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Halal, is it me you’re looking for?

Auch heute noch verhindern Eltern glückliche Ehen, weil der gewünschte Partner einen anderen Hintergrund hat. Von Aaliyah Bah-Traoré

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Foto: muzmatch

(iz). Liebe und Geborgenheit. Zwei Grundbedürfnisse, nach denen sich auch junge Muslime sehnen und dementsprechend für sie nur eine Ehe in Frage kommt. Für viele gestaltet sich die Suche nach dem passenden Partner garnicht mal so einfach. Die Zeiten ändern sich und heutzutage können Eltern oft nicht mehr als Vermittler fungieren oder Ehen für ihre Kinder arrangieren.

Auch ist die Gesellschaft, in der wir leben, übersexualisiert. Besorgte Eltern versuchen, ihre Kinder vor diesen Einflüssen zu bewahren, indem sie ihnen zum Beispiel den Umgang zum anderen Geschlecht verbieten. Sobald die Töchter dann Mitte 20 sind, wird oft seitens der Verwandschaft massiv Druck ausgeübt, damit sie endlich heiraten. Allerdings stellt sich für viele die Frage, wie und wo sie überhaupt einen potientellen Heiratspartner kennenlernen sollen, wenn ihnen jahrelang der Kontakt zu anderen jungen Muslimen verboten wurde.

Es sollte mittlerweile kein Problem mehr sein mehrere Optionen zu wählen, um die richtige Person kennenzulernen. Sei es durch die Vermittlung der Eltern, Freunde, in der Moschee, auf Instagram, Facebook, muslimischen Dating Apps wie Minder, Muzmatch oder auch auf Heiratsevents für muslimische Singles. Ich denke, dass es wichtig ist, auf verschiedene Möglichkeiten bei der Partnersuche zurückgreifen zu können, da nicht jeder Zugang zur muslimischen Gemeinde hat, manche eher zurückhalternd oder extrovertiert sind. Letztere gehen gezielt auf die Person, die ihnen gefällt zu, sowohl Männer als auch Frauen. Es ist nichts Verwerfliches daran, wenn Frauen den ersten Schritt machen. Manche Männer sind auch schüchtern und brauchen Starthilfe und freuen sich, wenn die Person, die ihnen gefällt, ihr Interesse vermittelt.

Ich habe mich mit einigen Ehepaaren unterhalten, die sich über die muslimische Dating App Minder kennengelernt haben.

Bei der Partnersuche sind die Auswahlkriterien bei jedem unterschiedlich, allerdings mischen sich die Eltern sehr gerne ein und oft bleibt leider nicht mehr so viel Raum für die eigenen Bedürfnisse.

Das beste Beispiel hierfür ist der Rassismus, der auch unter Muslimen existiert und leider immer noch für viele bei der Partnersuche ein Dilemma ist. Dabei sollte die Begegnung mit anderen Kulturen kein Problem darstellen. Viele Eltern bestehen darauf, dass ihre Kinder ihnen nur potentielle Schwiergertöchter und Söhne vorstellen, die gemäß Alter und Bildungstand passen und den gleichen Migrationshintergrund haben. Am besten sollen sie zudem noch aus derselben Heimatstadt kommen, damit es ja nicht zu einem Kulturverlust kommt. Ich kenne einen Togolesen, der um die Hand einer Türkin angehalten hat, deren Vater mit ihm aufgrund seiner afrikanschen Herkunft zwar vorgab, einverstanden zu sein, jedoch von ihm 40.000 Euro als Brautgabe verlangte, um ihn abzuschrecken.

Da Beide verständlicherweise mit dem Segen ihrer Eltern ihre Ehe beginnen wollten, ging der togolesische Bruder auf die Forderung seines Schwiegervaters in Spe ein und zahlte mit Unterstützung seiner Freunde den Brautpreis. Beide sind bis heute glücklich verheiratet und Eltern von zwei Kindern.

In diesem Fall ging es positiv aus. Allerdings gibt es immer noch zu viele Vorkommnisse, in denen Eltern ihren Kindern die Heirat mit anderen Muslimen erschweren oder ganz verbieten, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben oder nicht aus dem gleichen Land stammen. Eine marokkanische Frau musste zwei Jahre lang mit ihrer Familie verhandeln, bis sie einen syrischstämmigen Mann heiraten durfte. Ihre Mutter sagte ihr ganz klar, dass es ihr lieber gewesen wäre, hätte sie einen Juden anstelle eines Syrers heiratet. Viele wissen, dass sie garnicht erst mit ihrer Familie darüber diskutieren sollten, weil ihnen von Anfang gesagt wird, dass jemand aus einer anderen Kultur nicht willkommen sei.

