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Hintergrund: Den Qur’an verstehen. Ein Kommentar auf die am meisten rezitierte Sure der Göttlichen Offenbarung. Von ‘Ali Laraki

Die Sure Al-Fatiha

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Die wörtliche Bedeutung des arabischen Wortes „Fatiha“ [der ersten qur’anischen Sure] ist „diejenige, die eröffnet“. Dieser Name wurde ihr gegeben, weil sie das Buch von Allah eröffnet. Sie hat noch weitere zwanzig Namen. Darunter fallen unter anderem die folgenden: Eröffnung des Buches (Fatihatu’l-Kitab), die Essenz des Qur’an (Umm Al-Qur’an), Schatz (Al-Kanz), die Ausreichende (Al-Kafia), die Heilung (Asch-Schafia) usw. Sie ist eine mekkanische Sure, das heißt, sie wurde in Mekka offenbart.

Jedoch gibt es einige Gelehrte, die die Ansicht vertreten, sie sei erst in Medina offenbart worden. Einige andere Kommentatoren des Qur’an jedoch sind wiederum der Ansicht, sie sei zweimal offenbart worden, einmal in Mekka, als das Gebet verpflichtend gemacht wurde und ein weiteres Mal in Medina, als die Gebetsrichtung (Qibla) für die Muslime geändert wurde. Jedoch ist die erstere Meinung die stärkste. Es besteht eine Übereinstimmung darüber, dass die Anzahl ihrer Verse sieben ist.

Allerdings gibt es unterschiedliche Meinungen über die Frage, wie diese Verse gezählt werden sollen. Dies hängt davon ab, ob die Basmala [die Formel „Bismillahi’r-Rahmani’r-Rahim] teil der Offenbarung ist oder nicht. Wenn die Basmala als Teil der Fatiha angesehen wird, dann ist der siebte Vers jener, der mit „den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast“ beginnt. Andernfalls ist der siebte Vers jener, der „nicht [den Weg] derer, die Deinen Zorn auf sich gezogen haben“ zum Anfang hat. „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“.

Nach Imam Malik ist die Basmala kein Vers der Fatiha. Aus diesem Grund wird es in seiner Schule als Makruh [außerordentlich unbeliebt] angesehen, sie während eines verpflichtenden Gebetes zu rezitieren. In der Schule von Imam Schafi’i wird die Basmala als Teil der Fatiha angesehen, weshalb es als verpflichtend gilt, die Basmala laut in den lauten Gebeten und leise in den leisen Gebeten zu rezitieren. Im Falle von Imam Abu Hanifa wird die Basmala nicht als Teil der Fatiha angesehen, aber sie muss trotzdem leise in den lauten wie in den leisen Gebeten ausgesprochen werden.

1. Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten – Der erste Teilsatz kann auch als „Gepriesen sei Allah“ übersetzt werden. Beides sind Aussagesätze, die das Ziel haben, Allah zu preisen, denn Er ist erstens der Einzige, der Lobpreis verdient, und Er ist zweitens der Be-sitzer des Lobes aller erschaffenen Wesen. „Allah“ ist der Eigenname des Einzigen, der es verdient, angebetet zu werden. Das Wort „Rabb“ wird hier als „Herr“ übersetzt, aber es meint neben anderen Bedeutungen auch „Besitzer“, „Gott“ und „Reformer“. Daher bedeutet „Herr der Welten“, dass Allah der Besitzer alles Erschaffenen ist, seien es Menschen, Dschinn, Engel, Tiere, Pflanzen oder andere Wesen. Jede Art der Kreatur wird daher „Welt“ genannt. Allah hat sich entschieden, den ungebrochenen maskulinen Plural „alamiin“ statt des gebrochenen Plurals „a’laam“ wegen der überwiegenden Gebrauches des ungebrochenen Plurals bei vernunftbegabten Wesen zu verwenden. Was „alamiin“ betrifft, so ist dies der Plural von „alam“, welches in sich die Bedeutung von „alama“ oder Zeichen trägt. Denn die Welten sind in ihrem Wesen nichts als Zeichen, die auf ihren Schöpfer verweisen.

2. Des Allerbarmers, des Barmherzigen – Die Adjektive „Ar-Rahmaan“ und „Ar-Rahim“ stehen jeweils in ihrem Superlativ. Beide kommen von der Wurzeln RHM, wie das Bedeutung von „etwas Gutes für jemanden tun oder wollen“ enthält. Aus der gleichen Wurzel wird das Wort „rahm“ (Gebärmutter) abgeleitet – dem Ort, an dem der Mensch während der ersten Phase seiner Existenz mit mütterlicher Wärme sicher aufbewahrt und ernährt wird. Aus diesem Grund wird die Frau, in ihrer mütterlichen Dimension, als die höchste Manifestation der Göttlichen Eigenschaft der Gnade aufgefasst. Ihre Bedeutung ist das Besitzen der „Rahma“ – Gnade oder Mitleid – in einer superlativen Form. Es ist wichtig anzumerken, dass Allah, bevor Er Sich selbst als Barmherzig und Allerbarmend offenbart, Sich als Herrn der Welten beschreibt. Dies stellt fest, dass Souveränität und absolute Herrschaft allein bei Allah liegen, Der Seine Macht ausübt wie Er will, ohne dass Er jemandem dafür Rechenschaft schuldig wäre. Aber wir alle müssen vor Ihm Rechenschaft ablegen. Nichtsdestotrotz lässt Allah uns wissen, dass Seine Ausübung der Macht mit Gnade und Mitleid mit all Seinen Geschöpfen im Allgemeinen (Ar-Rahmaan) und mit den Muminun [diejenigen, die Iman, Vertrauen in Allah haben] im Besonderen (Ar-Rahim) geschieht.

