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„Ich will Mädchen ein ­Vorbild darin sein, ihren Träumen zu folgen“

Über Zeina Nassar: Berliner Boxmeisterin, Theatertalent und vieles mehr

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Foto: Z. Nassar

(iz). In den letzten Monaten begegnete sie einem immer wieder auf der eigenen Facebook-Timeline. Ihre Fotos fallen ins Auge, es ist nicht das Übliche, das einem sonst beim Rumscrollen begegnet.
Zeina Nassar hat sich in Berlin eine Lokalberühmtheit erarbeitet. Und allmählich wird den Weiten des Internets dargelegt, woran das liegt.

Die 19-Jährige hat sich bei den meisten, die sie heute kennen, einen Namen damit gemacht, ein herausragendes Boxtalent zu sein. Bereits drei Mal wurde sie in ihrer Gewichtsklasse Berliner Boxmeisterin. Und ja, natürlich sorgt eine solche Nachricht besonders dann für Wirbel, wenn sie das erste Mädchen mit Kopftuch ist, das diesen Titel erhält. Und so wird sie mittlerweile in diversen Fernseh-, Zeitungs- und Onlinebeiträgen als das Mädchen mit dem Kopftuch präsentiert.
Dabei ist es mehr als interessant, hinter das Plakative zu blicken und den Menschen Zeina Nassar kennenzulernen. Ich traf mich mit ihr in einem Café in Berlin-Schöneberg. Was eigentlich ein Interview werden sollte, wurde zu einem guten Gespräch über einiges mehr als ihre Leidenschaft fürs Boxen. Denn Zeina hat viel zu bieten.

„Ich kann keine Prioritäten setzen“, sagt sie am Anfang des Gespräches selbstkritisch. Im Laufe des Zusammensitzens verstehe ich auch, wie sie das meint. Sie ist übertalentiert. Und im Zuge dessen überbeschäftigt. Während manche schon mit ihrem Studium überfordert sind, schafft die Studentin es, einige ihrer Hobbys zu professionalisieren und für diese sogar geradezu berühmt zu werden.

Allen voran ist es das Boxen, worin sie viel Zeit investiert. Längst ist sie eine Ikone für viele geworden. Es geht auf ihr Konto, dass Mädchen mit Kopftuch an offiziellen Turnieren des Berliner Boxverbandes teilnehmen dürfen. Ihr Verein habe sich dafür eingesetzt, damit sie antreten könne. Dass sie auch eine ziemlich gute Boxerin ist, wurde schnell offensichtlich.

Ihre Familie habe nach anfänglicher Skepsis stets hinter ihr gestanden. „Mich hat es sehr motiviert, dass meine Eltern mich unterstützen“, sagt Zeina und erzählt, wie ihre Mutter ihr gebeichtet habe, jeder Schlag, den sie im Ring abbekäme, fühle sich an wie ein Schlag, der sie selbst treffe.

Dabei wirkt Zeina Nassar nicht wie der Typ Mädchen, um den man sich besonders viele Sorgen machen müsste. Ihr Auftreten ist souverän, selbstbewusst und direkt, ohne dass sie dabei an Eleganz einbüßt. Trotz der vielen Termine, deren Erwähnung ihr immer wieder in Nebensätzen ausrutscht, wirkt sie ausgesprochen entspannt. Das Reden liegt ihr. Wenn sie zu viel rede, solle ich sie unterbrechen, sagt sie. Was sie zu erzählen hat, sollte man aber nicht unterbrechen. Insbesondere dann nicht, wenn es um etwas geht, das sie wirklich ausdrücken möchte.

„Ich will Mädchen ein Vorbild darin sein, ihren Träumen zu folgen“, erklärt Zeina. „Ich hatte einige Hürden auf dem Weg hierhin, aber gerade das hat mich stärker gemacht. Ich will ihnen zeigen, dass man es dann erst recht versuchen sollte.“ Die Berlinerin weiß um ihre Wirkkraft. „Ich bekomme viele Nachrichten über meine Facebook-Seite, in denen sich Mädchen dafür bedanken, dass ich ihnen Kraft gegeben hätte. Selbst auf der Straße werde ich schon angesprochen.“ Sie strahlt regelrecht während des Erzählens.

