IZ News Ticker

Im rheinischen Troisdorf entsteht eine neue Moschee der albanischen Gemeinde. Von Yasin Alder

Nicht mehr versteckt

Werbung

(iz). Die albanischstämmigen Muslime stehen, wie die ebenfalls europäischen Bosnier, kaum im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, wenn es um Muslime in Deutsch­land geht. Die Zahl der ethnischen Albaner in Deutschland wurde im Jahr 2008 mit etwa 320.000 angegeben, wobei zu bedenken ist, dass diese Menschen nicht nur aus Albanien, sondern in größerer Zahl auch aus dem Kosovo und vor allem auch aus Mazedonien stammen, wo es eine große albanische Minderheit gibt. Und nicht alle der hier lebenden Albaner und Albanischstämmigen sind Muslime.

Wenig bekannt ist zudem, dass ein großer Teil der hier lebenden Albaner bereits vor rund 40 Jahren als Arbeitsmigranten nach Deutschland kam, vor allem aus dem heutigen Mazedonien, das damals noch zu Jugoslawien gehörte. In einer zweiten Phase kamen etwa ab 1990 weitere albanische Muslime, im Zuge der Öffnung des „eisernen Vorhangs” und der Kriege auf dem ­Balkan. Von diesen sind viele jedoch inzwischen wieder in ihre Heimat zurückgekehrt.

So kamen albanische Muslime auch ins rheinische Troisdorf, durch die Anwerbung eines großen örtlichen Arbeitgebers. Die Moscheegemeinde der albanischstämmigen Muslime in Troisdorf ist aus kleinen Anfängen inzwischen deutlich angewachsen und erst vor kurzem in ein neues Gebäude umgezogen, das künftig noch ausgebaut werden soll.

Die früher von der Gemeinschaft als Moschee genutzten Räumlichkeiten können dabei selbst im Kontext so ­genannter „Hinterhofmoscheen” noch als Unikum bezeichnet werden – es handelte sich um mehrere zusammen­gestellte Containerbaracken, welche durch Herausnehmen der Zwischenwände einen großen Raum ergaben, der, liebevoll gestaltet, als Moschee diente. Gelegen war diese ungewöhnliche ­Moschee an abgelegener Stelle in einem Gewerbegebiet.

Mahir Mustafa, zweiter Vorsitzender des Vereins, der den Namen „Islamisches Kulturzentrum für Albaner e.V.” trägt, erzählt, dass der Moscheeverein 1994 gegründet wurde; er ist damit eine vergleichsweise junge Gründung. Begonnen habe man mit 20 bis 30 Personen, inzwischen habe der Verein über 60 Mitglieder. Der Einzugsbereich umfasst dabei auch die umliegenden Orte und Nachbarstädte. Die nächstgelegene albanische Moschee befindet sich erst im knapp 40 Kilometer entfernten ­Leverkusen.

Seit 2010 befindet sich die Moschee in einem neuen Gebäude, einer ehemaligen Buchbinderei, das der Verein günstig ersteigern konnte. Die neue Moschee ist am Rande eines Wohngebiets gelegen, aber auch in der Nähe einer Autobahnausfahrt, und damit sehr gut erreichbar. Nun möchte man das Gebäude um ein weiteres Stockwerk erhöhen und ausbauen. Derzeit wartet man noch auf die Baugenehmigung.

Das neue Gebäude und der bessere Standort habe auch das Anwachsen der Mitgliederzahl befördert, meint Mahir Mustafa. „Vorher waren wir recht versteckt und man wusste nicht genau, wo wir sind.” In Troisdorf lebten insgesamt etwa 200 albanische Familien, so Mustafa, von denen freilich nicht alle einen Bezug zur Moschee haben. „Durch den Bau der Moschee konnten wir das Interesse und die Unterstützung von vielen bekommen, die bisher noch keinen Kontakt zum Moscheeverein hatten”, sagt er. Auch die Solidarität und Unterstützung anderer albanischer Gemeinden ist groß; auch über große Entfernungen hat man Spenden in anderen Moscheen gesammelt, sogar in der Schweiz. Durch die neue Moschee konnte man unter den albanischen Moscheegemeinden viele neue Kontakte knüpfen und bekannter werden.

Zu den beiden anderen Troisdorfer Moscheen pflegt man auch sehr gute Kontakte; im letzten Ramadan haben die Mitglieder der marokkanischen Moscheegemeinde sogar für die albanische Gemeinde zum Fastenbrechen Essen vorbereitet.

Auch die Frauen können die neue Moschee nun besser als Treffpunkt nutzen. Bisher treffen sie sich einmal im Monat in der Moschee. Einen fest angestellten Imam gibt es bisher noch nicht. Man wolle versuchen, zunächst noch mehr Mitglieder zu gewinnen, um dann auch einen Imam finanzieren zu können, so Mahir Mustafa. Der Verein benötige für die Umsetzung des Bauprojekts noch etwa 300.000 bis 350.000 Euro, sagt der zweite Vorsitzende. „Wir brauchen dafür viel Unterstützung”.

Bisher hat man sich vor allem mit der Entwicklung der eigenen Räumlichkeiten und dem Mitgliederwachstum beschäftigt. Daher gibt es in der Moschee bisher noch kaum regelmäßige sonstige Aktivitäten, wie sie in den meisten Moscheen üblich sind. Die albanische Gemeinde in Troisdorf befindet sich hierbei noch in den Anfängen. Für die Zukunft plant der Verein unter anderem, einen Unterricht für Kinder einzurichten und sich insgesamt stärker im Bildungsbereich zu engagieren, auch mit Deutschunterricht.

Für die Moscheebesucher, die nicht der albanischen Sprache mächtig ist, wünsche man sich künftig einen Imam, der auch Deutsch und gegebenenfalls auch andere Sprachen sprechen kann. Dann könne man beispielsweise auch eine deutsche Übersetzung der Freitagsansprache anbieten.

Auch den Tag der offenen Moschee oder andere Tage der offenen Tür wolle man in Zukunft durchführen, so der Vorsitzende Enver Mustafi. „Wir wollen zeigen, dass der Islam ein seriöser Glaube ist, der keinem etwas schlechtes wünscht. Wir wollen ein gutes Zusammenleben, auch mit den Christen, und dass einer dem anderen hilft.”

Der Verein hofft weiterhin auf neue Mitglieder, um sich zu konsolidieren, und auf die Unterstützung anderer Muslime bei ihrem Moscheebauprojekt.

Webseite der Moschee:
www.ikv-rsk.de

Wer den Verein dabei unterstützen möchte, kann auf das unten angegebene Konto spenden:
Islamisches Kulturzentrum für Albaner e.V.
Kontonummer: 0001215357
Bankleitzahl: 37050299
Kreissparkasse Köln

Euch gefällt der Artikel? Hier könnt ihr ihn teilen!

Facebook
Twitter
Instagram
Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen