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Helm ab zum Gebet? Wunsch nach Bundeswehrimamen bisher unerfüllt

Die Frage der muslimischen Militärseelsorge bleibt bisher ungelöst. Von Dana Kim Hansen

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In Österreich längst Normalität: Ernennung eines Vorbeters zu einem Imam des ­dortigen Bundesheeres. Foto: Karlovits

(KNA). Die meisten öffentlichen Stimmen sprechen sich für eine muslimische Seelsorge bei der Bundeswehr aus. Doch es gibt noch Hürden. Nach den Worten des Wehrbeauftragten des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), hat sich bei der geplanten Einführung einer muslimischen Seelsorge in der Bundeswehr nichts bewegt.

„Bundeswehr sucht Imam für die Truppe“, titelte die „Bild“-Zeitung am 23. Mai 2015. Seit Jahren fordern muslimische Verbände, aber auch Politiker muslimische Militärseelsorger. Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck sagte, er sehe die direkt Verantwortlichen, also Politik, Bundeswehr und Vertreter der Muslime am Zug. Zugleich verwies er auf noch zu lösende praktische Fragen: So seien die vergleichsweise wenigen Muslime bei der Bundeswehr auf viele verschiedene Standorte verteilt. Da gelte es auszuloten, wie überhaupt „muslimische Seelsorge“ gehe.

Das alles hätte aus Sicht von Hans-Peter Bartels längst angegangen werden können. In seinem Jahresbericht hält er stattdessen fest: Nach mehr als sechs Jahren des ergebnislosen Prüfens mache sich „langsam Ernüchterung breit“. Einstweilen existiert lediglich eine Ansprechstelle für Soldaten anderer Glaubensrichtungen beim Zentrum Innere Führung.

Die Deutsche Islamkonferenz (DIK), bestehend aus Vertretern von Bund, Ländern und Kommunen sowie den Repräsentanten muslimischer Verbände, hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Thema befasst. Das Ziel: sichtbare Fortschritte bei der religiösen Betreuung muslimischer Soldaten. Nach drei Jahren Beratung und Diskussion erklärte die DIK im März 2017, die Einführung der muslimischen Militärseelsorge sei „ein mittel- bis langfristiges Ziel“. Sie empfiehlt eine Arbeitsgruppe „Islamische Militärseelsorge“, die beim Verteidigungsministerium angesiedelt sein soll.

Das Verteidigungsministerium verweist auf noch zu diskutierende, rechtliche Grundlagen. Erst wenn es darüber auf Seiten der Muslime zu einem Konsens gekommen sei, könne die Arbeitsgruppe etabliert werden. Wie lange das dauert, sei nicht abzusehen. Die größte Herausforderung: Es fehlt ein muslimischer Ansprechpartner, der alle Verbände und Gemeinden vertritt, berichtet Thomas Elßner, Referatsleiter im Katholischen Militärbischofsamt. Strukturen wie die Deutsche Bischofskonferenz oder die Evangelische Kirche in Deutschland fehlen auf muslimischer Seite. „Es ist schwer, zu entscheiden, welcher Verband als Ansprechpartner infrage kommt“, so Elßner.

Hier sei es an den Verbänden, Lösungen zu finden, sagt Elßner. Für mögliche Militärimame müssten dieselben Voraussetzungen gelten wie für christliche Militärseelsorger: „Der jeweilige Imam sollte ein in Deutschland anerkanntes Theologiestudium haben und deutscher Staatsbürger sein.“ Zudem sei Erfahrung in der Gemeindearbeit sinnvoll. Voraussetzung ist auch, dass der Bedarf hoch genug ist, fordert die DIK.

Seit 2015 arbeitet die Ansprechstelle für Soldaten anderer Glaubensrichtungen am Zentrum für Innere Führung in Koblenz daran, diesen Bedarf festzustellen. Es gibt nur Schätzungen, wie viele Soldaten Muslime sind, etwa 1.500 dürften es wohl sein. Aus datenschutzrechtlichen Gründen muss in der Armee niemand seine Religionszugehörigkeit angeben. Wie viele Muslime einen eigenen Militärimam wünschen, ist nicht erfasst.

Elßner, der selbst jahrelang am Zentrum für Innere Führung gearbeitet hat, schätzt den Bedarf an einer muslimischen Seelsorge eher gering ein. Es gebe hauptsächlich Nachfragen, die sich auf praktische Umsetzungen wie das Einhalten der Gebetszeiten oder die islamischen Speisevorschriften bezögen. Er könne sich dennoch zwei bis drei nebenberufliche Imame in der Truppe vorstellen: „Bei Bedarf könnten sich die Soldaten an sie wenden.“

Auch das Verteidigungsministerium hält solche nebenamtlichen Militärimame für denkbar. Das geht aus einem Dreistufenplan hervor, den das Ministerium 2015 vorgelegt hat. Ist in einem ersten Schritt die Nachfrage groß genug, könnten Nebenamtler eingestellt werden. Bewährt sich das Modell, könnte es hauptamtliche Seelsorger geben. Derzeit befindet man sich noch in der Bedarfsermittlung, heißt es aus dem Zentrum für Innere Führung. Bis christliche und muslimische Militärseelsorger im Gleichschritt unterwegs sind, wird es also noch einige Zeit dauern.

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