stellen aufgestellte Behauptung als haltlos. „Ob die unverhältnismäßige Berichterstattung eine bewusste Entscheidung von Seiten der Journalisten ist oder nicht, verstärken diese Stereotypen kulturelle Erzählmuster, was oder wer zu fürchten ist.“

Das Forscherteam unterstrich die Gefahren einer medialen Fehldarstellung. „Indem von Terrorangriffen auf Seiten von Muslimen dramatisch mehr als andere berichtet werden, ordnen Medien diese Art von Ereignissen als häufiger ein. Nach diesen Erkenntnissen ist es kein Wunder, dass Amerikaner so viel Angst hätten“, fügten die Autoren hinzu. Die Wirklichkeit belege jedoch, dass solche Befürchtungen unangebracht seien.

Kearns, Betus und Lemieux arbeiten noch an einer Endversion ihres Berichts. Dieser befindet sich derzeit in einem akademischen Revisionsprozess. In der neuen Version werden Ereignisse bis ins Jahr 2006 einbezogen. Das ändere, so Erin M. Kearns, aber nichts an den Schlüsselergebnissen ihrer Studie.

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Massouda Khan

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