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Hintergrund: Wichtig, um den Qur’an zu verstehen

Kurze Zusammenfassung über jene Wissenszweige, die nötig sind, um über die Göttliche Offenbarung sprechen zu können - Von Ibn Dschuzaij Al-Kalbi

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(iz) Der folgende Text von Ibn Dschuzaij Al-Kalbi entstammt der Einführung zu seinem Kommentar des Qur’an (Kitab At-Taschhil li ‘Ulum At-Tanzil)1. Seine voller Name war Abu ‘Abdallah Muhammad ibn Ahmad ibn Muhammad Al-Kalbi (nach dem arabischen Stamm Kalb). Er wurde 693 nach der Hidschra geboren. Ibn Dschuzaij stammte als Europäer aus dem andalusischen Granada und schrieb umfassend über die Wissenschaften seiner Zeit: Hadith (prophetische Überlieferungen), Fiqh (Rechtswissenschaft), qur’anische Rezitation und Deutung. Er starb 741 nach der Hidschra als Teilnehmer der Schlacht von Tarif.

Der Diskurs über den Qur’an macht zwölf unterschiedliche Sorten von Wissenschaften nötig. Diese sind: Kommentar (Tafsir), Rezitation (Qira’at), Urteile (Al-Ahkam), Aufhebung [von älteren Versen durch Verse, die später kamen; ein Beispiel dafür ist das graduelle Alkoholverbot], Hadith, [prophetische] Geschichten, Sufismus, die Quellen des Dins (Usul Ad-Din), die Quellen des Rechts (Usul Al-Fiqh), Sprache (Lugha), Grammatik und Rhetorik (Al-Bajan) für die Klarstellung von Redewendungen.

Qur’ankommentar

In Anbetracht des Kommentars gilt, dass dieser die eigentlich angestrebte Sache ist und die restlichen Künste sind Instrumente, die seinem Zweck weiterhelfen. Sie sind mit ihm verbunden und sind Zweige seiner selbst. Der Zweck des Kommentars ist die Erklärung des Qur’an und die Erhellung seiner Bedeutungen. Die Verständlichmachung des Tafsirs geschieht entweder textlich, mit Hilfe der Indikation oder durch Grammatik. In den Kommentaren des Qur’an gibt es Dinge, über die Einigkeit besteht und solche, über die es unterschiedliche Ansichten gibt. Der Bereich, in dem es unterschiedliche Sichtweisen gibt, besteht aus drei Typen:

• Unterschied im Ausdruck, während es Übereinstimmung in der Bedeutung gibt.

• Unstimmigkeit in der Anführung von Beispielen, wegen der vielen Beispiele, die für eine Bedeutung herangezogen werden können.

• Unterschiedliche Ansicht bezüglich der Bedeutung. Manchmal wird gefragt, was der Unterschied zwischen Tafsir und Ta’wil sei. In dieser Frage gibt es ebenfalls drei Positionen:

• Beide Begriffe beschreiben das gleiche und seien synonym zu verstehen.

• Das Tafsir behandelt den wörtlichen Ausdruck und Ta’wil die Bedeutung.

• Drittens, und dies ist die korrekte Position, ist der Tafsir Erklärung [des Qur’an], während Ta’wil die Worte mit einer Bedeutung in Verbindung bringt, die eine andere ist, als jene, die das Äußere notwendig macht.

Rezitation

Die Rezitationen des Qur’an (Al-Qira’at) haben den gleichen Status wie die Ahadith [Plural von Hadith], daher muss es dabei auch die gleiche Genauigkeit geben wie bei der Überlieferung der prophetischen Überlieferungen. Darüber hinaus gibt es zwei Kategorien der Rezitation: Allgemein bekannte und anerkannte (Maschhur) und irreguläre (Schaan). Von den allgemein bekannten Rezitationen gibt es sieben.2

Wir haben dieses Buch [den Kommentar des Qur’an] aus zwei Gründen auf der Rezitation von Nafi’ basiert: Einerseits ist dies die Rezitation, die am häufigsten in unseren Städten in Andalus und im Rest des Maghrib verwendet wird. Andererseits handelt es sich dabei um die Nachahmung von Medina, möge Allah es ehren, denn dies ist die Rezitation der Leute von Medina. Malik ibn Anas sagte: „Die Rezitation von Nafi’ ist Sunna.“

Urteile

Soweit es die im Qur’an enthaltenen Urteile (Ahkam) betrifft, so sind sie Befehle, Verbote und Fragen des Rechts, die im Qur’an auftauchen. Einige der ‘Ulama sagten: „Es gibt 500 Verse, die einen Bezug zu Urteilen haben.“ Bei einer tieferen Betrachtung wird man mehr finden. Die Leute haben viele Zusammenstellungen der qur’anischen Urteile geschrieben. Zu den besten der Kompilationen aus dem Osten zählen die Werke von Isma’il Al-Qadi und Ibn Al-Hasan Kubah. Eine der besten Werke der Leute aus Andalusien ist das Buch des Qadis und Imams Abu Bakr ibn Al-’Arabi, und das von Qadi Al-Hafidh ibn Muhammad ibn ‘Abd Ar-Rahman, der als Ibn Al-Fars bekannt worden ist.

