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Hoffnung auf den Schöpfer geht mit der richtigen Handlung einher. Von Habib Bewley

Die gute Meinung von Allah

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„Sprich: ‘Oh, Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiss, Allah vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige.’“ (Az-Zumar, 53)

(iz). Unglücklicherweise haben bedeutende Segmente der muslimischen Umma eines der wichtigsten Prinzipien von Allahs Din aus den Augen verloren. Sie verschrieben sich der Vorstellung, sie seien Opfer und Unterdrück­te und verloren dabei die Hoffnung auf ihren Herrn. Sie hörten auf, eine gute Meinung von Ihm zu haben. Indem sie dies taten, haben sie sich unter die Kontrolle der Umstände begeben, in denen sie sich befinden – und sich so ihre eigene Grube gegraben.

Allah sagt in einem Hadith Qudsi, das vom Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, überliefert wurde: „Ich bin in der Meinung Meines Sklaven über Mich.“ Sind unsere Erwartungen von Allah gering und glauben wir, dass er uns nicht antworten wird, wenn wir Ihn anrufen, oder dass Er uns Sieg und Erfolg gewähren wird, dann werden wir Unterdrückte oder Opfer sein. Aber wenn unsere Erwartungen von Ihm hoch sind, dann wird Er uns darüber ­erheben.

Die Muslime dürfen nicht den Stamm ­Israil nachahmen, der die Hoffnung auf die ­Gnade ihres Herrn verlor, als die Armeen des Phara­os ihn beinahe überwältigten: „Wir ­werden fürwahr eingeholt.“ (Asch-Schurua, 56) Vielmehr müssen sie wie der Prophet Musa sein, möge Allah ihm Frieden geben, der seinem Volk widersprach: „Keineswegs! Denn mit mir ist mein Herr; Er wird mich leiten.“ (Asch-Schurua, 61) Als Folge von Musas ­Vertrauen in seinen Herrn und seiner guten Meinung von Ihm, teilte Allah das Meer in zwei Hälften, rettete sein Volk und ertränkte die feindliche Armee.

Unser Vorbild ist der Prophet Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, als er in der Höhle Thaur ein Versteck fand. Die Quraisch folgten seinen Spuren bis zum Eingang der Höhle und standen nur wenige Meter von ihm entfernt. Abu Bakr, sein Gefährte in der Höhle, berichtete davon: „Ich sagte zum Propheten, während wir uns in der Höhle befanden: ‘Würde einer von ihnen auf das blicken, was zwischen seinen Füßen ist, würde er uns sehen!’ Er antwortete: ‘Abu Bakr, was ist Deine Meinung über zwei, wenn Allah ihr Dritter ist?’“ Er hatte absolutes Vertrauen darauf, dass Allah ihn vor den Augen seiner Feinde verbergen wird.

Eine gute Meinung von Allah zu haben, bedeutet absolutes Vertrauen auf Ihn. Aber auch, dass Er unsere Bittgebete erhört, wenn wir Ihn anrufen. Dass Er uns verzeiht, wenn wir Vergebung von Ihm erflehen. Und dass Er uns Erleichterung geben wird, wenn wir uns in Schwierigkeiten befinden. Jedoch entwickelt sich eine gute Meinung von Allah nicht in einem Vakuum. Man kann sein Leben nicht reuelos mit falschen Taten verbrin­gen, seinem Herrn nicht gehorchen und dann Allahs Barmherzigkeit und Akzeptanz erwar­ten. Gute Meinung von Ihm geht Hand in Hand mit der richtigen Handlung. Ohne diese bleibt sie eine Lüge.

Allah sagt im Qur’an: „Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die auswandern und sich auf Allahs Weg abmühen, sie hoffen auf ­Allahs Erbarmen. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ (Al-Baqara, 217) Mit anderen Worten, es sind jene, die glauben und richtig handeln, die wirklich auf die Gnade Allahs hoffen können. Die anderen belügen sich nur selbst. Die Beziehung zwischen guter Meinung und der richtigen Handlung ist zu hundert Prozent kongruent. Je besser eine ­Person handelt, umso besser wird die Meinung ihres Herrn. Und je besser die Meinung ihres Herrn, umso mehr wird sie richtig handeln.

Abu Huraira überlieferte, dass der Prophet sagte: „Eine gute Meinung von Allah kommt davon, dass Er gut angebetet wird.“ Und Hassan Al-Basri sagte: „Ein Mumin [Person mit Iman, mehr als nur bloßer ‘Glaube’] hat eine gute Meinung von seinem Herrn und verrich­tet als Folge gute Handlungen. Eine verkom­mene Person hat eine schlechte Meinung von ihrem Herrn und handelt dementsprechend schlecht.“

Um dem Teufelskreis des Opferzustandes zu entkommen, der so viele von uns umfangen hat, müssen wir aufhören, auf Nationen, Regierungen oder Völker zu vertrauen und anfangen, uns auf den Einen zu verlassen, Dem alle Macht und Stärke gehört. Ihm, der uns Erfolg verspricht und dessen Versprechen niemals gebrochen werden, muss unser Vertrau­en gelten. Allah sagt: „Wahrlich, Wir helfen unseren Gesandten und denjenigen, die glauben, im diesseitigen Leben und am Tag, da die Zeugen auftreten.“ (Al-Ghafir, 51) ­Hierzu passt der Ratschlag, der von unserem Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, drei Tage vor seinem Tod von Dschabir überliefert wurde: „Niemand ­unter euch soll sterben, ohne eine gute Meinung von seinem Herrn zu haben, und ohne auf die Gnade Allahs zu hoffen.“

