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Groß angelegte Studie nimmt Islam in Bayern in den Blick

Der Auftrag zur Islam-Studie kam Jahre vor der Landtagswahl. Kurz vor dem Urnengang liegen jetzt die Ergebnisse vor. Ein Bericht von Christian Wölfel

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Foto: Münchner Forum für Islam e.V. | Facebook

München/Erlangen (KNA). „Die Anerkennung schlichter Normalität des (auch) Muslim-Seins in Bayern und Deutschland“ – sie ist offenbar noch nicht selbstverständlich. Sonst hätten die Autoren der Studie „Islam in Bayern“ diesen Satz nicht in ihre gut 100 Seiten umfassende Handlungsempfehlung an die Politik geschrieben. Die Forscher vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa (EZIRE) nehmen in ihrer Expertise viele, oft kontroverse Themen auf, vom Salafismus über islamischen Religionsunterricht bis hin zum Kopftuch. Ihre Antworten sind dabei differenziert und keineswegs ein einziges Plädoyer für Toleranz.

So warnen die Fachleute davor, zu viele kulturelle Zugeständnisse zu machen, wenn es etwa um das Frauenbild geht. Eine Behördenvertreterin müsse ebenso akzeptiert werden wie eine Frau bei der Essensausgabe in der Asylbewerberunterkunft. Sollte ein Flüchtling tatsächlich die Annahme von Nahrungsmitteln, die Frauen ausgeben, verweigern, „darf man darauf schließen, dass er auf die Mahlzeit zu verzichten gedenkt“, heißt es in dem Papier. Doch patriarchale Strukturen seien kein Religions-, sondern ein Migrationsproblem, sagte EZIRE-Direktor Mathias Rohe. Diese gebe es auch bei Männern aus Indien oder Russland.

Ausdrücklich plädieren die Autoren für Sachlichkeit in Diskussionen: „Alles andere wird von Extremisten als willkommenes Argumentationsmaterial für angeblich doppelte Standards im von ihnen abgelehnten Rechtsstaat genutzt.“ So positionieren sich die Forscher gegen ein allgemeines Verbot von Gesichtsschleiern wie in Österreich: „Geringe Fallzahlen stehen im Kontrast zu heftigen Konflikten.“

In Auftrag gegeben und finanziert wurde das Projekt vor drei Jahren vom damaligen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Wer aber glaubt, die Wissenschaftler würden nur der Staatsregierung genehme Ergebnisse liefern, täuscht sich. So steht etwa das klare Plädoyer für den Islamischen Religionsunterricht als Regelangebot konträr zur aktuellen Beschlusslage. Bessere Perspektiven für Lehrer werden gefordert. Sonst drohe die Abwerbung durch andere Bundesländer. Gleiches gelte bei Projekten zur Bekämpfung des Salafismus. Top-Leute aus dem Bereich Deradikalisierung seie abgewandert, weil man ihnen bessere Stellen angeboten habe.

Auch in Sachen Bestattungskultur wenden sich die Forscher gegen einen Beschluss des Landtags, der im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern an der Sargpflicht festhält. Außerdem werden klare Regelungen zur muslimischen Seelsorge in Gefängnissen gefordert: „Es kann nicht sein, dass der Iman darauf angewiesen ist, mit dem christlichen Seelsorger in die Justizvollzugsanstalt zu kommen, weil er nicht anerkannt ist.“

Gewachsen sei die Islamfeindlichkeit, in ganz Deutschland wie in Bayern, stellen die Forscher fest. Diese komme immer wieder auch in der Ablehnung von Moscheen zum Vorschein. Im Internet kursierten regelrechte Anleitungen, wie der Bau eines muslimischen Gotteshauses verhindert werden könne. Die Studie hält mit einem Leitfaden dagegen, wie ein solches Projekt gelingen kann. Wichtig sei, die Bevölkerung zu informieren und möglichst an der Planung zu beteiligen.

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