Aufhebung

Die Aufhebung [der Rechtswirkung von bestimmten Versen] steht in Verbindung mit den Urteilen. Denn sie sind der Wirkungsbereich, in denen die Aufhebung stattfindet. Dabei gilt es zu beachten, dass es im Qur’an Verse gibt, die aufgehoben sind und solche, die aufhebend sind. Die Leute haben viele Bücher über das aufhebende und aufgehobene im Qur’an geschrieben. Das beste unter ihnen ist das von Qadi Abu Bakr ibn Al-’Arabi.3

Hadith

In Sachen der Ahadith [prophetische Überlieferungen] müssen die Kommentatoren in der Lage sein, sie aus zwei Gründen zu überliefern und auswendig zu kennen:

• Viele Verse des Qur’an wurden über bestimmte Personen offenbart und anlässlich von Fragen, Schlachten, Ereignissen und Themen offenbart, die zur Lebenszeit des Propheten, möge Allah ihn segnen und Frieden geben, geschahen. Man muss dies kennen, um zu wissen, über wen ein Vers offenbart wurde, über was und wann es herab gesandt wurde. Das aufhebende beruht auf der Kenntnis der Geschichte der Offenbarung, denn einige spätere heben einige frühere Verse des Qur’an auf.

• Viele der Erläuterungen des Qur’an wurden direkt vom Propheten überliefert. Also muss man diese kennen, denn seine Aussage wird der Ansicht anderer Leute vorgezogen. Geschichten

Die [prophetischen] Geschichten sind Teil der Wissenschaften, die der Qur’an enthält und ein gewisser Teil von ihnen ist unausweichlich. Alle weiteren sind für die Fragen, die uns hier interessieren, aber nicht relevant. Einige Mufassirun geben eine Vielzahl an Geschichten, sowohl echt als auch unecht, weiter. Dies kann bis zu dem Punkt reichen, dass sie Dinge erwähnen, die ihnen nicht erlaubt sind, wenn es sich darum handelt, dass Propheten Fehler zugeschrieben werden oder diese verleumdet werden. In unserem Fall beschränken wir uns in diesem Buch auf Geschichten, die für das Tafsir wichtig sind und über die authentischen Ahadith weitergegeben wurden.

Tasawwuf

Diese Wissenschaft steht in Verbindung mit dem Qur’an – wegen des Wissens von Allah [Ma’rifa], der Erziehung des Selbst, der Erleuchtung der Herzen, sowie deren Reinigung, die durch die Aneignung lobenswerter Eigenschaften und durch die Vermeidung verabscheuungswürdiger Charakteristika erreicht wird. All dies erscheint im Qur’an. Die Leute des Tasawwuf haben Erklärungen des Qur’an angefertigt. Einige von ihnen haben dies herausragend gut getan und sind durch das Licht der inneren Schau bei den feinsten Bedeutungen angelangt. Sie binden sich selbst an die Wirklichkeit dessen, was beabsichtigt war. Einige von ihnen sind tief in die Esoterik eingedrungen und setzen den Qur’an in Beziehung mit etwas, was die arabische Sprache nicht hergibt. Wir haben jene sufischen Hinweise erwähnt, die wir für gut befunden haben.

Wir haben auch über die 12 Stationen des Sufismus an ihren Orten im Qur’an gesprochen:

• Dankbarkeit (Schukr) in der Mutter des Al-Qur’an (die Sure Al-Fatiha, die „Eröffnende“ auf Deutsch) wegen der Art und Weise, in der sich Lobpreis und Dank eine Bedeutung teilen.

• Wir haben über Taqwa gesprochen wegen Allahs Worte in der Sura Al-Baqara „Rechtleitung für die Leute der Taqwa“.

• Und über Dhikr in seinen Worten „Dann erinnert euch an Mich und Ich werde Mich an euch erinnern“ (ebenfalls Al-Baqara).

• Und über Geduld (Sabr) in Seinen Worten „Und gibt den Geduldigen frohe Botschaft“.