3. Dem König am Tag des Gerichts – Auch wenn das Königreich von Allah ewig ist, so gibt es einen spezifischen Verweis auf den Tag des Gerichts. Denn dieser Tag, der Allah gehört und immer gehören wird, wird auf diese Weise von allen Geschöpfen bestätigt. Wenn der Schleier, der unsere Gewissheit bedeckt, entrissen wird, wird es offen zu Tagen treten, dass das Königreich niemandem anders gehört – und gehört hat – als Allah. Dann wird jeder – die Muslime wie die Nichtmuslime – mit Gewissheit sehen, dass Allah der König ist. In diesem Leben jedoch fahren die Nichtmuslime damit fort, das Königreich von Allah zu leugnen und es anderen zuzuschreiben. Wir müssen hier anführen, dass nach anderen qur’anischen Lesarten, statt „Malik“ (König) auch „Maalik“ (Besitzer) gelesen werden kann und das Ajat daher auch „Besitzer am Tag des Gerichts“ bedeuten kann.

4. Dich (alleine) beten wir an und Dich (alleine) bitten wir um Hilfe – Nach der Erwähnung der Göttlichen Eigenschaften, Seiner Größe und Seines Lobes, wird die Beziehung zwischen Ihm und Seinen Sklaven hergestellt. Die ontologische Ordnung wird errichtet, indem zuerst die Wirklichkeit des Absoluten Wesens anerkannt wird. Danach kommt die Errichtung der Ordnung, die die Beziehung zwischen dem Schöpfer und Absoluten Herren einerseits und dem menschlichen Wesen andererseits etabliert. Es findet aber auch eine Veränderung von Abwesenheit in Richtung einer Gegenwart statt: Von der Distanz zum intimen Gespräch. Allah lehrt Seine Sklaven, wie die Tatsache Seines Lobes mit der Zunge und dem Herzen und das Nachdenken über die unbegrenzte Macht Seiner Herrschaft in dem Sklaven einen Impuls hervorruft, die ihn auf eine Stufe der Intimität und des Gespräches erhebt, die Ihsan genannt wird. Durch diese wird die Gegenwart Allahs in seinem Herzen verankert. Bemerkenswert ist, wie die Wörter „Anbetung“ (na’budu) und „Bitte um Hilfe“ (nasta’in) im Plural gehalten sind, welches der Handlung der Anbetung einen starken gemeinschaftlichen Charakter verleiht. Die bestehende Ordnung, wonach zuerst die Anbetung Allahs und dann die Bitte um Seine Hilfe erwähnt wird, macht deutlich, dass wir zur Erlangung Seiner Hilfe zuerst Ihn und nur Ihn anbeten müssen.

5. Führe uns auf dem geraden Weg – die Bedeutung von „ihdina’s-Siratu’l-Mustaqim“ ist „führe uns auf den Weg“, genauso wie „führe uns auf dem geraden Weg“. Die zweite Bedeutung ist, in diesem Fall, die genauere, denn sie wird von dem Muslim rezitiert, der bereits auf dem geraden Weg, das heißt dem Islam, ist und auf ihm verbleiben und aufsteigen will.

6. Dem Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast – hiermit sind die Muminun gemeint. Nach einer anderen Meinung bezieht sich dieser Vers auf die Propheten, die Wahrhaftigen, diejenigen, die um Allahs willen getötet werden (Schuhada) und die rechtschaffen Handelnden (Salihin). Nach einer weiteren Ansicht sind damit die Anhänger von Moses und Jesus gemeint, bevor sie ihre jeweiligen Botschaften verfälschten, welche dann ersetzt wurden. Es wird wegen der Größe und des Ausmaßes der Göttlichen Gnade nicht spezifisch darauf eingegangen, wie dieser Gnadenerweis aussieht.

7. Nicht (den Weg) derer, die Zorn erregt haben oder derer, die in die Irre gegangen sind – was hier gemeint ist, ist der Zorn von Allah, welches in Seinem Fall Seine Rache bedeutet. Anzumerken ist, dass im Falle der Güte diese Allah zugeschrieben wird. Wenn es um Schlechtes geht – die Erregung von Zorn oder das in die Irre gehen, dann beschreibt Allah dies nicht direkt auf Sich selber. Das heißt nicht, dass das Schlechte nicht von Ihm erschaffen worden ist, es heißt eher, dass es ein angemessenes Verhalten ist, Ihm nur das Gute zuzuschreiben. Alle Kommentatoren sind sich darin einig, dass sich „nicht (den Weg) derer, die Zorn erregt haben“ auf die Juden bezieht und dass sich „oder derer, die in die Irre gegangen sind“ auf die Christen bezieht.

Und Allah ist Derjenige, Der weiß, was richtig ist.

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