Jeder Muslim muss gleichermaßen eine gute Meinung vom anderen haben. Das ist das Bindemittel, das Familien und die Gesellschaften zusammenhält. Daraus folgt, dass er immer das Beste über seinem Bruder denken muss. Egal, was er von ihm sieht oder hört, solange es nicht eine schwerwiegende falsche Handlung ist. ‘Umar ibn Al-Khattab sagte: „Denkt nicht schlecht über ein Wort, das aus dem Mund eines Muslims kommt, solange ihr einen Weg finden könnt, es vorteilhaft zu deuten.“ Und selbst, wenn man etwas eindeutig Schlechtes sieht, dann sollte man nach Entschuldigungen suchen. Ibn Sirin meinte hierzu: „Wenn man etwas über seinen Bruder hört, sollte man Entschuldigungen für ihn finden. Kann man keine Entschuldigung finden, dann sollte man sich sagen: ‘Vielleicht hat er eine Erklärung, die ich nicht kenne.’“

Von Abu Ishaq Asch-Schirazi, einem Bagdader Sufi-Schaikh des vierten [islamischen] Jahrhunderts, stammt folgende Anekdote: Er hatte einen sehr wertvollen Turban, der 20 (Gold)Dinare wert war. Eines Tages nahm er ihn ab, um seine Gebetswaschung zu verrichten. Währenddessen kam ein Mann, stahl ihn und ließ an Stelle des teuren Turbans einen alten, zerschlissenen zurück. Als Abu Ishaq fertig war, setzte er diesen Turban auf. Er merkte nicht, dass etwas anders war, bis einer seiner Schüler ihn während des Unterrichts aufmerksam machte. Er entgegnete: „Vielleicht wurde er von jemandem genommen, weil dieser ihn gebraucht hat.“

Da wir nicht wissen können, was in den Herzen anderer Leute ist, noch über ihre genauen Lebensumstände informiert sind, müssen wir automatisch das Beste und nicht das Schlimmste annehmen. Und gleichermaßen bleibt unser Wissen von dem, was richtig und falsch ist, erheblich eingeschränkt: Der Din des Islam ist weit und nicht eng. Nur, weil man von einer bestimmte Sache noch nie gehört hat beziehungsweise sie sehen konnte, macht es sie noch nicht schlecht. Daher sollte man sich hüten, andere einfach nur deshalb abzulehnen, weil sie etwas anders machen als wir. Besser ist es, davon auszugehen, dass der andere richtig und korrekt handelt, bis es einen definitiven Beweis des Gegenteils gibt.

Und selbst, wenn es einen solchen eindeutigen Nachweis gibt, dann gilt unsere Ablehnung nicht der entsprechenden Person, sondern ausschließlich ihrer Handlung. Denn eine, von uns beobachtete falsche Handlung kann in den Augen Allahs bei weitem durch viele andere gute Handlungen überwogen werden. Die andere Person mag auch Allah weitaus näher sein als wir es sind.

Eigentlich wäre es der beste Weg, durchs Leben zu gehen und von jedem Muslim, dem man begegnet, auszugehen, dass er der bessere ist. Von Mu’awija Al-Aswad wurde überliefert, dass dieser sagte: „Jeder einzelne meiner Brüder ist besser als ich.“ Wie das sein könne, wurde er gefragt: „Sie alle halten mich für besser“, entgegnete er, „und jeder, der mich für besser hält als sich selbst, ist besser als ich.“ Manchmal überfallen uns die negativen Gedanken über andere unerwartet. Wenn dies geschieht, empfiehlt es sich, ein Bittgebet zu machen, mit dem man um etwas Gutes für die entsprechende Person bittet.

Die schlechte Meinung von anderen zerstört das soziale Gewebe einer Gesellschaft, bis nur Spaltung und Misstrauen übrig bleibt. Dies ist unausweichlich, weil es zu Schnüffeln und damit zu übler Nachrede und Verleumdung führt. Allah sagt: „Oh ihr, die Iman habt, meidet viel von den Mutmaßungen; gewiss, manche Mutmaßung ist Sünde. Und sucht nicht (andere) auszukundschaften und führt nicht üble Nachrede übereinander. Möchte denn einer von euch gern das Fleisch seines toten Bruders essen? Es wäre euch doch zuwider.“ (Al-Hudschurat, 12) Durch die schlechte Meinung finden Lüge und Verleumdung einen Halt in der Gesellschaft, in der sie sich in Folge schnell ausbreiten. Dies wurde bestätigt, als die Heuchler Aischa, die Ehefrau des Propheten, in ­Medina verleumdeten. Darüber offenbarte Allah in der Sura An-Nur: „Hätten doch, als ihr es hörtet, die gläubigen Männer und Frauen eine gute Meinung voneinander gehabt und gesagt: ‘Das ist deutlich eine ungeheuerliche Lüge!’“ (An-Nur, 12) Wir dürfen nicht vergessen, dass das, was wir in anderen sehen, eine Reflexion von dem ist, was in uns selbst ist. Wenn man also nur schlechtes in den anderen Muslimen sieht, dann liegt der Fehler bei einem selbst und nicht bei anderen.

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