Die gleiche Nationalität spielt für viele Eltern immer noch eine weitaus wichtigere Rolle, als die richtige Praktizierung des Dins. Es scheint, als könne man beim Landsmann oder der Landsfrau leichter darüber hinwegsehen, dass er oder sie nicht betet, da man sich wenigstens auf der gleichen Sprache unterhalten kann.

Das sind reale Probleme, mit denen Muslime sich bei der Partnersuche befassen müssen, und es erschwert sie erheblich. Zum einen ist da der Wunsch, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und zum anderen die hohen Erwartungen der Eltern, die oft rassistisch und nationalistisch sind. Es wird ihnen damit gedroht, ihnen nicht ihren Segen zu erteilen, wenn sie jemanden heiraten wollen, der nicht die gleiche Herkunft hat. Diese Diskussionen sind zeitraubend, kräftezehrend, psyschisch belastend, im Grunde jedoch unnötig und vor allem unislamisch. Diese zähen Verhandlung führen, wenn letztendlich doch keine Ehe zustande kommt, zu Trauer, Wut, Depressionen, Frustration und Verbitterung. Ganz besonders davon betroffen sind Musliminnen, die älter sind, sich dem Willen ihrer Eltern beugen und irgendwann resigniert eine Ehe mit ihren Landsmännern eingehen, nur damit sie verheiratet sind.

Es gibt Muslime, die daher heimlich heiraten oder einfach in ihrer Beziehung bleiben und Zina betreiben. Die Schuld liegt in dem Fall aber nicht bei ihnen, sondern ganz klar bei den Eltern, die ihren Kindern die Ehe verbieten. Ich habe kein Verständnis für Eltern, die nur aus rassistischen Motiven dem Glück ihrer Kinder im Wege stehen. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, nicht gleich aufzugeben oder eine uneheliche Beziehung zu führen. Es ist ratsam, in solchen Fällen einen Imam oder eine andere Person, die als religiöse Instanz fungiert, zu Rate zu ziehen, damit diese ihnen klar machen, dass eine Erschwerniss der Anbahnung einer Ehe für ihre Kindern, die sich bewusst für den erlaubten Weg entschieden haben, inakzeptabel ist. Auch Geschwister, Verwandte oder Freunde, die ein gutes Verhältnis zu den Eltern haben, sollten sich in solchen Fällen mit den Betroffenen solidarisieren und sie bei ihrem Vorhaben unterstützen.

Es ist wichtig, die eigenen Eltern zu lieben und respektieren, sie aber auch auf ihren Rassimus und ihre Bigotterie aufmerksam zu machen und in der Hinsicht eines besseren zu belehren.

Ein Hadith unseres geliebten Propheten, Friede und Segen Allahs seien mit ihm, besagt, dass niemand, der Arroganz auch nur in Form eines Atoms in seinem Herzen trägt, das Paradies betreten kann. Wenn wir davon ausgehen, dass eine Kultur einer anderen überlegen ist, begehen unsere Familien eine schwere Sünde, und wir sollten die ersten sein, die dies durch Normalisierung der interkulturellen Interaktionen und Ehen korrigieren.

Islam lehrt uns, dass keine Rasse der anderen überlegen ist und die interkullturelle Ehe eine Normalität ist. Der Prophet selbst heiratete Frauen aus verschiedenen Stämme und Ethnien. Wenn er der perfekte Mensch ist und wir alle darum bemüht sind, seiner Sunna zu folgen, frage ich mich, warum sich so viele Muslime in der Hinsicht schwer damit tun und so sehr von ihrer völkischen Überlegenheit gegenüber anderen Nationen überzeugt sind.

Muslime, die für sich den Begriff Gemeinschaft wählen, ihn aber nur auf eine bestimmte Nationalität oder Sprache beschränken, sind für mich keine Gemeinschaft, sondern eher eine Sekte. In der Zukunft müssen die Themen, Rassismus, Nationalismus und Rechtspopulismus unter Muslimen und in Moscheen diskutiert werden. Denn diese Misstände exestieren und es spätens beim Thema interkulturelle Ehe komischerweise doch nicht mehr heißt „wir sind eine Umma“.