• Wir haben über Tauhid wegen Allahs Aussage in der Sura Al-Baqara „Und euer Gott ist ein Gott“ gesprochen.

• Und über die Liebe zu Allah (Mahabba) in seinen Worten „Diejenigen, die Iman haben, sind stärker in der Liebe zu Allah“.

• Über die Abhängigkeit von Allah in der Sura Ali ‘Imran „Wenn ihr eure Absicht gefasst habt, dann vertraut auf Allah“.

• Wir haben über Furcht (Khauf) und Hoffnung (Radscha) wegen Seiner Worte in der Sura Al-’Araf „Und ruft Ihn in Furcht und Hoffnung an“ gesprochen.

• Über Reue (Tauba) spricht Allah in der Sura An-Nur „Und wendet euch gemeinsam Allah zu“.

• Sowie über Aufrichtigkeit (Ikhlas) in der Sura Al-Baijina „Und doch war ihnen nichts anderes befohlen worden, als Allah treu in aufrichtigem Glauben zu dienen“.

Quellen des Dins

Die Grundlagen des Dins (Usul Ad-Din) sind mit dem Qur’an von zwei Blickpunkten betrachtet verbunden. Der eine erscheint im Qur’an als Bestätigung der Glaubenspfeiler, weil er Beweise für sie anbietet und die unterschiedlichen Arten des Unglaubens zurückweist. Der andere ist dasjenige, was die unterschiedlichen Gruppen der Muslime mit dem Qur’an verbindet. Jede argumentiert für ihre Schule und weist jene zurück, die mit ihr im Widerspruch steht, weil diese [die andere Gruppe] ihrer Behauptung nach im Gegensatz zum Qur’an stünde. Es gibt keinen Zweifel darüber, dass einige dieser Gruppen die Wahrheit sagen und andere hingegen lügen. So führt das Wissen von der Erläuterung des Qur’an dazu, dass die Muslime sowohl bei präzisen Bestimmungen ankommen als auch, dass wir durch den Erfolg und die Hilfe Allahs gestärkt werden.

Grundlagen des Rechts

Unter den Rechtsprinzipien (Usul Al-Fiqh) gibt es einige Instrumente für die Erklärung des Qur’an, und doch haben sich viele Kommentatoren nicht mit ihnen beschäftigt, auch wenn sie von Nutzen sein können. Zu diesen Prinzipien zählen unter anderem [Ibn Dschuzaijs Liste ist um einiges länger]:

• Text (An-Nass)

• das Äußere (Adh-Dhahir)

• das allgemeine Konzept (Al-Mudschmal)

• das Unterscheidende (Al-Mubin)

• das allgemeine (Al-’Amm)

• das Besondere (Al-Khass)

• das Absolute (Al-Mutlaq)

• Voraussetzungen für eine Aufhebung

• Aspekte des Widerspruchs

• Gründe für die Uneinigkeit (Asbab Al-Khilaf)

Sprache

Der Kommentator des Qur’an muss die sprachlichen Elemente der Offenbarung kennen, wie beispielsweise die unüblichen Worte, die eine der Wissenschaften des Tafsirs ausmachen. Die Leute haben unterschiedliche Bücher über diesen Aspekt geschrieben.

Grammatik

Für das Tafsir braucht es eine Kenntnis der arabischen Grammatik. Der Qur’an wurde in der Sprache der Araber veröffentlicht und daher muss man die Struktur dieser Sprache kennen. Die Grammatik hat zwei Teilaspekte:

• der eine Bereich ist das Element der Inflektion (der Fall der Wortendungen) und aus diesem ergeben sich die Regeln der strukturierten Sprache.

• der andere Bereich ist die Deklension (die Formen der Worte), welche die Regeln bereit stellt, die die Worte aus der Sicht ihrer Konstruktion zu regieren.

Rhetorik

Das Wissen von der Rhetorik – dies ist eine edle Wissenschaften, durch die die Eloquenz des Qur’an deutlich wird. Wir haben ihre herausragenden Nutzanwendungen in diesem Buch erwähnt und Punkte, die klar und angenehm sind.

1 Als kompletter PDF-Download unter: http://www.bogvaerker.dk/Sciences.pdf

2 Die Rezitation von Nafi’ aus Medina, Ibn ‘Amr Al-Jahsubi aus Damaskus, ‘Abdullah ibn Kathir aus Mekka, ‘Asim ibn Abu An-Nadschud aus Kufa, Hamza Al-Qari aus Kufa, ‘Ali Al-Kisai aus Bagdad und Abu ‘Amr ibn Al-A’la aus Basra

3 Kitab An-Nasikh wa’l-Mansukh fi’l-Qur’an

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