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Hintergrund: Paris baut militärische Stellung im Golf aus. Von Ulrike Koltermann

Neues zu den geostrategischen Plänen der Grande Nation im Nahen Osten

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(dpa) Ganz diskret hat Frankreich eine strategische Wende vollzogen: Am Montag will der französische Präsident Nicolas Sarkozy einen neuen Militärstützpunkt im Golfstaat Abu Dhabi eröffnen. Das ist nicht nur deswegen bemerkenswert, weil Frankreich schon lange keine neue Militärbasis im Ausland mehr eröffnet hat. Es zeigt vor allem, dass Paris seine Stellung in der öl- und gasreichen Golfregion ausbauen will. Die Franzosen möchten zum einen den Seeweg durch die Meerenge von Hormus sichern, die der Iran schon mehrfach blockieren wollte. Zum anderen finden sich in den superreichen Emiraten die besten Kunden Frankreichs – von Waffen über Atomkraftwerke bis zu kulturellen Einrichtungen.

Die neue Basis dient offiziell nur der Versorgung, kann aber bei Bedarf schnell zu einem operativen Stützpunkt umgewandelt werden. Etwa 450 Soldaten sollen dort stationiert sein. Es ist nach Réunion vor der afrikanischen Küste und dem ostafrikanischen Dschibuti der dritte französische Militärstützpunkt im Indischen Ozean. Die strategische Wende hatte sich bereits im militärischen Weißbuch angekündigt, das Sarkozy im vergangenen Sommer vorgestellt hatte. Demnach sollten die französischen Stützpunkte in Afrika zum Teil zusammengelegt werden, um Soldaten für Abu Dhabi freizustellen.

Mit der Einrichtung des Stützpunktes soll auch das Verteidigungsabkommen zwischen Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten verlängert werden, das seit 1995 besteht. Die Emire waren schon länger an einer strategischen Partnerschaft mit Paris interessiert, aber Sarkozys Amtsvorgänger Jacques Chirac setzte in der arabischen Welt eher auf Saudi-Arabien. Seit Sarkozys Amtsantritt haben sich die Beziehungen zum Golf auf mehreren Ebenen intensiviert. Der Louvre und die Pariser Universität Sorbonne haben Filialen in Abu Dhabi aufgebaut.

Abu Dhabi hat außerdem großes Interesse an der neuen Generation von EPR-Atomreaktoren, von denen Frankreich derzeit ein erstes Modell in Flamanville am Ärmelkanal baut. Die Emirate wollen bereits von 2017 an Atomstrom produzieren. Frankreich hat gute Karten, seinen EPR-Reaktor zu verkaufen, muss sich aber noch gegen amerikanische Konkurrenz durchsetzen. Beim Besuch von Sarkozy im vergangenen Jahr in den Emiraten haben beide Seiten immerhin ein Abkommen über Zusammenarbeit bei ziviler Nuklearenergie unterzeichnet.

Ein großer Erfolg wäre es, wenn Sarkozy es schaffen würde, die Kampfflugzeuge vom Typ Rafale in die Emirate zu verkaufen. Bislang haben die von Dassault produzierten Rafale trotz intensiver Bemühungen der französischen Regierung keine Käufer im Ausland gefunden. Derzeit verhandelt Paris mit den Emiraten nach Medienberichten über den Kauf von 60 Rafale, was einem Auftragsvolumen von sechs bis acht Milliarden Euro in den kommenden Jahren entspräche. Die Emirate verlangen dafür unter anderem, dass Frankreich die 60 Mirage-Kampfflieger zurücknimmt.

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Ulrike Koltermann

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