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Hintergrund: Neue Rhetorik um den angeblichen Kampf der Kulturen – neue Feindschaften

Autor Trojanow: Islamfeindlichkeit wird vorübergehen

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(kna) Der Schriftsteller Ilija Trojanow beobachtet in der Gesellschaft eine weit verbreitete Islamfeindlichkeit. Sie werde aber vorübergehen, sagte Trojanow der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Dienstag). «Bis vor 65 Jahren waren die Juden die schwarzen Schafe, jetzt heißt es in allen Sonntagsreden, wir hätten eine jüdisch-christliche Tradition – ein Begriff, der nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA erfunden wurde und der theologischer und historischer Unfug ist». Genauso könne er sich eine «jüdisch-christlich-islamische Rhetorik» vorstellen, sollte China der große Gegner der westlichen Welt werden, so der deutsche Schriftsteller bulgarischer Herkunft.

Sein Buch «Kampfabsage» solle auch die These des US-amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Kampf der Kulturen» widerlegen, erklärte Trojanow. Für die Popularität dieser Theorie führte er «machtpolitische Interessen» an. «Nach dem Ende des Kalten Krieges drohte uns der Feind abhandenzukommen.» Die Nato habe diese «Gefahr» früh erkannt und nach neuen Feinden Ausschau gehalten. «Da kommt eine Theorie, dass es unversöhnliche Kulturkreise gebe, die sich im ewigen Konflikt gegenüberstehen, gerade recht, auch wenn diese These historisch nicht zu belegen ist», sagte der Schriftsteller.

Weiter kritisierte der mehrfach preisgekrönte Autor das Vorgehen des Westens in Afghanistan. «Die Zahl der Taliban nimmt kontinuierlich zu, die Strategie der Nato funktioniert offensichtlich nicht im Geringsten.» Was wirkungslos und zudem verwerflich sei, sollte von einer zivilisierten Gesellschaft beendet werden, forderte der 44-Jährige. Ihm stelle sich die Frage, wie es um die Menschlichkeit der westlichen Gesellschaft bestellt sei. «Wir lassen zu, dass Millionen von Kindern jährlich ohne zwingenden Grund sterben, wir zerstören unseren Planeten sehenden Auges. Wir verursachen immens viel Leid, nur tun wir es indirekt und können uns deshalb einbilden, die guten, die besseren Menschen zu sein», sagte Trojanow.

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