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Hintergrund: Demokratie bringt Angst und Gewalt für Birmas Muslime

"Die Minderheit lebt in Angst"

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(dpa) Maung Maung Myint hat Angst. «Wir Muslime haben für die Demokratie gekämpft, nun haben wir Demokratie, aber keine Sicherheit mehr. Unter dem Militär waren wir sicherer.» Er arbeitet als Hauswart in der Bengali Sunni Dschameh Moschee in Rangun. 1988 hatte er an den Protesten gegen Birmas Militärregime teilgenommen, 2007 unterstütze er die von buddhistischen Mönchen angeführten Demonstrationen gegen die Junta. Beide wurden brutal niedergeschlagen.

«Einer meiner Cousins wurde 1988 getötet», erzählt der 57-Jährige. «Damals waren Buddhisten und Muslime vereint gegen das Militär.» Die Herrschaft von Birmas Junta endete 2010. Die dem Militär nahestehende USDP gewann die Wahlen, und der reformorientierte Präsident Thein Sein brachte das isolierte südostasiatische Land auf den Weg zur Demokratie.

Doch der Fortschritt wird von religiös motivierter Gewalt begleitet. Im vergangenen Jahr starben bei Unruhen im Rakhine-Staat an der Grenze zu Bangladesch 167 Menschen, die meisten von ihnen Mitglieder der muslimischen Rohingya-Minderheit. Bei weiterer Gewalt gegen Muslime im Norden und in Zentralbirma kamen in diesem Jahr 50 Menschen ums Leben.

Offiziell machen Muslime fünf Prozent der Bevölkerung aus. Eine Volkszählung gab es aber seit 1983 nicht mehr, der tatsächliche Anteil könnte Schätzungen zufolge daher heute doppelt so hoch sein. Religiöse Unruhen gab es seit der Machtübernahme des Militärs 1962 keine. Die Junta regierte mit eiserner Hand, abweichende religiöse oder politische Ansichten wurden nicht geduldet. Nun quellen die lang unterdrückten Probleme wieder an die Oberfläche.

Der buddhistische Mönch Wirathu steht an der Spitze der Islam-Gegner. Er beschreibt sich selbst als «Osama bin Laden des Buddhismus». Vor einigen Monaten rief er die auf buddhistischer Zahlenmystik beruhende «969»-Bewegung ins Leben und predigt Hass auf Muslime. Extremistische Mönche verteilen Sticker mit dem «969»-Logo und fordern die Bevölkerung auf, muslimische Läden zu boykottieren.

In Moulmein, der Hauptstadt des Mon-Staats, sind etwa ein Drittel der Bevölkerung Muslime. Viele sind Nachfahren indischer Arbeiter, die von den britischen Kolonialherren ins Land gebracht wurden. «Viele Menschen hier fühlen sich von den Muslimen überschwemmt», sagt Ko Zaw. Er hat das «969»-Logo an der Tür seines Goldladens kleben. Anfangs war ihm die Bedeutung nicht klar. «Aber jetzt kann ich es nicht mehr abnehmen, ohne die Mönche zu verärgern.»

«Wirathu ist kein Zauberer» sagt der Aktivist Ko Ko Gyi. Das Problem sei die Einstellung der Menschen. «969» verstärkt tief sitzende Vorurteile.

Die Regierung hat Wirathu bislang nicht kritisiert. Anfang Juli verbot sie eine Geschichte des US-Magazins «Time», die den Mönch als Terrorist darstellt. Es gebe keine Beweise, dass seine Kampagne zu Gewalt gegen Muslime führe, heißt es von offizieller Seite.

Doch bestritten werden auch Verschwörungstheorien, denen zufolge Teile des Militärs und der USDP mit dem Hass-Mönch unter einer Decke stecken. «Weder die Regierung noch die USDP ist hinter dieser Bewegung», sagt USDP-Vizechef Htay Oo. Er vermutet, unbekannte Gruppen wollten die Stabilität des Landes untergraben. «Aber es ist schwierig, im Dunklen einen Steinewerfer zu finden.»

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