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Imamausbildung: Entscheidung für neue Fakultäten gefallen. Von Ali Kocaman

Hoffen auf „Königsweg“

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In Sachen Imamausbildung haben sich die Entscheidungsträger auf ein universitäres Modell konzentriert. Nun ­wurden in einer ersten Runde zwei Lehrstühle vergeben. Deutschlands Muslime, Adressaten ihrer Absolventen, wurden bei diesem Konzept nicht befragt.

(IZ/Agenturen). Selten erreichen Entscheidungen zur Einrichtung von universitä­ren Lehrstühlen die vorderen Sei­ten großer Tageszeitungen. Zumeist werden sie in den weniger wichtigen Rub­riken abgehandelt. Angesichts der aktu­el­len Debatte über den Islam in Deutschland hat diese aber eine verstärkende Wirkung. Wie sonst ließe es sich erklä­ren, dass die Einrichtung neuer Lehrstühle für so genannte „Islam-Studiengänge“ sich eines derartigen medialen Interes­ses erfreut und bundesweite Aufmerksam­keit erregte? Die Freude war groß in Osnabrück. An der Universität in der drittgrößten Stadt Niedersachsens soll ein Islam-Studiengang eingerichtet werden. Das gab Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in Berlin bekannt. Bundesweit bewarben sich fünf Standorte: Tübingen, Münster, Osnabrück, Erlangen und Marburg/Gießen. Erstaunli­cher­weis­e gingen andere, ebenfalls profilierte Kandidaten nicht ins Rennen. Auch kein Bewerber aus Ostdeutschland war dabei. Schavan kündigte eine zweite Auswahl­runde Anfang 2011 an. Sie gehe davon aus, dass etwa die Universität Erlangen, die jetzt bereits im Rennen war, ihr An­trags­konzept soweit überarbeiten werde, dass sie einen Zuschlag bekommt.

Ministerin Schavan zeigte sich befriedigt. Damit sei laut Beobachtern eines ihrer politischen „Lieblingskinder“ auf den Weg gebracht worden. Der Aufbau jener Zentren für „Islamische Studien“ ist politisch gewollt. Bestärkt durch eindeutige Empfehlungen des Wissenschaftsrates zählt auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere zu den Förderern des Projekts. Das erwähnte Gremium empfahl zuvor die Aus­bildung von Imamen und muslimi­schen Gelehrten.

Obwohl der Zentralrat der Muslime in Gestalt seines Vorsitzenden, Aiman Mazyek, die Entscheidung begrüßte, ging in der Berichterstattung unter, dass es bisher jenseits verbandspolitischer Verlautbarungen kaum zu nachhaltigen ­Debatten innerhalb der muslimischen Community kam. Die praktizierenden Muslime Deutschlands erhielten bisher keine adäquate Gelegenheit, sich zu der Frage zu äußern, ob eine quasi staatliche Imamausbildung an deutschen Universi­täten wirklich in ih­rem Interesse oder in dem ihrer Religion ist.

„Wir sind stolz auf die Vorreiterrolle Niedersachsens“, erklärte der Schura-Niedersachsen-Vorsitzende Avni Altiner. „Wir freuen uns über diese Zusage jetzt für die Universität Osnabrück“, so Avni Altiner. Dennoch ist er nicht ganz zufrieden mit der Entscheidung aus Berlin. Der Schura missfällt die nun erzwungene Kooperation mit der Universität in Münster, an welcher der in die Schlagzeilen geratene Sven Kalisch unterrichtet.

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