Hört man ihr zu, kann man nachvollziehen, was ihr das öffentliche Engagement bedeutet. Abgesehen vom Boxen und Basketball, was auch zu einer ihrer großen Leidenschaften gehört, ist es das Theater, das sie begeistert. Schon in der Schule habe sie sich darin versucht. Mittlerweile steht sie im Maxim-Gorki-Theater regelmäßig auf der Bühne. Die Karten für das Stück „Stören“, in dem sie eine wichtige Rolle übernommen hat, sind sehr begehrt. Beinahe jede Veranstaltung ist ausverkauft.

Auch hier war Zeina wieder die Erste mit Kopftuch. Beim Theaterstück spielt das aber keine große Rolle. Dafür ist sie wiederum zu selbstbewusst. Auch wenn sie durch ihre Leidenschaft offenbar fähig ist, Rollen anzunehmen, stört es sie schon, wenn sie nur auf das Kopftuch reduziert wird. „Alle wollen natürlich immer wissen, wie das so ist, Kopftuch und Boxen, Kopftuch und Theater… Aber ich würde auch gerne über andere Dinge reden.“

Zeina Nassar will nicht nur antworten oder hinhalten, sie will gerne erzählen und etwas anbieten. „Deshalb will ich übrigens auch Grundschullehrerin werden. Weil ich es interessanter finde, vorne zu stehen und Kindern etwas mitzugeben.“ Sport und Deutsch sollen die Lehrfächer sein. Zudem Darstellendes Spiel. Auch wenn Boxen und das Theater keinen großen Karrierewunsch darstellen – sie bleibt ihren Leidenschaften dennoch treu.

Warum sie aus ihrem Boxtalent nicht eine einschlägige Karriere machen will, erklärt sie vor allen Dingen durch technische Unterschiede. „Dazu muss man wissen, dass ich im sogenannten Amateurboxen aktiv bin. Das heißt, mein größtes Ziel im Boxen ist es, in die Olympischen Spiele zu gelangen, dafür bin ich im passenden Verband“, erklärt die 19-Jährige. Beim Profiboxen werde man als Frau weniger gefördert.

Letztendlich rutschte sie in die Leidenschaften des Boxens und des Theaters durch den Drang, Neues auszuprobieren. „Ich will nicht ausschließlich für Boxen oder Theater stehen, sondern dafür, dass man alles erreichen kann, wenn man es wirklich will.“

Wie abzusehen war, reagiert nicht jeder besonders begeistert auf dieses selbstbewusste Auftreten. „Am Anfang hat es mich schon verletzt, wenn ich Nachrichten bekam, in denen ich fertiggemacht wurde oder Leute mich einfach beleidigten, obwohl sie mich überhaupt nicht kennen.“ Mit der Zeit lasse sie so etwas gar nicht mehr an sich heran. Und wenn doch, dann motiviere sie das nur noch zusätzlich.

„Es wird immer Leute geben, die dagegen sind. Aber dafür will ich ja stehen. Dass man trotzdem weitermacht und sich nicht beeindrucken lässt, also positiv bleibt.“ Trotz ihrer anfänglichen Behauptung, aufgrund fehlender Priorisierung zu viel auf einmal beziehungsweise schlichtweg zu viel zu machen, wirkt Zeina ausgeglichen und fähig, in jedem Moment etwas Großes, Erfolgreiches zu starten. „Meine Familie gibt mir Kraft, meine Freunde geben mir Kraft und ja, meine Religion gibt mir Kraft“, so das Ausnahmetalent.

Zeina Nassar ist nicht nur die Boxerin mit dem Kopftuch. Zeina Nassar ist die junge Frau mit dem Selbstbewusstsein und dem Willen, alles Mögliche zu sein und zu werden.

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