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Heilmittel gegen ein Übel der Zeit

Rassismus ist ein Teufelskreis. Wer die Offenbarung ernstnimmt, sollte davor gefeit sein. Von Wael Hamza

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„Er [Schaitan] sagte: ‘Ich bin besser als er. Mich hast Du aus Feuer erschaffen, wohingegen Du ihn aus Lehm erschaffen hast.’“ (As-Sad, 76)

Dies ist ein Satz Schaitans – in seiner Arroganz und seinem Ungehorsam gegenüber Allah. Die Geschichte von ihm und Adam ist ein deutliches Zeichen, wie gefährlich das Gefühl der Überlegenheit sein kann. Es führte Iblis [anderer Name für Schaitan] zum Ungehorsam angesichts eines deutlichen Befehls seines Schöpfers und verschaffte ihm einen ewigen Platz im Feuer.

Rassistischer Stolz hat weitaus schlimmere Folgen, wenn die Menschen ­danach handeln. Nicht nur führt er zu einer Persönlichkeit, die arrogant und betrügerisch ist, sondern resultiert auch in krimi­nellen Handlungen gegen andere in Form von Diskriminierung, Unterdrückung und gar Mord. Das Thema dieses Überlegenheitsanspruches ist ein sehr altes. So mancher denkt, er sei wegen seines Geschlechts, seiner Familie, Hautfarbe, Rasse, seiner politischen Haltung, dem Alter oder sogar wegen der Religion etwas Besseres. In der ganzen Menschheitsgeschichte zeigte sich diese hässliche ­Frage in der Form von Massenmord oder -versklavung und – subtiler – als Diskriminie­rung. Alle Formen von Diskriminierung sind soziale Krankheiten, die sich aus spirituellen und sozialen Störungen des Einzelnen ableiten. Der Kampf gegen Diskriminierung – und gegen rassistische im Besonderen – sollte für jede Person, Gruppe oder Nation Vorrang haben.

Ein Wendepunkt
Bevor Allah den Propheten Muhammad, möge Er ihn segnen und ihm Frieden geben, entsandte, existierte jede Art der Diskriminierung. In Persien oder Indien bestand ein ungerechtes Kastenwesen, in dem die Mehrheit wegen ­ihrer Zugehörigkeit zu einer „geringeren“ Kaste in Unterdrückung lebte. Bei den Arabern wurden Menschen nach Hautfarbe und Standeszugehörigkeit kategorisiert.

Der Gesandte Allahs überbrachte die endgültige Botschaft als Heilmittel für die Probleme der Menschen – inklusive für Diskriminierung. Es ist bekannt, dass er auf das Schlimmste diskriminiert wurde. Die mekkanischen Götzenanbeter bezichtigten ihn beispielsweise einer niedrigen Herkunft: „Und sie sagen: ‘Wäre doch dieser Qurʾan einem bedeutenden Mann aus den beiden Städten offenbart worden!’“ (Az-Zuhruf, 31)

Die Offenbarung des Islam war auch hier ein Wendepunkt. Allahs Din konnte die Überzeugungen und das Verhalten der Menschen mehrheitlich positiv verändern. Einige wenige Jahrzehnte nach seinem Ableben kamen die Führer der muslimischen Gemeinschaften – ob politisch, wissenschaftlich oder spirituell – aus unterschiedlichen Stämmen und Nationen. Ihre Hautfarbe oder ethnische Herkunft waren dabei zweitrangig. Der erste Schritt in der Überwindung von negativer Diskriminierung liegt in der ­Berührung der Herzen, der Veränderung des Glaubens und einer intellektuellen Neu-Ausrichtung.

Es lohnt sich darüber nachzudenken, wie der Islam diesen Wechsel hervorbrachte. Auch heute noch ist die Menschheit dringend auf eine segensreiche Rechtleitung angewiesen, um mit Formen von Diskriminierung fertig zu werden, die heutige Gesellschaften plagen. Erzieher, Politiker und Gemeinschaftsführer verfügen damit über ein reichhaltiges Reservoir an Ressourcen, die sie dafür nutzen können.

Eine Heilung
Der Qur’an ist eine Heilung für das, was in den Herzen der Menschen ist. ­Allah sagt in Seinem Gewaltigen Buch: „Oh, ihr Menschen, zu euch ist nunmehr eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen und eine Heilung für das, was in den Brüsten ist, eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“ (Yunus, 57) Durch den Islam wurden die spirituellen und intellektuellen Fundamente der Gläubigen mit Hilfe des Qur’ans und der Lebensweise des Propheten gelegt. Zurückblickend ist es recht bemerkenswert, wie der Fels der Diskriminierung Risse bekommt, wenn er auch nur von einigen Tropfen Verständnis berührt wird. Auch wenn sie sehr einfach sind, waren die Ideen im Qur’an und die Aussagen des Gesandten Allahs extrem wirksam. Ein Beispiel dafür ist die Abschieds­predigt, die der Prophet in seinem letzten Lebensjahr während der Hadsch [Pilgerfahrt nach Mekka] hielt.

