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Hüben wie drüben: Die öffentliche Unzufriedenheit wird von der neuen Generation ausgesprochen. Von Sulaiman Wilms

Die Energien der Jugend

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(iz). Unsere Träume passen nicht in eure Wahlurnen“ oder „Wir sind kein Spielball in den Händen von Politikern und Bankern“; wer glaubt, diese Slogans kämen aus den Aufstandsgebieten der arabischen Welt, der irrt sich. Diese Sätze sind nur eine kleine Auswahl der Slogans überwiegend jugendlicher Demonstranten in Spanien. Die Geduld mit der politischen und monetären Führungsschicht ihres Landes ist zu Ende. Scheinbar folgen sie – eine historische Ironie – einen nahöstlichen Vorbild und machten ihrer Wut auf den öffentlichen Plätzen Luft.

Es ist kein Zufall: In vielen Teilen der Welt erkennt die Jugend, dass sie zum Erbe schier unlöslicher Probleme (Schuldenberge, Überalterung, ökologischer Raub­bau) wird. Dabei weiß auch die neue Generation in Europa oder der arabi­schen Welt, dass die bloße Nutzung so genann­ter sozialer Netzwerke nichts an ungerechten Verhältnissen ändert. Und sie ahnt – oder lernt es -, dass die blo­ße Kontrolle der Straße und die Forderung, dass in den politischen Chefetagen Köpfe fallen müssen, noch nicht ihr Ziel erreicht. Ein oberflächlicher Blick auf das öffentliche Personal macht deutlich, dass die Politiker nicht die wirklichen Schuldigen der Misere sind. Sie waren in den letzten Jahrzehnten ja gar nicht in der Lage, das Finanzmonster zu verstehen, geschweige denn, es zu beherrschen.

Nichtsdestotrotz verweist die jugendliche Wut auf ihre organische Energie, die aber im Rahmen der jetzigen Verhält­nisse spirituell und intellektuell unfokus­siert bleibt. An diesem Punkt eröffnet sich die Möglichkeit einer ­faszinierenden Begegnung zwischen dem Geschick unserer Zeit und dem Islam.

Denken wir an „Ritterlichkeit“, ­fallen uns antiquierte Bilder höfischer Manieren ein. Im muslimischen Erbe aber, dem historischen Vorläufer der europäischen „Ritterlichkeit“, meint sie – die so genannte Futuwwa – viel mehr. Es ist kein Zufall, dass ihre sprachliche Wurzel auf einen der arabischen Begriffe für „Jugend“ zurückreicht. Historisch gesehen war die Futuwwa in der muslimischen Welt gewissermaßen – und in Ermangelung eines besseren Wortes – eine Form von Jugendbünden, in denen neuen Generationen von anerkannten Meistern in wesentlichsten und edelsten Charaktereigenschaften erzogen wurden.

Gerade für die nach eigener Identität suchende Jugend in Europa stellt dies eine faszinierende Alternative dar. Die Futuwwa ist außerdem alles andere als ein Fremdkörper in Europa. Sagte doch der große britische Erzieher Thomas Arnold: „Haben meine Junge vier Dinge, wenn sie die Schule verlassen, dann habe ich ihnen gegenüber meine Pflicht erfüllt. Diese vier Dinge sind Gottesfurcht, Loyalität, Großzügigkeit und Mut.“

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Sulaiman Wilms

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