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Halle: Der Schmerz schweißt zusammen

Erinnerung an Izzet Cagac, der sich mehr Begegnung wünscht

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Foto: Cum Okolo / Alamy Stock Photo

(iz). Es geht uns jeden Tag ein bisschen besser“, so Izzet Cagac, der Besitzer des Dönerladens, in dem am 09. Oktober Kevin S. Opfer des rechtsradikalen Terrors wurde. Izzet Cagac möchte den Dönerladen am 16. November wieder eröffnen: Vierzig Tage nach der Tat – diese Zeit gilt Muslimen aus dem türkischen Kulturkreis als Trauerphase, wenn nahe Verwandte verschieden. Die Eröffnung soll, wenn es nach Herrn Cagac geht, mit neuen Besitzern stattfinden. Da er selbst mehrere Dönerladen besitzt, würde er gerne den, in dem der Anschlag verübt wurde, renovieren und den Angestellten, die zur Tatzeit anwesend waren, überlassen. Diese erholen sich derzeit vom Schock. Wenn sie den Laden nicht übernehmen möchten, so kämen sie in einem der anderen Läden unter. Cagac stehe voll und ganz hinter ihnen. Eine Begegnungsstätte schwebt ihm vor, falls sie den Laden nicht übernehmen möchten. Ein Ort, an dem Menschen verschiedener Konfessionen sich begegnen und einander kennenlernen können. Die Kerzen und Schals, die vor dem Laden in Gedenken an die beiden Opfer abgelegt wurden, sollen für einen guten Zweck versteigert werden.

Über seine Zukunft befragt, antwortet Herr Cagac: „Unser Leben in Halle wird weitergehen.“ In einem auf Facebook veröffentlichten und sehr berührendem Text, spricht er über Heimat und was sie ihm bedeutet: „Die Geschichte der Menschheit ist seit ihren frühen Anfängen eine Geschichte von Wanderungen und Wandlungen. Niemand von uns kann behaupten, er und seine Vorfahren seien schon immer hier gewesen. Heimat ist nicht etwas, das wir besitzen, das uns allein gehört, sondern Heimat ist dort wo wir uns mit dem Willen etwas aufzubauen niederlassen, eine Familie gründen, Freunde finden und uns geborgen fühlen. Heimat ist in unseren Herzen.“

Der Schmerz schweiße die Bewohner Halles zusammen. Sogar Afd-Anhängern sei vor Augen geführt worden, wohin der Hass auf Fremde führe. Unterstützung erhalte Herr Cagac von Volk und auch von Seiten der Politik. Der Bundespräsident, Frank Walter-Steinmeier, habe ihm alle Arten von Hilfe zugesagt. Auch die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, kam nach Halle. Gemeinsam mit Izzet Cagac haben sie die Synagoge aufgesucht, in die der rechtsradikale Terrorist versuchte einzudringen.

Herr Cagac wünscht sich, dass der Hass ende. Er könne es nicht verstehen, weshalb Angehörige verschiedener Konfessionen sich hassen. Möge sein Wunsch in Erfüllung gehen. (von Ahmet Aydin)

Wer Allah liebt, wird alle lieben,
Ohne dabei auszusieben:
Juden, Christen, Atheisten!
Wer nicht steht zu Zivilisten,
Wird nicht Allahs Freund genannt,
Denn ein Freund hat Hass verbannt;
Menschen hassen ist verboten,
Im Quran wird es geboten
Ungerechtigkeit zu hassen,
Tat verurteil’n, keine Rassen.

Strophe eines Gedichts aus der Mai-Ausgabe der IZ 2016.

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Ahmet Aydin

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