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Heinrich Heine inspiriert

„Almansor“ lohnt sich, erneut gelesen zu werden, meint Ahmet Aydin

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Foto: Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

„Es ist ein schönes Land, das schöne Spanien,
Ein großer Garten, wo da prangen Blumen,
Goldäpfel, Myrten; – aber schöner noch
Prangten mit stolzem Glanz die Maurenstädte,
Das edle Maurentum, das Tarik einst,
Mit starker Hand,
auf span’schen Boden pflanzte.“

(iz). Heinrich Heine inspiriert. Er tat etwas, was Muslime selbst nicht taten bisher: Er ließ die Welt Andalusiens auf der Theaterbühne wieder aufleben! Ob gut, ob schlecht mag jeder selbst beurteilen. Es geht um den Akt der Darstellung einer der höchsten Zivilisationen, die diese Welt je hat sehen dürfen: „Es darf uns nicht niederschlagen, wenn sich uns die Bemerkung aufdringt, das Große sei vergänglich; vielmehr wenn wir finden, das Vergangene sei groß gewesen, muß es uns aufmuntern, selbst etwas von Bedeutung zu leisten…“, sagt unser Dichterfürst in seiner Italienischen Reise, seiner poetischen Renaissance. Etwas von Bedeutung wäre es, diese Kultur der Ambiguität, wie sie der deutsche Islamwissenschaftler Thomas Bauer nennt, wieder zum Leben zu erwecken! Ein Stück über Abdurrahman III., über den würdevollen Ibn Arabi oder über die Lebensumstände der Muslime nach der Reconquista! Auf Deutsch für Deutschland und in ihrer Bedeutung für die ganze Welt! Der ewige Wunsch Muslime in deutscher Sprache aufzuklären, könnte dadurch realisiert werden und auch die Nicht-Muslime würden sehen können, was die großen muslimischen Zivilisationen ausgemacht hat.

Heinrich Heine gab ein Beispiel dafür. Und wenn von den Mauren die Rede ist, ist es ­äußerst positiv: Gastfreundlich, ritterlich… Ali, der zum Christen wurde, verliert diese Eigenschaften. Sein Bediensteter schickt ­Almansor, der sich als bedürftig ausgibt, fort: „Das Schloß ist keine Herberg mehr. Unweit Von hier steht so ein Ding, das nennt man Wirtshaus.“

Als er Muslim war, gab er in seinem Schloß gar den Bedürftigen ein Obdach. Als Christ nun nicht mehr. Christen hätten dafür ein „Wirtshaus“. Dieses Bild zeichnet Heine.

Es mutet zwischenzeitlich an, als würde das Stück die Muslime schlecht darstellen. Ali und Zuleima wandten sich vom Islam ab und wurden Christen. Almansor wird zwischenzeitlich Christ aufgrund einer irdischen Liebe und will sich als Christ das Leben nehmen und findet als Muslim wieder Lebensmut. Und Ali, dadurch, dass er Christ wurde, verlor er seine Gastfreundschaft, sein Mitgefühl: „So wohnt allhier nicht mehr der gute Ali, Wenn Gastlichkeit aus diesem Schloß verbannt ist.“ Dadurch, dass Ali Christ wurde, verlor er sein von Schönheit geprägtes Betragen gegenüber dem schönen Geschlecht: „O seid nur außer Sorge, schöne Damen. Der Maure ist galant, und selbst im Zorne Wird er den Damen ritterlich begegnen. Wir Männer aber wollen tüchtig kämpfen –“

Heine stellt in der Figur Alis die Veränderung eines Muslims, der Christ wird, dar. Und die Christen kommen sehr schlecht weg. Wenn dieses Werk von einem Muslim würde verfasst worden sein, so würde ihm Parteilichkeit ­vorgeworfen werden. Doch es ist von einem Juden verfasst. Bekanntlich hatten diese jahrhundertelang in christlichen Landen nicht viel zu lächeln.

Ein Werk, das es verdient erneut gelesen und analysiert zu werden: Heinrich Heines Almansor.

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