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Hintergrund: Der G-20 Gipfel zeigt die eigentlichen Denkprobleme auf. Von Khalil Breuer

"Weiter so?"

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(iz). Der G-20 Gipfel verhält sich in der Nachbetrachtung wie eine Art Orakel: Jeder kann darin sehen, was er will. Die Entscheidungen sind aber wohl im Kern nichts anderes als ein “Weiter so”. Es wird noch mehr Geld ausgegeben beziehungsweise gedruckt werden; man will Schwellenländern helfen und es gibt eine neue, machtlose, Finanzpolizei. Nach den Wahlen im Herbst, so Bundeskanzlerin Merkel, will man dann schauen, ob sich konkret etwas geändert hat. Letztendlich bleibt den G-20 Staaten aber wohl nur das Beten auf endloses Wachstum, denn nur so können in der realitätsfernen Theorie die “Billionen” eines fernen Tages zurückgezahlt werden.

So fordert die Finanzkrise weiter den Intellekt. Wenn Billionen sich im Nichts verflüchtigen, dann ist der Begriff “Rezession” eigentlich eine Untertreibung. Vielmehr stellt sich die Frage, ob diese Billionen-Werte überhaupt je existiert haben. Geld wurde aus dem Nichts geschaffen und kehrt natürlicherweise ins Nichts zurück. Auch das Wort Krise impliziert eine Täuschung, denn, auch nach der “Krise” wird nichts mehr so sein wie zuvor. Nach der Krise ist – ohne einen grundsätzlichen Wandel – definitiv vor der Krise. Jedenfalls aufgeklärte Menschen werden den heute bankrotten Banken auf Dauer nicht mehr vertrauen können. Das ist in etwa die Ausgangslage, der man sich als denkender Mensch stellen muss.

Sogar die konservative Presse reflektiert in diesen Tagen über die Möglichkeit, der endlosen Papiergeldvermehrung zumindest eine theoretische Grenze zu verschaffen. Die ganze Welt fürchtet, dass die Notenpressen, die nun Tag und Nacht laufen, irgendwann eine gigantische Inflation verursachen werden. Der gute alte Begriff des Gold-Standards macht wieder die Runde. “Die Probleme können nur gelöst werden, wenn der derzeit herrschende Dollar-Kapitalismus überwunden wird”, wurde Takashi Nishizawa, Ökonom bei der japanischen Großbank Nomura, von der “Welt” zitiert. Auf dem G-20 Gipfel war von diesen Schranken nicht die Rede.

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Fakt ist, immer mehr Notenbanken gehen dazu über, ungezügelt Geld zu drucken, um der Krise Herr zu werden. Als Gegenmodell wird wieder zunehmend ein traditionelles Konzept ins Spiel gebracht: der Goldstandard. Das Vertrauen in die Währungen, so die Experten, werde nur zurückkehren, wenn die Währungen mit dem Edelmetall unterlegt werden. Diese Ansicht äußern sogar Vertreter der Banken selbst. Thorsten Polleit, Chefökonom Deutschland bei Barclays Capital, schlug bereits in der “Berliner Morgenpost” eine grundlegende Reform der globalen Währungspolitik vor: “Papiergeld, wie wir es momentan haben, ist in der Geschichte ein relativ junges Experiment und wie die derzeitige Entwicklung zeigt, kein besonders gelungenes.”

Als Lösung propagiert Polleit ein System, in dem neues Geld nur dann ausgegeben werden kann, wenn dies mit einem Korb von Rohstoffen, darunter Gold, unterlegt ist. Peter Bofinger, wichtiger Berater der Kanzlerin vor und nach der Krise, glaubt dagegen ungebrochen an das Papiergeldsystem und warnt im “Focus”: “Ein neuer Goldstandard wäre ein verheerendes Signal. Die Rückkehr zum Gold ist die Rückkehr in die monetäre Barbarei. Die Welt würde sich abhängig machen von der Menge des Goldes, das in der Welt gefördert wird. Es kommt aber darauf an, dass die Geldmenge gemäß der Produktionsmöglichkeiten zunimmt. Das wäre bei einer Goldwährung nicht gewährleistet. Es könnte deflationäre Prozesse geben, was man in der Geschichte beobachten konnte.” Politik und Papiergeld – ist für Bofinger offensichtlich eine Art untrennbare Schicksalsgemeinschaft. Zumindest vor den Wahlen.

Wie gesagt: Der Intellekt ist in dieser Zeit gefordert. “Wir glauben, dass das islamische Finanzwesen zur Etablierung neuer Regeln für das westliche Finanzwesen beitragen kann … Scharia-gemäße Investitionsformen verhinderten eine künstliche Erzeugung von Geld”, denken zum Beispiel Loretta Napoleoni und Claudia Segre im ” Osservatore Romano”. Nicht nur sie entdecken im Islam einen Mittelweg: Ja zu Handel und Eigentum, nein zur endlosen Geldvermehrung.

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Khalil Breuer

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