Ein anderes Problem, von dem sowohl muslimische Männer als auch Frauen betroffen sind, ist das Gerede der Familien und Leute, wenn manche sich dafür entscheidet, eine geschiedene Frau oder einen geschiedenen Mann zu heiraten, vor allem wenn diese Person schon Kinder hat.

Vor allem geschiedene Musliminnen haben immer noch mit dem Stigma zu kämpfen, dass sie für jemanden der, zum ersten Mal heiratet, nicht in Frage kommen, da sie ja bereits „verbraucht“ und keine Jungfrauen mehr sind. Auch mit Schwestern, die Mitte 30 und älter sind, wird nicht gerade zimperlich umgegangen. Bei ihnen heißt es, dass sie karrieregeil, zu alt zum Kinder kriegen sind und kein „Frischfleisch“ mehr seien. Das klingt alles ziemlich unsinnig, ist aber leider immer noch Realität für viele. Durch das Gerede der Leute, welchem viele Familien immer noch zu viel Aufmerksamkeit schenken, kommen Ehen mit Frauen, die nicht den Idealvorstellungen entsprechen, garnicht erst zustande oder werden erhbelich erschwert.

Dann gibt es noch die nicht enden wollende Frage nach dem Jungfernhäutchen der Frau. Ich würde es begrüßen, wenn diese akribischen Nachforschungen nach der Keuschheit sich auch auf muslimische Männer beziehen würde. Eine Frau abzulehnen, die so ehrlich ist und zugibt, dass sie keine Jungfrau mehr ist, damit sie mit dieser unangenehmen und sehr intimen Frage nicht konfrontiert wird oder einfach transparent sein möchte, im Verlauf der Kennenlernphase deshalb abzulehnen ist ungerecht und unbarmherzig.

Ganz besonders, wenn die Männer selber auch schon vor der Ehe Sex hatten. Diese Doppelmoral ist  heuchlerisch. Mann kann keine Vorrausetzungen setzen, wenn man sie nicht selber erfüllt
Wie bereits erwähnt, sind sind die Auswahlkriterien für Mr. und Mrs Right unterschiedlich. Selbstbewusste und unabhängige Musliminnen stehen vor der Herausforderung, einen passenden Partner zu finden, der Selbstbewusstsein und Charakterstärke nicht mit Dominanz gleichsetzt. Auf manche muslimische Männer wirken solche Frauen einschüchternd. Hierzu kann ich nur sagen, dass diese automatische Selektierung gut ist, weil es Männer gibt, die Minderwertigkeitskomplexe haben, es aber nicht zugeben wollen und deswegen lieber Frauen heiraten wollen, die ihr Ego pushen.

Dann gibt es wiederrum welche, die diese Vorzüge bewundern, sich aber nicht trauen, die Frauen anzusprechen, da sie ihnen den Eindruck vermitteln, unerreichbar zu sein. Liebe Männer, traut Euch, auf die Frauen, die euch gefallen, zuzugehen, sie nicht immer nur aus der Ferne anzuhimmeln und fragt sie, ob ihr sie kennenlernen dürft. Mehr als ein Ja oder Nein gibt es als Antwort nicht. Toxische Maskulinität ist nicht anziehend. Ihr braucht euch also keine Mühe machen, extra „männlich“ und bevormundend aufzutreten, um das Bild des starken selbstbewussten Mannes aufrechtzuerhalten. Seid einfach ihr selbst und lasst auch eine emotionale Facette und Momente der Schwäche zu. Das ist nicht unmännlich, sondern einfach menschlich und authentisch.

Ein weiteres Problem ist oft, dass muslimische Männer ratlos vor großen Herausforderung stehen, wenn es darum geht, die Brautgabe zu bezahlen. Einige Eltern übertreiben gerne und machen die Sache zu einem Geschäft, von dem sie auch profitieren wollen und vergessen und oder ignorieren dabei, dass es sich einzig und allein um eine finanzielle Absicherung für die Braut handelt. Ein Uniabsolvent, der erst seit Kurzem eine feste Arbeitstelle hat, wird nicht in der Lage sein 15.000 Euro als Brautgabe aufzutreiben und dafür muss er mit Sicherheit auch keinen Kredit aufnehmen. Der Preis der Brautgabe sollte sich immer nach der finanziellen Situation des Antwärters richten. Wer viel verdient, kann sicherlich auch einen höhehren Brautpreis zahlen. Es gibt nichts Schlimmeres, als verschuldet in eine Ehe zu gehen, weil die Ausgaben für die für die Brautgabe und die Hochzeitsfeier, deren Kosten größtenteils vom Mann übernommen werden, ihn dazu zwingen. Schulden zu Beginn einer Ehe bringen keinen Segen mit sich.