Beredt und präzise überbrachte er seine starke Botschaft gegen Diskriminierung und Rassismus: „Oh, ihr Menschen, leiht mir ein aufmerksames Ohr, denn ich weiß nicht, ob ich nach diesem Jahr wieder unter euch sein werde. (…)

Die gesamte Menschheit stammt von Adam und Eva. (…)

Ein Araber hat weder einen Vorrang vor einem Nicht-Araber, noch hat ein Nicht-Araber einen Vorrang vor einem Araber; Weiß hat keinen Vorrang vor Schwarz, noch hat Schwarz irgendeinen Vorrang vor Weiß; [niemand ist einem anderen überlegen] außer in der Gottesfurcht und in guter Tat. (…)

Die Menschen stammen von Adam, und Adam ist aus Erde. (…)

O ihr Leute, wahrlich euer Blut, euer Gut und eure Ehre sind unantastbar, bis ihr eurem Herrn gegenübersteht, ebenso wie der heutige Tag und der jetzige Monat und diese eure Stadt heilig sind.“

Einheitsdenken
Das Einheitsdenken ist die Kernaussage des Islam: „Euer Herr ist Einer.“ Er ist es, Der alle Menschen von einem einzigen Mann und einer einzigen Frau hervorbrachte. „Oh, ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen schuf, und aus ihm schuf Er seine Gattin und ließ aus beiden viele Männer und Frauen sich ausbreiten.“ (An-Nisa, 1)

Diese Kernaussage wird oft im Qur’an und in den Lehren des Propheten wiederholt. So sagte der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben: „Oh, ihr Leute, Allah hat euch aus der Arroganz der Zeit der Unwissenheit und des Stolzes auf Familie und Stamm erhoben… Menschen sind die Kinder von Adam und Adam wurde aus Staub erschaffen.“ (At-Tirmidhi und Abu Dawud) Und im Qur’an heißt es hierzu ebenfalls: „Oh, ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Beste von euch ist derjenige mit der größten Taqwa [umfassende Furcht vor und Bewusstsein von Allah, welches sämtliche Handlungen durchdringt].“ (Al-Hudschurat, 13)

Die obigen Aussagen richten unser Augenmerk auf dasjenige, was wirklich bei Allah zählt. Dies sind nicht Hautfarbe, Wohlstand oder Familie; noch ist es unsere körperliche Form. Vielmehr sind dies unsere Herzen und Handlungen. So sagte der Gesandte Allahs hierzu: ­„Allah schaut nicht auf eure äußeren Formen (…), sondern Er schaut auf eure Herzen und eure Handlungen.“ (Al-Bukhari) Menschen wetteifern miteinander in Richtung Erfolg. Durch den Islam wurde neu bestimmt, was dieser Erfolg bei Allah ist. Dieser basiert auf nichts anderem als auf Glauben und Handlung.

Rassismus ist ein Teufelskreis. Er schafft Stolz und Stolz führt zu Rassismus. Damit dieser enden kann, machte Allah den Stolz [arab. Kibr] zu einem schwerwiegenden Charaktermangel, von dem auch nur ein minimal großes Teilchen jemanden daran hindern kann, in das Paradies einzutreten. Der Prophet sagte: „In wessen Herz auch nur ein Atom an Kibr [Stolz und Arroganz] ist, der wird nicht ins Paradies eintreten.“ (Muslim) Später erläuterte der Gesandte Allahs, was es mit diesem Kibr auf sich hat: „Kibr ist die Zurückweisung der Wahrheit und das Herabblicken auf die Menschen.“ (Muslim) Die Entfernung dieser Eigenschaft aus den Herzen der Leute ist wie das Austrocknen einer Substanz, die den Rassismus befeuert.

„Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Darin sind wahrlich Zeichen für die Leute des Wissens.“ (Ar-Rum, 22) Anstatt die ethnische Herkunft als Moment der Überlegenheit zu betrachten, regt dieser Vers den Geist und das Herz zum Denken über die Schönheit und ­Wunder der Schöpfung an.

Und schließlich besteht ein wesentlicher Aspekt in der Ablehnung von Rassismus und Diskriminierung in Gerechtigkeit. Allah, der Erhabene sagt in ­einer direkten Rede (Hadith Qudsi) an den Gesandten Allahs: „Oh, meine Diener, Ich habe Mir die Ungerechtigkeit verbo­ten und Ich habe sie unter euch verboten. Also begeht keine Ungerechtigkeit gegen irgendjemanden.“ (Muslim)

Und der Prophet, möge Allah ihn ­segnen und ihm Frieden geben, sagte in seiner obigen Abschiedspredigt „(…) euer Blut, euer Gut und eure Ehre sind ­unantastbar“.

Der Autor ist Publizist und aktives Mitglied in der Muslim American Society (MAS).

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