Meist spielt hier der kranke Konkurenzwahn eine große Rolle, weil man unbedingt die schönste, luxuriöseste und teuerste Hochzeit ausrichten möchte, damit die Leute staunen.Es geht immer um „die Leute“. Es wäre viel besser, sich mehr mit den Rechten und der Verantwortung, die man in einer Ehe hat,  zu befassen, anstatt monatelang bis ins letze Detail die Hochzeitsfeier, die sowieso nur ein paar Stunden dauert, zu plannen.

Hierbei ist es wichtig, sich Prioritäten zu setzen und dem Gerede und der Kritik von anderen keine Beachtung zu schenken.

Das bezieht sich auch auf die Kritik, mit der Muslime konfrontiert werden, wenn sie ihre Partner in der Moschee, auf Heiratsevents für muslimische Singles, via Minder oder Muzmatch kennenlernen, oder gemeinsam im Café von Moralaposteln gestalked werden. Auch hier gilt es, die Beleidigungen und Verleumdungen zu ignorieren. Wenn zwei Menschen sich verstehen und gemeinsam die Hälfte ihres Dins vervollständigen wollen, ihre Absichten aufrichtig sind und sie bald heiraten wollen, sollte es kein Problem sein, sich draußen zu treffen. Das sind Umstände, die daraus resultieren, dass es für viele Muslime nicht möglich ist, nur auf dem traditonellen Weg den passenden Partner zu finden. Außerdem hat es Außenstehende nicht zu interessieren wie, wo oder wann Leute sich kennenlernen. Es hat keinen Einfluss auf ihr Leben, also brauchen sie sich in diese Angelegenheiten auch nicht einzumischen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die lokale Gemeinschaft, die auch als Instanz für Suchende fungieren sollte. In diesem Fall denke ich ganz besonders an Revertieten, die keine muslimische Familie haben oder Muslime, die nicht in der Gemeinschaft aufgewachsen sind und erst später zugezogen sind. Des Weiteren sollten auch vertrauenswürdige Geschwister, die gut vernetzt sind, muslimischen Singles bei der Partnersuche behilflich sein und sie nicht mit einem „Sorry, aber das ist mir zu viel Verantwortung” abwimmeln. Für die Rolle der Vermittler sind nicht alle geeignet, dennoch denke ich, dass es wichtig ist, Ansprechpersonen mit guter Menschenkenntnis zu haben. Trotzdem gilt auch für die Suchenden, nicht die Vermittler dafür schuldig zu machen, wenn für sie trotz mehrerer unverbindlicher Treffen mit anderen Singles noch nichts Konkretes ergeben hat.

Ich denke, dass eine gemeinsame Basis für eine Ehe einer der wichtigsten Aspekte sein sollte. Um diese als Team zu meistern, ist es sehr wichtig, sich selber zu kennen, seine eigenen Bedürfnisse, Vorstellungen, Wünsche, Fehler, Schwächen und Ängste in der Kennenlernphase klar zu benennen und nicht erst im Verlauf der Ehe zu gestehen. Ändern kann man nur sich selbst, nicht aber seinen Partner. Transparenz, Ehrlichkeit und Kommunikation in jeder Hinsicht werden meiner Meinung nach sicherlich dazu führen, dass weniger Konfliktpotential entsteht.

Wenn ihr jemals Interesse an der Person, die ihr kennenlernt, verliert, respektiert ihre Gefühle und seid so fair es ihr zu sagen. Haltet sie nicht unnötig auf, um ihr Vertrauen und ihre Zuneigung zu gewinnen. Lasst sie gehen, damit sie ihre Zeit, Energie und Liebe in jemanden investieren kann, der sie wertschätzt und respektiert.

Manchen wird die Partnersuche erleichtert, einige haben garnicht das Bedürfniss zu heiraten und andere werden wiederrum jahrelang damit geprüft und müssen viele Enttäsuchungen wegstecken. Liebe Geschwister, bitte  bleibt positiv und habt immer die beste Meinung von Allah und macht viel Dua. Bitter ihn um den Partner, den ihr Euch wünscht. Wenn Er es für euch will und Segen darin ist, wird Er euch den Wunsch erfüllen.

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